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Im Gespräch | Beitrag vom 24.02.2020

Schauspieler Jonas DasslerVon der Liebe zum Proben

Moderation: Tim Wiese

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Porträt des Schauspielers Jonas Dassler anlässlich der Präsentation der "European Shooting Stars 2020" während der 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin. (imago / snapshot / F.Boillot )
Schauspieler Jonas Dassler ist der "European Shooting Star 2020". (imago / snapshot / F.Boillot )

Als Mörder Fritz Honka in "Der Goldene Handschuh" sorgte Jonas Dassler beim Kinopublikum für kalte Schauer. Jetzt wird das 23-Jährige Ensemble-Mitglied des Berliner Maxim-Gorki-Theaters auf der Berlinale als "European Shooting Star" ausgezeichnet.

Eigentlich ist Jonas Dassler ganz froh, dass sein Gesicht für die Rolle des Fritz Honka so verändert worden ist, dass ihn auf der Straße niemand mit dem Serienmörder in Verbindung bringt. "Es ist gut, dass man mich nicht mit dem Typen identifiziert", sagt er. Für seinen Part in "Der Goldene Handschuh" trug Dassler unter anderem eine schielende Kontaktlinse und erhielt eine künstlich verdickte und verformte Nase.

Diese körperliche Verwandlung verändert noch einiges andere, meint der 23-jährige Schauspieler, der in dem Film einen mehr als 40 Jahre alten Mann verkörpert.

Der Schauspieler Jonas Dassler als Serienmörder Fritz Honka im Film "Der goldene Handschuh". 2019, Regisseur: Fatih Akin nach einem Roman von Heinz Strunk.  (imago / Prod.DB / Boris Laewen)Jonas Dassler als Serienmörder Fritz Honka im Film "Der goldene Handschuh" (imago / Prod.DB / Boris Laewen)

Extreme Maske und sächsischer Dialekt

"Mit der Maske und dem schielenden Auge war es so, dass Leute anders auf mich reagiert haben. In dem Moment haben mich Leute nicht mehr so richtig angeguckt, sobald sie halt nicht mehr wussten, in welches Auge sie schauen müssen. Und das macht natürlich was mit einem selbst. Durch die Körperlichkeit und durch die Maske verändert sich mein Umfeld und ich muss anders interagieren mit denen", so Dassler.

Zur Glaubwürdigkeit der Figur hat sicher auch der gekonnt vorgetragene sächsische Akzent beigetragen: "Ich hatte das Glück, eine sehr tolle Dialekt-Coach-Frau kennenzulernen, die mir geholfen hat. Wir haben tatsächlich das Skript komplett durchgearbeitet und jeden Satz ins Sächsische umgemodelt und dann hab ich das auswendig gelernt."

Europas aufgehender Stern

Auch aufgrund seiner überzeugenden Darstellung in diesem Film von Fatih Akin wird Jonas Dassler dieses Jahr auf der Berlinale als "European Shooting Star" ausgezeichnet. "Das ist eine Art Plattform und gleichzeitig eine Auszeichnung für zehn europäische Schauspieler und Schauspielerinnen, die die Möglichkeit bekommen, sowohl sich, als auch Leute aus der Branche kennenzulernen - vor allem in internationaleren Gefilden", erklärt der aus Remscheid stammende Dassler. "Das Schöne daran ist, dass sich Leute mit meiner Arbeit auseinandergesetzt haben und das anscheinend ganz gut finden, und das freut mich natürlich wahnsinnig, und jetzt mit so vielen internationalen Kollegen in Kontakt zu kommen."

Theater, das sich seiner Umgebung anpasst

Internationale Kontakte kann Dassler auch am Berliner Maxim-Gorki-Theater pflegen, bei dem er das jüngste Ensemble-Mitglied ist. Er schätzt die Arbeit dieses Theaters sehr: "Als ich nach Berlin gekommen bin und das Gorki-Theater so mitbekommen habe, war ich komplett beeindruckt, weil ich zum ersten Mal Leute mit einer anderen Hautfarbe vermehrt auf der Bühne gesehen habe. Weil ich vermehrt neue Stoffe erlebt habe, die sich ganz konkret mit diesen Themen der Ungleichheit, der sozialen Ungleichheit, der Gender-Ungleichheit auseinandersetzen und daraus Dramatik machen, daraus Theater machen. Das ist, glaube ich auch das, was dieses Theater von vielen anderen unterscheidet."

Sein Eindruck ist, dass das Theater damit erfolgreich versucht, sich dem Berliner Stadtbild anzupassen. Seit Januar ist Dassler in der Produktion "In My Room" von Falk Richter am Maxim-Gorki-Theater zu sehen.

Grundstein Theater-AG

Dass er den Beruf des Schauspielers ergreifen wollte, wusste Dassler schon früh. Dafür ist sicher auch die Schule und vor allem eine von ihm sehr geschätzte Theaterlehrerin mit verantwortlich: "Ich hatte damals das Glück in so eine Theater-AG zu kommen auf der Schule und da war eine ganz wundervolle Theaterlehrerin, die diese Gruppe geleitet hat."

Das Besondere war, dass diese Lehrerin mit den Schülern und Schülerinnen gemeinsam die Stoffe entwickelt hat: "Wir haben zusammen komplett neue Stücke entworfen. Dadurch ist für mich so eine Liebe zu diesem Prozess und zu diesen Proben entstanden."

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