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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 19.12.2016

Schauspielerin Ulrike Folkerts"Man hat ein Stigma"

Ulrike Folkerts im Gespräch mit Ulrike Timm

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Ulrike Folkerts, Schauspielerin, aufgenommen am 21.11.2016 während der Aufzeichnung der RBB-Talksendung "Thadeusz" in Berlin. (picture alliance / dpa / Karlheinz Schindler)
Schauspielerin Ulrike Folkerts erzählt, warum das Theater für sie ein wichtiger Ort ist und weshalb es ihr schwerfällt, stillzusitzen, (picture alliance / dpa / Karlheinz Schindler)

"Dienstälteste Tatort-Kommissarin" und "Lesbe" seien die zwei "Stigmata", mit denen sie sich immer wieder konfrontiert sehe, sagt Ulrike Folkerts. Dabei gibt es über die Schauspielerin jede Menge anderes zu erfahren: Zum Beispiel steht sie gerade in einer neuen Inszenierung in Berlin auf der Bühne.

Mit 27 Bildschirm-Jahren ist sie die dienstälteste deutsche Fernsehkommissarin. Ulrike Folkerts spielt seit 1989 die Lena Odenthal aus dem Pfälzer Tatort.

Aus der Tatort-Folge "Tod im All" (1997): Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal. Auch Anke Engelke spielte mit (ARD)Ulrike Folkerts im Tatort "Tod im All" (1997) als Kommissarin Lena Odenthal. Hier mit Anke Engelke. (ARD)

Doch will sich die Schauspielerin nicht auf die Rolle der hartgesottenen Polizistin festlegen lassen. Sie spielt Theater und ist auch in diversen anderen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen.

"Ich muss sagen, dass mir das Theaterspielen immer wieder zeigt, was ich kann und was ich nicht kann, wo meine Grenzen sind, wo ich was lernen muss, wo ich mich ausprobieren will und nirgends sonst", sagt Folkerts, die zurzeit in ihrer Wahlheimat Berlin am Theater am Kurfürstendamm in der Komödie "Chuzpe. You Gotta Have Balls" spielt. "Gerade beim Fernsehen und beim Film hat man nie Gelegenheit, sich sechs Wochen mit einem Stoff auseinanderzusetzen, mit einem Charakter auseinanderzusetzen, ein Stück komplett durchzuspielen, und dann auch über viele Vorstellungen weiterzuentwickeln. Das erlebe ich ja beim Film überhaupt nicht."

Die deutsche Film- und Theaterschauspielerin Ulrike Folkerts und ihr Kollege Andreas Hoppe am 13.8.1999 in Hamburg am Rande der Pressevorführung ihres Tatorts "Kriegsspuren". (picture alliance / dpa / Wolfgang Langenstrassen)Seit vielen Jahren das Tatort-Team in Ludwigshafen: Ulrike Folkerts und ihr Kollege Andreas Hoppe alias Hauptkommissar Mario Kopper. (picture alliance / dpa / Wolfgang Langenstrassen)

"Man hat ein Stigma"

Dass man ihr als Lesbe gelegentlich einen Stempel aufdrücken möchte und sie möglicherweise für manche Rollen nicht besetzt, nervt die auch sozial und gesellschaftlich engagierte Schauspielerin. Zusammen mit ihrer Lebenspartnerin Katharina Schnitzler hat Ulrike Folkerts den Verein "kulturvoll" gegründet, der benachteiligte Kinder unterstützt. "Man hat ein Stigma", sagt Folkerts. "Wie oft ich in Talkshows eingeladen war und dann hieß es: Hier kommt die dienstälteste Tatort-Kommissarin und die frei lebende Lesbe."

Die Schauspieler Monika Häckermann (Walentyna graue Haare), Angelika Bartsch (Zofia mit Dutt), Joachim Bliese (Vater Edek Rothwax), Ulrike Folkerts (Tochter Ruth Rothwax) aufgenommen am 23.11.2016 bei Proben zu dem Theaterstück "Chuzpe - You Gotta Have Balls" im Theater am Kudamm in Berlin Charlottenburg. (dpa / XAMAX)Ulrike Folkerts im Theaterstück "Chuzpe You Gotta Have Balls" im Theater am Kudamm in Berlin – gemeinsam mit Monika Häckermann, Angelika Bartsch und Joachim Bliese am 23.11.2016. (dpa / XAMAX)

Mehr Spannung, weniger Schema F

Was den Tatort betrifft, wünscht sie sich manchmal etwas packendere Drehbücher, die auch auf die einzelnen Kommissare zugeschnitten sind. "Ich muss nicht immer ein gesellschaftlich relevantes Thema liefern, ich muss nicht Ehrenmord und all diese Dinge grundsätzlich bedienen", meint Folkerts. "Aber ich möchte zumindest einen glaubwürdigen Krimi erzählen. Möglichst spannend sollte er sein und nicht nach Schema F."

Diesen Sommer hat sie ihren ersten Tatort abgedreht, der komplett ohne geschriebene Dialoge auskam, bei dem die Schauspieler innerhalb der vorgegebenen Geschichte alles improvisieren mussten - das führt zu mehr Authentizität und dadurch vielleicht auch zu mehr Spannung.

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