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Fazit | Beitrag vom 29.06.2021

Schriftstellerin Kathrin SchmidtIrritierende Vergleiche mit der NS-Ärzteschaft

Annekatrin Klepsch im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Die Schriftstellerin Kathrin Schmidt mit Brille und dunkelroter Bluse spricht in ein Tischmikrofon. (imago / gezett)
Die Dresdner Stadtschreiberin Kathrin Schmidt möchte für "Die Basis" in den Bundestag. (imago / gezett)

In Dresden gibt es Irritationen über die Stadtschreiberin Kathrin Schmidt. Diese rückt die Bundesärztekammer wegen der Impfempfehlung für Kinder in die Nähe der NS-Ärzteschaft und kandidiert für die Corona-Protestpartei "Die Basis".

In Dresden hat eine Jury aus Autorinnen, Buchhändlern und Leuten aus Kulturinstitutionen die Schriftstellerin Kathrin Schmidt zur Stadtschreiberin gewählt. Schmidt hatte 2009 für ihren Roman "Du stirbst nicht" den Deutschen Buchpreis gewonnen. Darin verarbeitet sie ihre Erfahrungen nach einem Schlaganfall, nach dem sie neu sprechen und schreiben lernen musste.

Artikel im verschwörungsaffinen Online-Magazin

Schmidt veröffentlichte Romane, Erzählungen und Gedichte, als politische Autorin war sie bisher nicht bekannt. Doch dann trat sie in die Corona-Protestpartei "Die Basis" ein und publizierte im verschwörungsaffinen Online-Magazin "Rubikon" einen Text, in dem sie die Bundesärztekammer mit ihrer Empfehlung, Kinder gegen Corona impfen zu lassen, in die Nähe von NS-Ärzten rückt, die Experimente an wehrlosen Menschen vorgenommen haben.

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"Das hat uns alle überrascht, dass Frau Schmidt sich nicht nur als Lyrikerin und Autorin engagiert, sondern auch politische Beiträge in einschlägigen Plattformen veröffentlicht hat", sagt Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke).

Die Dresdener Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch mit Brille und orangener Jacke spricht in ein Mikrofon. (imago / Future Image / M.Wehnert)Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch ärgert sich über die Warnung vor der Impfung für Kinder. (imago / Future Image / M.Wehnert)

Es sei legitim, die Coronapolitik zu kritisieren, betont Klepsch: "Aber die Grenzen sind überschritten, wenn Vergleiche mit der NS-Ärzteschaft hergestellt werden und das Impfen als Menschenversuch dargestellt wird".

Ohne Impfung kein Pandemie-Ende

Dabei sei klar, dass die Pandemie ohne Impfungen nicht zu besiegen sei, sagt Klepsch: "Und das ist das, was mich besonders ärgert an dem Artikel. Dieses Warnen vor der Impfung für Kinder, weil im Herbst werden unsere Kinder die letzten sein, die noch nicht geimpft sein werden, und die das größte Risiko tragen, schwer zu erkranken."

Sie wolle Kathrin Schmidt nicht als renommierte Schriftstellerin abwerten, sagt Klepsch, und es stehe ihr frei, sich parteipolitisch zu engagieren: "Das gilt für 'Die Basis' wie für alle anderen Parteien, solange sie nicht vom Verfassungsschutz verboten sind."

Allerdings werde es bis zur Bundestagswahl keine Veranstaltung mit Schmidt auf städtischen Podien geben, da sie für die Partei für den Bundestag kandidiere: "Wir wollen transparent bleiben und die Dinge voneinander trennen."

(beb)

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