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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 04.02.2015

Schleswig-Holsteins WappenEine Geschichte voller Wirrungen

Von Claus-Stephan Rehfeld

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Die Landesflagge von Schleswig-Holstein mit seinem Wappen (dpa / picture alliance / Markus Scholz)
Die Landesflagge von Schleswig-Holstein mit seinem Wappen (dpa / picture alliance / Markus Scholz)

Mal strebten die Löwen auf Schleswig-Holsteins Wappen nach rechts, dann wieder nach links – das hing davon ab, wer in der Region das Sagen hatte. Und so spiegelt die Entwicklung des Wappens die bewegte Geschichte des heutigen Bundeslandes wider.

Es ist eine Geschichte mit vielen Wirrungen, die das Wappen von Schleswig-Holstein erzählt. Staaten haben ihre Finger drin, Gebietsaustausche finden statt, Erbteilungen und Heimfälle auch, Könige und Bürger greifen ein, Kriege werden ausgefochten und Frieden geschlossen. Die Geschichte reicht lange zurück.

Wir schreiben das Jahr 1386. Zum ersten Mal taucht das Wappen mit Löwen und Nesselblatt beim Schauenburger Grafen Gerhard VI. auf. Der Holsteiner hat vom dänischen Königshaus Schleswig als Lehen erhalten. Zwei blaue übereinander schreitende Löwen stehen für Schleswig. Rot bewehrt und auf goldenem Grund. Das silberne Nesselblatt auf rotem Grund steht für Holstein.

Die Kehrtwende kam um die Jahrhundertwende

Die schleswigschen Löwen stammen vom dänischen Königswappen ab. Doch aus den drei königlichen waren zwei herzogliche Löwen geworden. Schleswig ist Jahrhunderte lang Teil des Königreiches Dänemark. Und die Löwen stehen nach links, strebten dem Wappenrand zu.

Dann die Kehrtwendung. 1891 streben sie nach rechts, zur Wappenmitte. Gern wird die Anekdote kolportiert: Otto von Bismarck ordnete nach dem deutsch-dänischen Krieg an, die Löwen sollten zum Nesselblatt schauen. Es sei doch "ungebührlich", dem anderen Landesteil das Hinterteil zu zeigen.

Ein Löwe und das Nesselblatt zierten ursprünglich das Wappen der Schauenburger. Anfang des 12. Jahrhunderts verschwindet der Leu aus dem Wappen. Die Holsteiner demonstrieren auch heraldisch ihre Unabhängigkeit von Dänemark. Übrig bleibt das Nesselblatt. Doch nicht der Botanik wird damit gehuldigt, es zeigte einen gezackten roten Schildbeschlag. Der sieht einer Pflanze ähnlich, hält aber die Bretter des Schildes zusammen.

Schleswig-Holstein wird preußische Provinz

Als die Schauenburger aussterben, wird ihr Neffe König Christian I von Dänemark zum Landesherren gewählt. Schleswig-Holstein bleibt von 1460 bis 1864 in einer Personalunion mit Dänemark verbunden. Doch Christian I regiert Schleswig und Holstein nicht als König, sondern als Herzog beider Gebiete.

Die Preußen drehten die Löwen um. Nach dem Sieg gegen die Dänen und kurz darauf gegen ihren Verbündeten Österreich. Schleswig-Holstein ist nun preußische Provinz. 1891 werden die Löwen und das Nesselblatt offizielles Wappen der neuen preußischen Provinz.

Blau-Weiß-Rot. Die Landesfarben von Schleswig-Holstein entstammen dem Wappen. Sie gehen auf das Jahr 1843 zurück.

 

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