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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.07.2019

Schreiben vom Bund geleaktGeheime Rückgabeforderungen der Hohenzollern

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Britta Bürger

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Prinz Georg Friedrich von Preußen steht am 16.08.2017 auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen (Baden-Württemberg).  (picture alliance/Patrick Seeger/dpa)
Hohenzollern-Oberhaupt Prinz Georg Friedrich von Preußen fordert Schlösser und Kunstwerke zurück. (picture alliance/Patrick Seeger/dpa)

Die Nachfahren der einst regierenden preußischen Könige und deutschen Kaiser fordern die Rückgabe Tausender Objekte aus Museen. Dazu Wohnrechte in Schlössern und ein Mitspracherecht in der musealen Darstellung der Familiengeschichte – wie nun publik wurde.

Gestern wurde bekannt, dass die Familie Hohenzollern immense Forderungen an den Bund stellt. Den Nachfahren der einst regierenden preußischen Könige und deutschen Kaiser geht es dabei nicht nur um Immobilien, über die schon seit geraumer Zeit und vor allem öffentlich verhandelt wird.

Neu ist, dass es seit Jahren geheime Verhandlungen gibt, in denen es um Wohnrechte in ehemaligen Schlössern, um die Rückgabe von Land und Tausenden Objekten aus Berliner und Brandenburger Museen sowie um Mitsprache in der öffentlichen Darstellung der Familie geht. Ein offizielles Schreiben vom Bund an die Familie wurde dem "Tagesspiegel" und dem "Spiegel" zugespielt.

Gefordertes Mitspracherecht wohl Anlass für Leak

Nikolaus Bernau berichtet im Deutschlandfunk Kultur, den Hohenzollern gehe es vor allem um 266 Gemälde, erlesene Möbel, Erinnerungsstücke an Fürsten und Könige und unentgeltliche Wohnrechte in den Schlössern Cecilienhof und Lindstedt. Es gehe aber auch um den Einfluss auf die Darstellung ihrer Geschichte in heutigen Museen. Bernau glaubt, deswegen sei der Brief auch geleakt worden. Kein Museum könne es sich nämlich bieten lassen, dass in ihm private Interessen berücksichtigt werden. (*)

Seit 2014 verhandeln der Bund, die Länder Berlin und Brandenburg, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie das Deutsche Historische Museum also mit der Familie.

"Hohenzollern wollen unsere Schätze zurück!"

Ein Interesse am Leak dieses Briefes kann nach Bernaus Ansicht die Familie Hohenzollern jedenfalls nicht haben: "Die kann da nur leiden, weil sie sich seit 1918 immer wieder als das ehemals regierende Haus inszeniert, das das Interesse des Gesamtstaats im Augenmerk hat."

Nun sei der Druck auf die Hohenzollern verstärkt worden. Sogar "royal"-freundliche Boulevard-Zeitungen titelten: "Hohenzollern wollen unsere Schätze zurück!" Die Familie erscheine gierig.

Erfolgsaussichten sind "bedingt groß"

Bernau erklärt zu den Erfolgsaussichten der Forderungen, es liege eine ziemlich komplizierte juristische Lage vor. Dabei bewertet er die Chancen der Hohenzollern auf Rückgabe und Mitsprache als "bedingt groß".

Auch sei eine Entschädigung zwar möglich, doch könne deren Höhe durch das von Kulturstaatsministerin Grütters selbst ausgehandelte Kulturschutzgesetz erheblich gesenkt werden. Was auf der Liste des nationalen Erbes steht, darf nämlich nicht mehr aus dem Land geschafft werden, wodurch dessen Wert natürlich dramatisch sinkt.

(ckr)

(*) Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle des Beitrags haben wir aus rechtlichen Gründen eine Kürzung vorgenommen.

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