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Länderreport | Beitrag vom 29.04.2019

Schleswig-HolsteinDeichschau für den Küstenschutz

Von Christian Wolf

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Schafe auf einem Deich bei Husum. (imago/Westend61)
Unverzichtbar für den Deichschutz: Schafe. Sie pflegen mit die Grasnarbe und helfen bei der Verdichtung der Deichstruktur. (imago/Westend61)

Nach den Stürmen im Herbst und Winter werden jedes Jahr die Deiche entlang der Küste Schleswig-Holsteins bei der so genannten Deichschau begutachtet. Dabei werden die Deiche auf Schäden untersucht und andere Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit getestet.

Die Deichschau beginnt am Morgen in der Nähe des Husumer Sperrwerks. Auf dem Gelände des Tonnenhofes treffen sich unter anderem so genannte Deichgrafen, Bürgermeister und Mitarbeiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz – kurz LKN-SH.

Zu ihnen zählt Jörn Schröter. Er ist Baubetriebsleiter und zuständig für die Instandsetzung der Deiche in seinem Bereich. Er führt die Gruppe an.

Die Fahrt geht entlang der Deichabschnitte Doko und Prohnkrue. Im vollbesetzten Bus sitzt auch Hans Friedrichsen. Er ist ein sogenannter Deichgraf – was bedeutet das?

"Ein Deichgraf steht einem Verband vor, wo wir praktisch Außendeiche an der Küste haben, und das ist auch mit sein Verantwortungsbereich", erklärt er.

"Wir fahren mit und kontrollieren. Und dann findet eben eine Absprache statt: Es wird berichtet, wo repariert wird, was repariert wird oder ob irgendwelche Arbeiten über den Sommer noch erledigt werden müssen."

Nur ein Deich schützt Husum

Hans Friedrichsen ist zuständig für einen mehrere Kilometer langen Abschnitt, der gleich am Anfang der Fahrt begutachtet wird. Von der Küste aus sieht der Deich tadellos aus. Aber auf der Rückseite gibt es Probleme, so Hans Friedrichsen:

"Hier kann man ja sehen, wie stark die Straße abgesackt ist. Hier ist Moor im Untergrund, da sind Moorlinsen teilweise im Untergrund. Und wir haben hier eine Besonderheit: Wir haben nur eine Deichlinie vor der Stadt Husum. Also, wenn dieser Deich bricht, dann haben wir Wasser in Husum auf dem Marktplatz."

Marktplatz in Husum  (imago/Wolfgang Zwanzger)Die Kleinstadt Husum liegt direkt am Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. (imago/Wolfgang Zwanzger)
Mit Pfählen, die fünfzehn Zentimeter dick und zweieinhalb Meter lang sind, wurde der Boden einst verstärkt. Mehrere hundert Pfähle haben Arbeiter dafür dicht an dicht auf einer Länge von zweihundert Metern in die Erde gerammt. Deichgraf Hans Friedrichsen ist mit der Arbeit zufrieden:

"Jetzt haben wir über anderthalb Jahre hier die Höhen gemessen über Satellit, und im letzten Jahr waren es nur noch zwei Millimeter, und danach ist da jetzt Ruhe drin. Und jetzt muss nur noch die Straße noch mal neu repariert werden."

Maßnahmen werden geprüft

Jörn Schröter vom Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz steht ein wenig unter Druck. Sind seine Maßnahmen die richtigen, hat er alles gesehen und berücksichtigt? Dafür ist die Deichschau schließlich da. Mitglieder der so genannten Sielverbände schauen sich genau an, was der Baubetriebsleiter für die Instandsetzung der Deiche bislang alles angeschoben hat.

"Früher ist das mal Aufgabe der Sielverbände gewesen, die Deiche zu unterhalten, und das ist jetzt ans Land übergegangen", erklärt Schröter.

"Und deswegen ist das auch immer ein heißer Termin hier für mich. Die Deichgrafen sind ja auch immer auf dem Deich unterwegs. Und wenn da irgendetwas nicht passt – so etwas wie den Mäusebefall hat beispielsweise Herr Friedrichsen gemeldet. Okay, das haben wir dann mal übersehen und dann sind wir auch gleich tätig geworden. Da gehen wir natürlich drauf ein, wenn so etwas kommt."

In der jüngeren Vergangenheit sind die großen Stürme an der Nordseeküste ausgeblieben. Das letzte Mal, dass die Deiche auf die Probe gestellt wurden, war vor fünfeinhalb Jahren, als der Orkan Xaver über der Nordsee tobte. Trotzdem bleibt Jörn Schröter wachsam und sieht zu, dass die Deiche immer sicher sind:

"Küstenschutz betreiben wir ja für ein Hochwasser, was statistisch alle 200 Jahre auftritt. Und ob wir da wirklich hoch genug sind, merken wir dann, wenn der Sturm mal wirklich da ist."

Klimawandel verstärkt Sturmfluten

Verstärkt werden die Sturmfluten möglicherweise auch noch durch den Klimawandel. Deswegen ist vor zwei Jahren bei Nordstrand der erste Klimadeich Europas eingeweiht worden. Der ist nicht nur höher als normale Deiche, durch seine Bauweise kann er auch dem steigenden Meeresspiele kontinuierlich angepasst werden.

Nach rund sechs Stunden ist die Deichschau vorbei. In einem Lokal wird das Protokoll angefertigt, das Jörn Schröter allen Teilnehmern vorliest.

Nach der Deichschau ist vor der Deichschau. Bis zum Herbst werden die jetzt festgestellten Schäden behoben. Dann gibt es die nächste Deichschau, dieses Mal aber mit einer größeren Gruppe. Neben den jetzigen Teilnehmern machen dann auch Vertreter von Feuerwehr, Bundeswehr und THW mit und bereiten sich noch mal gemeinsam auf eine mögliche Sturmflut vor.

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