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Im Gespräch | Beitrag vom 17.02.2020

Schauspielerin Natalia Wörner"Als Schauspieler ist man ein ewig Suchender"

Moderation: Katrin Heise

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"Wahrheit oder Lüge": Annabelle (Natalia Wörner) steht in einem Büro und schaut in die Ferne. Hinter ihr befindet sich John (Fritz Karl), der sie ansieht. Tom (Marc Hosemann) sitzt auf der Fensterbank und starrt unter sich. (ZDF / Conny Klein)
Natalia Wörner spielt im ZDF Fernsehfilm "Wahrheit oder Lüge" eine erfolgreiche Anwältin, die sich auf Sexualdelikte spezialisiert hat. (ZDF / Conny Klein)

Den Schauspielunterricht in New York verdiente sich Natalia Wörner als Model. Wenige deutsche Schauspielerinnen sind - auch international - so bekannt wie sie. In ihrem neuen TV-Film "Wahrheit oder Lüge" verteidigt sie als Anwältin Sexualtäter.

"Ich bin nicht die gute Frau", sagt Natalia Wörner über ihre neuste Rolle im Fernsehfilm "Wahrheit oder Lüge". Darin spielt sie eine erfolgreiche Anwältin, die mutmaßliche Sexualstraftäter verteidigt – oder dafür sorgt, dass die erst gar nicht vor Gericht müssen. Und die vor der Frage steht, ob was rechtens ist, auch gerecht ist. "Ich mag den Film besonders gern, weil er auch für meine Figur in einer extremen Ambivalenz agiert."

"Es geht hier um eine grundsätzliche Machtstruktur"

Ihre Rolle erinnert an die Staranwältin, die derzeit den früheren US-Filmmogul Harvey Weinstein gegen Vergewaltigungsvorwürfe verteidigt. Dessen spektakulären New Yorker Strafprozess beobachtet Natalia Wörner genau: "Es geht hier nicht nur um Harvey Weinstein. Es geht hier um eine grundsätzliche Machtstruktur und einen Umgang, der sich hoffentlich auch mit dem entsprechenden Urteil ändern wird."

Sexismus hat Wörner selbst nicht nur in der Filmbranche erlebt, sondern schon zu Beginn ihrer Laufbahn als Model: "Wenn ich eine Tochter hätte, die sich diesem Beruf annähern würde, da wäre ich echt sehr achtsam."

Mit dem Modeln verdiente Wörner einst das Geld für ihre Ausbildung an der berühmten Schauspielschule von Lee Strasberg in New York. Das "Method Acting", das dort gelehrt wird und bei dem die Schauspielschüler in die Abgründe ihrer Seele hinabsteigen, "das ging auch mir an die Substanz, klar", erinnert sich Wörner.

Glamour - und echt harte Arbeit

Sie liebt ihren Beruf, hat aber erfahren, dass Glamour und Roter Teppich selbst für eine so erfolgreiche Schauspielerin wie sie nur die eine Seite der Medaille sind: "Der Rest ist echt harte Arbeit." Denn: "Als innere Geste, würde ich sagen, ist man als Schauspieler ein ewig Suchender." Das sei das Tolle an ihrem Beruf – eine neue Rolle zu erarbeiten sei, wie ein inneres Land zu erobern. "Im Grunde suche ich immer noch."

Eine Katastrophe brachte einen Einschnitt im Leben von Natalia Wörner. Im Dezember 2004 erlebte sie als Touristin in Südostasien den verheerenden Tsunami mit. Dieser Tag habe Spuren bei ihr hinterlassen, ihr aber auch etwas geschenkt: "das große Bedürfnis, zu helfen".

Wörner ist Botschafterin der Kindernothilfe, wirbt Spenden ein, besucht Projekte in aller Welt. Ihre Reisen sollen Aufmerksamkeit schaffen für Notlagen, die nicht die Schlagzeilen beherrschen. Es gehe aber auch um authentische Begegnungen mit hilfsbedürftigen Menschen: "Die reine Begegnung von Mensch zu Mensch irgendwo auf‘m Acker in Äthiopien, in der Dürre, in der Hitze, das sind Momente, die sind so pur - und so wahr."

(pag)

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