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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 20.10.2017

Schriftsteller Daniel Kehlmann "Der Narr kann überall hin"

Daniel Kehlmann im Gespräch mit Hans Heimendahl

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Daniel Kehlmann  (picture alliance/dpa/Foto: Arne Dedert)
Der Autor Daniel Kehlmann (picture alliance/dpa/Foto: Arne Dedert)

Wenn er ein neues Buch veröffentlicht, ist ihm ein Spitzenplatz in den Bestsellerlisten sicher, spätestens seit seinem Bestseller "Die Vermessung der Welt". Und auch Daniel Kehlmanns gerade erschienenes neustes Werk "Tyll" erfährt begeisterte Kritiken.

Wenn er ein neues Buch veröffentlicht, ist ihm ein Spitzenplatz in den Bestsellerlisten sicher, spätestens seit seinem Bestseller "Die Vermessung der Welt". Und auch Daniel Kehlmanns gerade erschienenes neustes Werk "Tyll" erfährt begeisterte Kritiken.

Es geht um einen Schelmen, der sich durch das Chaos des Dreißigjährigen Kriegs schlängelt, wobei die Grenzen zwischen Historie und Fiktion, Dichtung und Wahrheit verschwimmen – beim an die Figur des Till Eulenspiegel angelehnten Protagonisten wie beim Autor Daniel Kehlmann. Der ist für das Buch auch tief eingestiegen in die Geschichte des 17. Jahrhunderts.

"Es ist eben noch eine Welt, die radikal nicht berührt ist von Aufklärung. Darin möchte man vielleicht nicht unbedingt leben aber für den Romancier für den Erzähler natürlich auch für viele Dramatiker gibt das ungeheuer viel her."

Den Sinn für die Kunst und seine Faszination für die Literatur hat schon sein Elternhaus in ihm geweckt. Schon sein Großvater war Schriftsteller, der Vater Regisseur. Dafür sei er dankbar und er habe nie das Bedürfnis gehabt, ganz andere Wege einzuschlagen, sagt der 42-jährige gebürtige Österreicher.

"Das war absolut motivierend. Das war einfach Kultur, Bücher, auch Theater, natürlich auch Film. Alles,  was mit Geschichten erzählen zu tun hat in den verschiedenen Medien der Kultur. Das war so präsent als ich ein Kind war,  im Gespräch und durch die Bibliothek meines Vaters, die wiederum vom Großvater kam, die zum Teil von dessen Vater war und wo wiederum Bücher waren von Autoren, die mein Großvater noch persönlich gekannt hat. Eben Josef Roth zum Beispiel, den mein Vater wiederum verfilmt hat,  mehreres von ihm, also ich sehe das als ein unglaubliches Privileg für das ich sehr dankbar bin."

"Ich habe auch keine wirklich gute Erklärung dafür"

Kehlmann hat auch Theaterstücke verfasst wie "Geister in Princeton" oder "Der Mentor". Die Bühne bringe "den politischen Autor" in ihm heraus, sagt er.

"Ich habe auch keine wirklich gute Erklärung dafür. Ich merke, dass im weitesten Sinn,  vielleicht sogar in dem Fall im engeren Sin,  politische Themen sich mir bei der Arbeit mehr aufdrängen, wenn ich für die Bühne schreibe."

Als Schriftsteller werde er oft um politische Statements gebeten. Da halte er sich allerdings lieber zurück.

"Ich bin in Österreich groß geworden und hab das als Kind und Jugendlicher erlebt, dass es eine Art wirklich leere Alltagsrituale geworden ist, dass praktisch zu jeder tagespolitischen Kleinigkeit sofort eine Unterschriftenliste erscheint, wo immer dieselben fünf bis zehn Autoren gegen irgendwas protestieren. Und ich habe gesehen, wie unglaublich inflationär das wird, nämlich wie das zu einer reiner Ritualhandlung geworden ist."

Derzeit lebt Daniel Kehlmann in New York, was in sehr inspiriere. Dauerhaft leben möchte er dort allerdings nicht.

"Je länger ich in Amerika bin, desto mehr fühle ich mich als Europäer. Also im Grunde ist es unglaublich inspirierend, in New York zu sein - besonders, wenn man für das Theater schreibt.  Also ich schreibe überhaupt nur für das Theater, weil ich in New York angefangen habe, ins Theater zu gehen und meine Begeisterung dafür wieder entdeckt habe, aber auf eine andere Art, und nicht nur wegen der Katastrophe (dass Trump Präsident geworden ist, d.R.) . Aber auch deswegen ist für mich das Leben in Amerika schon auch eine ständige Bestärkung, fast schon ein Kurs darin, mich als Europäer zu sehen."

Hören Sie hier eine Rezension von Politikwissenschaftler Herfried Münkler zu dem Roman "Tyll" .

 

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