Klangkunst, vom 01.07.2011, 00:05 Uhr

Schrei der Seide

Ursendung
Von Grace Yoon

Echte Seide erkennt man am Klang. Der typisch knirschende Griff in den Stoff erinnert an das Betreten von frisch gefallenem Schnee. Dieser "Seidenschrei" galt Jahrhunderte lang als Erkennungszeichen der Damen höherer Stände.

Seidenkostüme hängen am Ufer des Tianchi-See in Xinjiang an der Seidenstraße in China. (AP)
Seidenkostüme hängen am Ufer des Tianchi-See in Xinjiang an der Seidenstraße in China. (AP)

Inzwischen hat sich auf den Laufstegen der High Society das elektrische Knistern von Kunstfasern ausgebreitet. "Die Traditionspolster sind durchgescheuert" schreibt Max Weber, und will damit sagen, dass man den Entwicklungen der Moderne nicht mehr entrinnen kann.

Tief im Unbewussten aber bleibt das vertraute Rascheln der Federbetten, das zarte Geräusch der wärmenden Wolle oder das laute Schütteln der nassen Wäsche. Der nackte Mensch trägt einen Kosmos von Erinnerungen an die schützende zweite Haut in sich, Geruch und Geräusch, Farbe und Struktur.


Komposition und Realisation: Grace Yoon
Ton: Lutz Pahl
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2011
Länge: ca. 46'09


Grace Yoon, 1952 in Korea geboren, lebt und arbeitet seit 1975 in Deutschland.
Autorin, Regisseurin, Komponistin, Performance-Künstlerin.
Zuletzt für DKultur: "AusFart" (2010)



Audio-Ausschnitt "Schrei der Seide"

Anschließend :
Zutritt nur durch die Wand (Ausschnitt)
Von Grace Yoon
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2007
Länge: 7'04

Abonnieren Sie unseren Newsletter!