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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 09.11.2015

Schriftsteller Matthias Biskupek Ein Sachse in Berlin

Von Claus-Stephan Rehfeld

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(picture alliance / ZB / Michael Reichel)
Der Schriftsteller Matthias Biskupek: "Sächsisch ist keine Sprache, das ist eine Welthaltung." (picture alliance / ZB / Michael Reichel)

Zuzügler nach Berlin haben es nicht leicht, denn die Berliner Gangart ist eine andere als die in Sachsen - darüber kann der Schriftsteller Matthias Biskupek berichten.

Matthias Biskupek: "Ja, ich kann kein berlinisch."

Ja nein - ein Sachse in Berlin.

Biskupek: "Der Sachse kann eigentlich kein berlinisch. Ich glaube nicht. Das ist ja das Schlimme, dass der Sachse zwar immer sich überall anpasst, er ist ja sozusagen der Anpassler par excellence oder per exzellenze, der ist ja überhaupt immer derjenige, der sich immer überall durchwurschtelt, aber in Berlin, da versagen seine sprachlichen Fähigkeiten."

Aber der Sachse Sammer schwäbelt, kaum ist er weg ... von Sachsen.

Biskupek: "Aber ansonsten, ich glaube, in Berlin, funktioniert das nicht."

Beim Sachsen.

Biskupek: "Also er scheitert daran, weil er dem Berliner sich unterlegen fühlt. Und dann hat es etwas damit zu tun, wenn ich Sachse sozusagen nach Berlin komme, dann ist das für mich eine große Welt. Der Sachse ist per se ein Provinzler. Und ein Provinzler hat in der Hauptstadt immer seine Probleme."

In Berlin, der lichten, weiten Stadt, muss man den Kopp hochhalten ...

Biskupek: "... und in Sachsen zieht man immer mehr so durchs Gebirge und an den Flussläufen entlang. Und da zieht man sich so ein bisschen die Schultern ein."

... und streckt er sie raus, bleibt er immer noch ... ein ... Sachse?

"Also man hört's. Wenn man es nicht an der Sprache hört, merkt man es nach kurzer Zeit an den Bewegungen. Es hat für mich etwas vertrautes, ein bisschen hucksches, eingezogenes; ein bisschen zurückhaltend, nicht so draufhauend, und vielleicht boshaft mehr im Untergrund - aber das ist eine Welthaltung."

Ah ... ja ...

Biskupek: "Sächsisch ist keine Sprache, das ist ne Welthaltung. Und wer sich so bewegt im Sumpfstadtdschungel, der kann nur aus Sachsen kommen."

Vom Sound mal ganz abgesehen?

Biskupek: "Ja, das sowieso, am Sound merkt man's immer. Also jemand kann 40 Jahre hier leben, aber so ein bisschen was vom Sound, das bleibt einfach drinne. Ich kann gar nicht mal sagen, was es ist, aber is so ein bisschen ein untergründiges Sprachgegrummel, was immer beim Sachsen drinne is."

Und das kennt der echte Berliner nicht.

Biskupek: "Ja, es ist sicherlich eine Überlebenshaltung, weil wirklich so viel in einer Großstadt passiert, in einem Moloch, dass man sich über nischt mehr wundern kann. 'Ick wunder mir üba janischt mehr' sagt man dann."

Sagt der Berliner. Und sein Dialekt ...

Biskupek: "... hört sich speziell für Leute aus Mitteldeutschland etwas heller, klarer, schärfer, geradliniger, fester an. Nich so wabblich und verschwiemelt so wie unsere Sprache."

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