Seit 04:05 Uhr Tonart
Sonntag, 20.06.2021
 
Seit 04:05 Uhr Tonart

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.06.2018

SchlafstörungenWarum wir nicht mehr im richtigen Rhythmus ticken

Moderation: Mattias Hanselmann

Eine Frau liegt auf einer Matratze. (imago / Imagebroker)
Schlafstörungen (imago / Imagebroker)

Ein Viertel der Bundesbürger schläft miserabel. Das klingt erschreckend. Kein Wunder sagen Experten: Schichtarbeit, Shoppen rund um die Uhr, Internet und die ständige Verfügbarkeit via Smartphone haben den normalen Schlaf-Wach-Rhythmus längst aufgelöst.

Es gehört zu unserem Leben wie Atmen, Essen und Trinken: Schlafen. Doch unsere Nachtruhe ist all zu oft gestört. Jeder Vierte in Deutschland klagt über Probleme. Studien der Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zufolge leiden sechs Prozent der Bevölkerung an chronischen Schlafstörungen – fast fünf Millionen Menschen. Geschätzt 200.000 Fehltage gehen pro Jahr auf ihr Konto, der wirtschaftliche Verlust beläuft sich auf 60 Milliarden Euro.

Wir können alles rund um die Uhr tun

Darauf machte in dieser Woche der "Tag des Schlafs" aufmerksam. "Wir sind eine Gesellschaft, die den Schlaf nicht schätzt", sagt Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster bei Landau und Vorstandsmitglied der DGSM. "Schichtarbeit, Internet, Smartphones, Heimarbeitsplätze, ständige Vernetzung und stetige Erreichbarkeit lösen die natürliche Schlaf-Wach-Struktur immer mehr auf. Wir können rund um die Uhr arbeiten, einkaufen oder ins Fitnessstudio gehen."

Die Folgen: "Volkskrankheiten wie Übergewicht, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Blutzucker, Infekte und psychische Störungen wie die Depression werden durch Schlafmangel begünstigt."

Übermüdung als Verkehrsrisiko

Die Bedeutung des Schlafs für unsere Gesundheit werde nach wie vor unterschätzt, auch bei Kindern: "Unsere Gesellschaft tickt nicht richtig. Sie tickt nicht entsprechend unserer inneren Uhr. Für Zweidrittel unserer Gesellschaft beginnt der Arbeitstag oder der Schultag viel zu früh. Wir wissen, dass, wenn die Schule nur eine Stunde später beginnen würde und die Mathematikaufgaben nur eine oder zwei Stunden später gestellt würden, dass die Leistungen dann viel besser wären."

Übermüdung, so der Psychotherapeut, sei auch ein Verkehrsrisiko: "In Deutschland sterben mehr Menschen auf unseren Straßen infolge von Sekundenschlaf am Steuer als infolge von Alkohol am Steuer. Nach einer Nachtschicht hat man bei der Rückfahrt ein zwölfmal höheres Unfallrisiko."

Seine Überzeugung: "Ausreichend Schlaf macht wach und sorgt für ein langes Leben."

Gut schlafen – aber wie? Darüber diskutiert Matthias Hanselmann heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit dem Schlafmediziner Hans-Günter Weeß. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Literaturhinweis:
Hans-Günter Weeß: "Die schlaflose Gesellschaft. Wege zu erholsamem Schlaf und mehr Leistungsvermögen", Schattauer-Verlag, 2016

Mehr zum Thema

Happiness-Seminare - Amerikanische Studenten wollen Glücklichsein lernen
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 31.05.2018)

Selbstoptimierung - Sind Frühaufsteher wirklich Erfolgsmenschen?
(Deutschlandfunk Kultur, Echtzeit, 05.05.2018)

Mittel gegen Schlafstörungen - Schlafen neu erlernen
(Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 27.04.2018)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Im Gespräch

Nach der Corona-PauseWas bedeutet Ihnen die Musik?
Porträts von Oliver Wille (l.) und Sebastian Studnitzky (r.). (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte / Jazzarchiv / Isabel Schiffler)

Endlich ist es soweit: Nach dieser schier endlosen Corona-Pause gibt es wieder Live-Musik, ob im Konzertsaal, Open Air oder im Club! Mit Auflagen – aber immerhin! Große Freude für Profimusiker, Laien und Zuhörende. Was gibt uns die Musik? Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur