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Im Gespräch | Beitrag vom 23.06.2018

SchlafstörungenWarum wir nicht mehr im richtigen Rhythmus ticken

Moderation: Mattias Hanselmann

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Eine Frau liegt auf einer Matraze - Foto in Aufsicht und mit beabsichtigtem Unschärfeeffekt. (imago / imagebroker)
Schlafstörungen (imago / imagebroker)

Ein Viertel der Bundesbürger schläft miserabel. Das klingt erschreckend. Kein Wunder sagen Experten: Schichtarbeit, Shoppen rund um die Uhr, Internet und die ständige Verfügbarkeit via Smartphone haben den normalen Schlaf-Wach-Rhythmus längst aufgelöst.

Es gehört zu unserem Leben wie Atmen, Essen und Trinken: Schlafen. Doch unsere Nachtruhe ist all zu oft gestört. Jeder Vierte in Deutschland klagt über Probleme. Studien der Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zufolge leiden sechs Prozent der Bevölkerung an chronischen Schlafstörungen – fast fünf Millionen Menschen. Geschätzt 200.000 Fehltage gehen pro Jahr auf ihr Konto, der wirtschaftliche Verlust beläuft sich auf 60 Milliarden Euro.

Wir können alles rund um die Uhr tun

Darauf machte in dieser Woche der "Tag des Schlafs" aufmerksam. "Wir sind eine Gesellschaft, die den Schlaf nicht schätzt", sagt Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster bei Landau und Vorstandsmitglied der DGSM. "Schichtarbeit, Internet, Smartphones, Heimarbeitsplätze, ständige Vernetzung und stetige Erreichbarkeit lösen die natürliche Schlaf-Wach-Struktur immer mehr auf. Wir können rund um die Uhr arbeiten, einkaufen oder ins Fitnessstudio gehen."

Die Folgen: "Volkskrankheiten wie Übergewicht, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Blutzucker, Infekte und psychische Störungen wie die Depression werden durch Schlafmangel begünstigt."

Übermüdung als Verkehrsrisiko

Die Bedeutung des Schlafs für unsere Gesundheit werde nach wie vor unterschätzt, auch bei Kindern: "Unsere Gesellschaft tickt nicht richtig. Sie tickt nicht entsprechend unserer inneren Uhr. Für Zweidrittel unserer Gesellschaft beginnt der Arbeitstag oder der Schultag viel zu früh. Wir wissen, dass, wenn die Schule nur eine Stunde später beginnen würde und die Mathematikaufgaben nur eine oder zwei Stunden später gestellt würden, dass die Leistungen dann viel besser wären."

Übermüdung, so der Psychotherapeut, sei auch ein Verkehrsrisiko: "In Deutschland sterben mehr Menschen auf unseren Straßen infolge von Sekundenschlaf am Steuer als infolge von Alkohol am Steuer. Nach einer Nachtschicht hat man bei der Rückfahrt ein zwölfmal höheres Unfallrisiko."

Seine Überzeugung: "Ausreichend Schlaf macht wach und sorgt für ein langes Leben."

Gut schlafen – aber wie? Darüber diskutiert Matthias Hanselmann heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit dem Schlafmediziner Hans-Günter Weeß. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Literaturhinweis:
Hans-Günter Weeß: "Die schlaflose Gesellschaft. Wege zu erholsamem Schlaf und mehr Leistungsvermögen", Schattauer-Verlag, 2016

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