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Fazit | Beitrag vom 15.09.2020

Schloss Friedenstein in GothaGemälde aus dem größten Kunstraub der DDR

Timo Trümper im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Eine Frau schaut sich das Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen, um 1535 von Frans Hals an, das 1979 im Gothaer Kunstraub gestohlen wurde und jetzt wieder in die Stiftung Schloss Friedenstein Herzögliches Museum Gotha zurückgeführt wurde.  (imago images / VIADATA)
1979 verschwand dieses Bild von Frans Hals aus Schloss Friedenstein - es hing bis zum Herbst 2019 wohl in einem westdeutschen Wohnzimmer. (imago images / VIADATA)

Ende 1979 ereignete sich in Gotha der größte Kunstraub der DDR, fünf wertvolle Bilder wurden gestohlen. Im vergangenen Herbst kamen sie auf Umwegen wieder zurück. 2021 werden sie Teil einer Ausstellung zur spannenden Sammlungsgeschichte von Gotha sein.

Vor rund 40 Jahren ereignete sich in Gotha der größte Kunstraub der DDR. In einer finsteren Sturmnacht im Dezember 1979 stiegen der oder die Täter in das zweite Stockwerk des Schlosses ein - so berichtet es Timo Trümper, Sammlungsdirektor auf Schloss Friedenstein in Gotha. Das sei im "Überwachungsstaat" DDR "spektakulär" gewesen - genauso wie der Umstand, dass man den Tätern all die Jahre nicht auf die Spur kam.

Zu sehen sind drei der 1979 im Gothaer Kunstraub gestohlenen Gemälde an blauen Wänden eines Ausstellungsraums. (imago images / VIADATA)Die gestohlenen Gemälde sollen restauriert und dann in einer Ausstellung in Gotha präsentiert werden. (imago images / VIADATA)

"Das hat alles dazu beigetragen, dass dieser Kunstraub wirklich etwas ganz Besonderes darstellt über die kunsthistorische Bedeutung der Gemälde hinaus". sagt Trümper. Die gestohlenen Gemälde von Meistern wie Holbein, Brueghel und Hals hatten 1980 einen Wert von über fünf Millionen Mark. Im vergangenen Jahr tauchten die Bilder dann plötzlich wieder auf - und wurden zurückgegeben.

Gotha sei Ende des 19. Jahrhunderts ein "Zentrum der Kunst" gewesen, so Trümper. 1890 habe der damalige Gemälde-Direktor, der das herzogliche Museum leitete, einen Katalog herausgegeben, der international Beachtung fand. Auf Schloss Friedenstein befand sich unter anderem "eine der größten Cranach-Sammlungen mit über 40 Objekten, eine wichtige Sammlung zur niederländischen Malerei".

Zahlreiche weitere Kunstwerke sind verschollen

Somit war nach Ende des Zweiten Weltkriegs bekannt, welche Schätze es auf Schloss Friedenstein gab. Das habe dazu geführt, dass "in großem Maßstab" Kunstwerke "abtransportiert" wurden, so Trümper.

Im "Lost Art Register" in Magdeburg seien über 1200 Objekte aufgelistet. "Diese Sammlung hier in Gotha ist wie keine weitere so betroffen von den Ereignissen ab den 1920er-Jahren bis hin zum Zweiten Weltkrieg durch Verkäufe und Verluste", sagt er. Später habe es dann Diebstähle durch die sowjetischen Trophäenbrigaden gegeben.

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Aufgrund der Rückgaben in den 1950er-Jahren aus Russland und verstärkten Bemühungen seit den 1990er-Jahren, Kunstwerke zurückzuführen, seien die "alten fürstlichen Sammlungen" nun aber wieder im Entstehen, freut sich Trümper. Sie sollen im Oktober gemeinsam mit den restaurierten Gemälden des Kunstdiebstahls von 1979 in einer großen Ausstellung in Gotha präsentiert werden.

(kpa)

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