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Im Gespräch | Beitrag vom 24.09.2020

Schauspielerin Liv Lisa Fries"Eine Rolle muss komplex sein"

Moderation: Katrin Heise

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Die Schauspielerin Liv Lisa Fries bei der Berlin Premiere des Kinofilms "Prélude" im Filmtheater am Friedrichshain Berlin.  (dpa / picture alliance / Eventpress Radke)
Für Liv Lisa Fries war schon früh klar, dass sie Schauspielerin werden möchte. (dpa / picture alliance / Eventpress Radke)

Die TV-Erfolgsserie “Babylon Berlin” macht die Schauspielerin Liv Lisa Fries als Kriminalassistentin berühmt. Natürlichkeit ist ihr Markenzeichen, doch dahinter steckt akribische Arbeit, für die Liv Lisa Fries auch mal in einen Leichenkeller geht.

"Ich versuche mich überraschen zu lassen. Im echten Leben weiß ich ja auch nicht, was mir übermorgen passiert", sagt Liv Lisa Fries, deshalb sei es vielleicht ganz gut, dass sie die Romane von Volker Kutscher nicht gelesen habe, die die Grundlage für "Babylon Berlin" bilden.

In dieser überaus erfolgreichen Serie spielt sie die Kriminalassistentin Charlotte Ritter, an der ihr vieles gefällt: "Ich mag die sehr gerne. Was ich an ihr wirklich schätze, ist, dass sie so neugierig ist, eine innere Spannung hat, eine Präsenz und eine Haltung und dass sie immer etwas sucht. Das ist es, was mich eigentlich am meisten an ihr interessiert, dass sie sowohl privat als auch beruflich nach einer Wahrheit sucht."

Akribische Vorbereitung

Liv Lisa Fries wusste schon früh, dass sie Schauspielerin werden will. Bereits als Jugendliche spielte sie diverse komplexe Personen. "Eine Rolle muss komplex sein. Ich muss das Gefühl haben, ich habe es mit einem Menschen zu tun", erklärt sie. Auf ihre Rollen bereitet sie sich akribisch vor: "Für ‘Und morgen Mittag bin ich tot’ habe ich mich ein halbes Jahr vorbereitet und eine Frau, die an Mukoviszidose erkrankt ist, begleitet."

In diesem TV-Film spielte Fries eine schwer kranke Frau, die Sterbehilfe in Anspruch nimmt. Sie wolle die Krankheit glaubwürdig darstellen können und nachvollziehbar machen, wieso jemand diesen Schritt geht. "Ich mache gerne die Dinge, die die Rolle auch macht." Als Fries eine Gerichtsmedizinerin spielte, war sie zum Beispiel bei einer echten Obduktion dabei.

Schauspielern wird zugehört

Im Oktober wird die dritte Staffel von "Babylon Berlin" nun auch in der ARD ausgestrahlt. Dann wird Liv Lisa Fries vielleicht noch häufiger auf der Straße oder in der U-Bahn erkannt werden als bisher. Noch könne sie damit aber gut umgehen und ihr Privatleben ausreichend schützen.

Ihre Popularität wird wohl auch an ihrer Gewohnheit, Fahrrad zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, nichts ändern: "Ich finde der Punkt ist weit überschritten, dass es nicht mehr geht, sich auf Kosten anderer Menschen oder überhaupt so durch die Welt zu bewegen, als sei alles wie immer."

Deshalb trägt sie Upcycling-Kleidung, lebt vorwiegend vegan und setzt sich auch öffentlich für Nachhaltigkeit ein - nicht, weil sie glaubt, da besonders kompetent zu sein, sondern weil es nun mal so sei, dass Schauspielern zugehört wird: "Ich würde mir oft mehr wünschen, dass da jemand sprechen kann und auch gehört wird, der sich in den Bereichen auskennt."

(mah)

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