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Rang I | Beitrag vom 07.09.2019

Schauspieler des Jahres Nils Kahnwald"Ensemblearbeit macht mehr Spaß als Genie-Kult"

Nils Kahnwald im Gespräch mit Susanne Burkhardt

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Die Schauspieler Nils Kahnwald und Maja Beckmann (v.l.n.r.) im Theaterstück "Dionysos Stadt" an den Münchner Kammerspielen. (Julian Baumann / Kammerspiele München)
Arbeiteten sich zehn Stunden lang an der Antike ab: Schauspieler Nils Kahnwald und Kollegin Maja Beckmann im Theaterstück "Dionysos Stadt". (Julian Baumann / Kammerspiele München)

Es sei "absurd", dass er als Einzelner zum Schauspieler der Jahres gekürt wurde, meint Nils Kahnwald. Bei dem Antiken-Projekt "Dionysos-Stadt", für das er die Auszeichnung erhielt, gehe es vor allem um die Zusammenarbeit des Ensembles.

Ensemblearbeit mache "viel, viel mehr Spaß", als alleine seinen "Genie-Kult durchzuziehen", sagt Nils Kahnwald, Jahrgang 1984. Er ist Schauspieler des Jahres, spielt in der Inszenierung des Jahres, im Theater des Jahres: im Zehn-Stunden-Antiken-Projekt "Dionysos-Stadt" von den Kammerspielen München.

Der umfangreiche Theaterabend sei vor allem eine Ensemblearbeit, betont Kahnwald im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. "Umso absurder ist es, dass man nun als Einzelperson Schauspieler des Jahres wird, weil es überhaupt kein Einzelprodukt ist."

"Doping" mit Vitamin- und Halstabletten

Zehn Stunden auf der Bühne: ein "Kraftakt", der sich nur mittels Vitamin- und Halstabletten überstehen lasse. Während der Proben mit Regisseur Christopher Rüping sei aber "relativ schnell" klar geworden, dass der Theaterabend so umfangreich werden würde: Denn bei einem antiken Stoff brauche der Zuschauer eine längere Zeitspanne, "bis man sich überhaupt eingehört hat in die Texte". Ein zweistündiger Theaterabend würde dafür nicht ausreichen.

Nur einmal habe das Ensemble das Stück vor der Premiere komplett durchgespielt, erzählt Kahnwald: Vor der Premiere sei er "sehr, sehr unsicher" gewesen, "was da eigentlich passiert, wie da die Reaktionen sind. Und war dann völlig überrascht über das Lachen, über die Wärme, die das auch erzeugt, zwischen einem selber und den Zuschauern, und auch über die Ernsthaftigkeit."

Umzug nach Zürich

In Zukunft wird Nils Kahnwald allerdings nur noch selten in München zu sehen sein. Er ist umgezogen, nach Zürich. Dort gehört er zum neuen Team um die Intendanten Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg – und probt für die erste große Premiere am Haus: John Steinbecks "Früchte des Zorns". Das erste Stück von Christopher Rüping als Hausregisseur dort.

Der sozialkritische Roman schildert das Schicksal der in den 1930er-Jahren hochverschuldeten US-Farmer, die auf der Suche nach Arbeit in den Westen ziehen, dort Ausbeutung, Hunger und Anfeindungen ausgesetzt sind. Als er den Roman das erste Mal gelesen habe, sei er überrascht gewesen, erzählt Kahnwald: "Da hat jemand in den 40er-Jahren die komplette Struktur von Kapitalismus, wie Menschen dann ausgebeutet werden und was das für ein Unrecht ist" bereits niedergeschrieben. "Da war ich überrascht. Da dachte ich: Da steht es doch alles. Warum sind wir heute keinen Schritt weiter?"

Am 25. Oktober feiert die Inszenierung des Steinbeck-Romans am Schauspielhaus Zürich Premiere.

(lkn)

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