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Interview / Archiv | Beitrag vom 31.03.2015

Schlussphase der Atomverhandlungen"Khamenei will das System aufrecht erhalten"

Ali Sadrzadeh im Gespräch mit Julius Stucke und Vladimir Balzer

US-Außenminister John Kerry blickt durch ein Fenster am Rande der Atomabrüstungsgespräche mit dem Iran in Lausanne in der Schweiz.  (picture alliance / dpa / Jean-Christophe Bott)
US-Außenminister John Kerry blickt durch ein Fenster am Rande der Atomabrüstungsgespräche mit dem Iran in Lausanne in der Schweiz. (picture alliance / dpa / Jean-Christophe Bott)

Nach Einschätzung des Nahostexperten Ali Sadrzadeh ist der iranische Revolutionsführer Khamenei im Atomstreit mit dem Westen zu großen Zugeständnissen bereit. Sein oberstes Ziel sei dabei, die islamische Republik als System zu sichern.

Nach Einschätzung des Publizisten und Iran-Experten Ali Sadrzadeh möchte der Iran aus "pragmatischen Gründen" eine Einigung im Atomstreit. Die Sanktionen des Westens gefährdeten die politische Stabilität des Iran so sehr, dass das Land nun zielstrebig einen Kompromiss zur Lockerung der Sanktionen des Westens anstrebe.

"Der Revolutionsführer Khamenei will das System aufrecht erhalten, nicht nur für sich selbst sondern - wie viele vermuten - wahrscheinlich auch für seinen Sohn, er hat kein Interesse daran, dass die islamische Republik als System gefährdet wird", sagte Ali Sadrzadeh im Deutschlandradio Kultur.

Der Westen soll nicht auf einen Regimewechsel drängen

Khamenei sei bereit, Kompromisse einzugehen, wenn die Amerikaner und der Westen ihrerseits auf den oft geforderten Regimewechsel im Iran verzichten. Mit diesen Kompromissen auf internationalem Parkett erhielte Khamenei dann die Freiheit, im Iran seine Macht zu stärken. "Bis jetzt hatte er nicht diese Sicherheit, bis jetzt wusste er nicht, ob das System diese Sicherheit ertragen will oder nicht", sagte Sadrzadeh.

Hintergrund der Spekulationen über eine Einigung sind Nachrichten von den aktuellen Verhandlungen um das umstrittene iranische Atomprogramm in Lausanne. Die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien als UN-Vetomächte sowie Deutschland und der Iran wollen dort eine Grundsatzeinigung in dem zwölf Jahre währenden Streit erzielen. Ein umfassendes Abkommen soll es bis Anfang Juli geben.

In dem Konflikt geht es darum, wie der Iran Atomkraft zivil nutzen kann, aber keine Atomwaffen baut. Der Westen fordert dabei Garantien, Teheran verlangt im Gegenzug die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen. Von einer Einigung erhöfft sich der Iran ein Ende der internationalen Isolation.

 

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