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Studio 9 | Beitrag vom 18.05.2020

SchlachthöfeSchluss mit dem ausbeuterischen Billigfleisch-System!

Ein Kommentar von Panajotis Gavrilis

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Billigfleisch: Hackfleisch aus dem Supermarkt in einer Plastikverpackung steht in einem Kühlschrank zwiachen anderen Lebensmittelverpackungen. (imago / Thomas Trutschel)
Hackfleisch aus dem Supermarkt - oft unter miserablen Bedingungen hergestellt. (imago / Thomas Trutschel)

Ein Armutszeugnis, dass es der Coronapandemie bedurfte, um über die Zustände in den Schlachthöfen sprechen. Dass dort Arbeiter fast wie Sklaven gehalten werden, war lange bekannt. Ob die Politik den Arbeitsschutz ernst nimmt, wird sich jetzt zeigen.

Endlich diskutieren wir darüber, unter welchen prekären Bedingungen nicht wenige Menschen hierzulande schuften müssen – im Pflegeheim, an der Supermarktkasse, auf dem Feld, im Schlachthof.

Werkverträge, Subunternehmer, Ausbeutung: Es betrifft vor allem Menschen aus Rumänien und Bulgarien, die den höchsten Preis zahlen müssen, damit Deutschland fleißig billiges Fleisch produziert für den Grill daheim und den Export.

Drei Arbeiter bearbeiten Fleisch in einem Schlachthof mit Messern. (picture alliance / Bildagentur-online / AGF-Foto)Die Arbeit im Schlachthof ist schwer und erfordert Geschick mit dem Messer. (picture alliance / Bildagentur-online / AGF-Foto)

So bitter es ist: Ohne diese Pandemie würde die Bundesregierung vermutlich jahrelang weiter tatenlos zuschauen. Es brauchte anscheinend hunderte Infizierte in den Schlachthöfen, um über das ausbeuterische Billigfleisch-System zu sprechen.

Ein Armutszeugnis, dass wir erst jetzt, wo es um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung geht, über die Menschen sprechen, die fast wie moderne Sklaven in Sammelunterkünften gehalten werden. Es ist ja nicht so, dass wir erst durch das Coronavirus wissen, unter welchen Umständen Schweine zerhackt werden.

Die Fleischindustrie ist uneinsichtig

Bislang aber haben die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft das wissend in Kauf genommen. Von Einsicht in der Fleischindustrie keine Spur. Stattdessen gibt man sich als Opfer, beklagt ein angebliches "Fleischbranchen-Bashing".

"Wir werden aufräumen mit diesen Verhältnissen", kündigte hingegen nun Arbeitsminister Hubertus Heil an. Er sollte jetzt ernst machen mit diesem Versprechen. Und nicht nur auf den Gesundheitsschutz der breiten Bevölkerung schauen, sondern die schützen, die sonst wenig bis gar keinen Schutz genießen: die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Schlachthöfen.

Bessere Arbeitsschutzkontrollen, Werkverträge und Subunternehmertum verbieten – die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Heute wird sich zeigen, was der Bundesregierung wichtiger ist: Arbeits- und Gesundheitsschutz, faire Bezahlung? Oder doch der Profit mit toten Tieren.

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