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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.10.2017

Schauspieler und Kabarettist Ilja Richter"Ich habe in meinem Leben immer alles etwas zu früh gemacht"

Ilja Richter im Gespräch mit Matthias Hanselmann

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Ilja Richter im Winterhuder Fährhaus  (imago stock&people)
Ilja Richter im Winterhuder Fährhaus (imago stock&people)

Ilja Richter ist auf der Bühne groß geworden. Mit gerade zehn Jahren hatte er – dank seiner ehrgeizigen Mutter – bereits so viele Auftritte als Schauspieler hinter sich, wie andere an ihrem Karriereende. Im November wird er 65.

Sein Weg auf die Bühne war vorgezeichnet. Der Schauspieler, Fernsehmoderator und Kabarettist Ilja Richter hatte gar keine andere Wahl: Seine Mutter, die als Jüdin während der Nazizeit ihre Schauspielkarriere zurückstellen musste, steckte früh alle Hoffnungen in ihren Sohn.

"Mutter wäre sicherlich gerne eine Schauspielerin geworden, wenn die Nazi-Zeit nicht dazwischen gekommen wäre und eine Zeit lang hat sie das ja auch praktiziert. Aber komisch, in der Nazi-Zeit als sie nicht durfte, da konnte sie es ja nicht machen und als sie konnte, da wollte sie es nicht mehr."

Eine Kindheit auf der Bühne

"Sie hat sich dann fixiert auf diese vier Kinder und von allen vier Kindern scheine ich wohl das Kunststück am besten gebracht zu haben. Also habe ich ein extra Zuckerl bekommen, nehmen sie es mal als 'Pudel-Nummer' und insofern war ich der begabteste Pudel und hab die Sprünge wohl am besten gemacht und insofern bin ich da reingehoppelt und glaubte, dass es nichts anderes gibt als das."

Mit zehn Jahren hatte Ilja Richter bereits in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen gespielt, eine Schallplatte aufgenommen und in rund 30 Hörspielen als Sprecher mitgewirkt.

"Ich glaube, ich habe in meinem Leben immer alles etwas zu früh gemacht. Ich habe sehr früh eine Show-Karriere gemacht. Ich habe sehr früh eine Autobiografie geschrieben. Ich habe sehr spät dafür ein Kind in die Welt gesetzt."

Moderator der Kult-Sendung "disco"

Landesweit bekannt wurde er in den 70er-Jahren als Moderator der Kultfernsehsendung "disco". Diese wurde schließlich eingestellt.

"Ich war also sehr einverstanden damit, mit 'Disco' aufzuhören, aber ich war in den ersten Jahren überhaupt nicht damit einverstanden, (…) dass da gar keine neue Show kam."

Daraus schließt Ilja Richter, dass die Show eher nicht seinetwegen eingestellt wurde.

"Ich glaube nämlich, das hat mit mir nur bedingt, vielleicht sogar gar nichts, zu tun. Es war ziemlich lieblos vom Sender, das finde ich schon. Und auch doof, finde ich, weil sie irgendwo mit mir hätten irgendwas machen können, was Quote gebracht hätte und trotzdem nicht unter Niveau. Aber insgesamt gesehen, gucken Sie sich die Tele-Landschaft an, sie war auf dem Wege dahin wo sie heute ist."

"Ich trage Kreisler seit meinem vierzehnten Lebensjahr mit mir herum"

Seit dem Ende von "Disco" steht Ilja Richter wieder als Schauspieler auf der Bühne. Im November feiert er seinen 65. Geburtstag  und widmet sich gleich zwei großen Persönlichkeiten: Im Berliner Schlosspark-Theater bringt er das Leben von Karl May auf die Bühne, bei den jüdischen Kulturtagen singt er die Lieder seines Freundes Georg Kreisler.

"Dieses Programm ist im Grunde genommen auch eine Art, wie soll ich sagen, Dankeschön und auch eine Art Signal nach oben zu ihm – ich glaube an sowas – und ich trage Kreisler seit meinem vierzehnten Lebensjahr mit mir herum. Also das ist eben auch ein Herzensprojekt."

Und wie blickt Ilja Richter auf sich und sein Lebenswerk?

"Ich bin, glaube ich, ein gut gelaunter älterer Herr. Und ich war aber auch ein gut gelaunter junger Mensch. Aber wenn ich es jetzt mal so im Rückblick sehe, bin ich heute glaube ich, viel besser gelaunt als in jüngeren Jahren."

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