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Im Gespräch | Beitrag vom 18.03.2019

Schauspieler Leopold AltenburgEin Clown mit königlichen Vorfahren

Moderation: Katrin Heise

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Leopold Prinz von Altenburg, Ururenkel von Kaiserin Elisabeth, auf dem roten Teppich bei der Premiere vom Musical "Elisabeth" im Berliner Admiralspalast. (picture alliance / dpa / Eventpress / Fuhr)
Erforscht die Familiengeschichte: Leopold Prinz von Altenburg auf dem roten Teppich bei der Premiere vom Musical "Elisabeth" im Berliner Admiralspalast. (picture alliance / dpa / Eventpress / Fuhr)

Leopold Altenburg ist der Ururenkel des habsburgischen Kaiserpaares Franz Joseph und Elisabeth und lebt als Schauspieler und Clown in Berlin. Jetzt hat er seine Familiengeschichte erforscht - und stieß dabei auf einsame Regenten und unterdrückte Lebensträume.

Leopold Altenburg trank als kleiner Junge aus Kristall-Gläsern, die einst der Kaiserin Elisabeth von Österreich gehört hatten. Er ist ihr Ururenkel.

Seinen Prinzentitel musste er als Österreicher ablegen. Ihm sei es aber auch lieber, nicht sofort als Nachfahre des habsburgischen Königshauses erkannt zu werden, gesteht der Schauspieler.

Strikte Sitzordung beim Sonntagsessen

In mancherlei Hinsicht stand seine Erziehung ganz im Zeichen der Tradition: "Es gibt Rituale, die es bestimmt schon seit Jahrhunderten gibt in der Familie, zum Beispiel wie man am Sonntag gemeinsam zu Mittag isst, wie die Sitzordnung ist. Da sitzt mein Vater an der einen Seite und meine Mutter auf der anderen Seite. Rechts von meinem Vater sitzt die älteste Tochter und links die nächst Jüngere. Und bei meiner Mutter rechts mein älterer Bruder und ich saß immer links."

Der heute 48-jährige und seine vier Geschwister lernten aber auch, dass ihnen aus ihrer Herkunft keinerlei Privilegien zuwachsen. Leopold Altenburg hat diese Botschaft seiner Eltern verinnerlicht und lebt heute mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Berlin-Hermsdorf.

Als Clown in Krankenhäusern

Als Schauspieler und Kabarettist steht er auf der Bühne und vor der Kamera, als Clown bringt er mehrmals im Monat das Lachen an die Betten von Kranken und Sterbenden in Krankenhäusern und Hospizen. "Der Clown ist auch eine archaische Figur wie der Prinz. Das ist die archaische Figur, die mir am liebsten ist. Der Clown hat Narrenfreiheit, mit der es schafft, Türen zu öffnen, die andere nicht öffnen können."

Dabei gehe es immer auch darum, die positiven Gefühle zu entdecken, die man auch im Krankenhaus antreffe. Erst kürzlich habe er sogar im Raum eines Hospizes den Clown gegeben, wo zwei verstorbene Kinder aufgebahrt lagen: "Der Raum war wunderschön geschmückt. Da hingen Fäden von der Decke und wir haben angefangen mit den Fäden zu spielen und dann haben wir ein Lied gesungen, das mit Abschied zu tun hat. Und dann löste sich auch bei den Pflegern und bei der Erzieherin einiges. Die Trauer war plötzlich möglich und das geht uns nahe."

Das Gefühl von "unheimlicher Schwere"

Der Nachfahre der Habsburger hat sich auf die Spuren seiner Familiengeschichte begeben. Die Ergebnisse seiner Recherchen und Reflexionen erscheinen in diesen Tagen unter dem Titel "Der Kaiser und sein Sonnenschein". Sie führen mitten hinein in einen Kosmos der Pflichterfüllung und Entsagung:

"Als ich mich mit dem Leben meines Vaters und meines Großvaters beschäftigte, empfand ich oft eine unheimliche Schwere. Es hat mich unheimlich runter gezogen, weil sie in einem solchen Korsett eingespannt waren. Ich habe in der Zeit sogar eine Gürtelrose bekommen. Gürtelrose betrifft den ganzen Körper, die schnürte mich ein die Geschichte. Und da hat es dann geholfen, immer wieder den humorvollen Blick auf die ganze Geschichte zu finden."

(rki/so)

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