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Im Gespräch | Beitrag vom 05.09.2019

Schauspieler Burghart KlaußnerBoris Johnson als Wunschrolle

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Burghart Klaußner bei der Premiere von "Brecht". (picture alliance/dpa/Sputnik/Asatur Yesayants)
Der Mann für schwierige Aufgaben: Burghart Klaußner. (picture alliance/dpa/Sputnik/Asatur Yesayants)

Burghart Klaußner hat den Nazijäger Fritz Bauer gespielt, den alternden Brecht und stand als Molières „Menschenfeind“ auf der Bühne. Nun, mit fast 70, würde der Schauspieler am liebsten einen der Protagonisten des Brexit-Dramas verkörpern.

"Ich bin eigentlich ein Spezialist in meinem Beruf", sagt der Schauspieler Burghart Klaußner. "Ich werde manchmal für schwierige Aufgaben geradezu gesucht." Dazu zählen Filmrollen historischer Figuren wie der Nazijäger Fritz Bauer oder der alternden Bertolt Brecht, aber auch der gnadenlos strenge Vater und Pfarrer in "Das weiße Band", für dessen Verkörperung er den Deutschen Filmpreis erhielt.

Karrierestart in bewegten Zeiten

Schauspieler sein – dieses Ziel hatte Burghart Klaußner, Jahrgang 1949, eigentlich schon immer. "Ganz kurz wollte ich vielleicht mal Detektiv werden, aber nur, um mich verkleiden zu können. Was der Schauspielerei wieder viel näher kommt als der Detektiverei."

Der gebürtige Berliner und Gastwirtssohn studierte zunächst Theaterwissenschaften an der Freien Universität und nahm kurz darauf ein Studium an der "Max Reinhardt Schule für Schauspiel" auf. Der Beginn seiner Theaterlaufbahn Anfang der 70er-Jahre fiel mitten in die wilden Jahre Westberlins.

"Die Zeit in ihrer Selbstüberforderung, aber in ihrem unbedingten Willen, Neues zu produzieren, Neues auszuprobieren, lieber Fehler zu machen als Fehler zu vermeiden, Politik und Eros zu vermischen, alte Autoritäten und – wenn möglich – gleich alle Autoritäten abzuschaffen: Das führte zu einem Hochgefühl an Überlegenheit, an Aufbruchsenergie und dann eben leider auch an Arroganz und bis zu einem gewissen Grad an Verstiegenheit, die sich später eben leider auch verbrecherisch zuspitzte in zum Beispiel der Gründung einer sogenannten Roten Armee Fraktion."

"Mit blauem Auge davongekommen"

Er selbst "habe Glück gehabt", sagt Burghart Klaußner über diese bewegten Zeiten. Nach seinem Studium spielte er an der Schaubühne am Halleschen Ufer, am Schiller-Theater, am Gorki-Theater oder am Hamburger Schauspiel, um nur einige zu nennen. "Ich bin sozusagen mit einem blauen Auge davongekommen."

Es sei eine Zeit gewesen, in der jeder gefährlich leben wollte, "aber ich wollte nicht zu gefährlich leben". Er kenne viele, "die hatten kein Glück. Die sind manchem erlegen, was an Verführung auf dem Weg lag."

Traumrolle: Protagonist im Brexit-Drama

"Theaterspielen hat den großen Vorteil der Energieabfuhr, des Energieauswurfs. Nirgendwo sonst kann man sich vor einer Öffentlichkeit von einer Bühne herab so ekstatisch gebärden und gleichzeitig auch der Literatur widmen, einer größeren Idee vielleicht, nicht nur sich selbst", sagt Burghart Klaußner über seinen Beruf.

Aktuell würde er besonders gern einmal einen Protagonisten aus dem nicht enden wollenden Brexit-Drama verkörpern: "Ich würde, glaube ich, jeden spielen wollen. Ob das Johnson ist mit seiner unfassbaren Unbekümmertheit, die einfach mit dem Kopf durch die Wand will, ob das der Speaker ist, ob das Rees-Mogg ist, dieser selbsternannte oberkonservative Traditionalist: Das ist einfach ein Volk von irrsinnigen, interessanten Sonderlingen. Herrlich. Herrlich, herrlich, herrlich! Sie mögen alle zu mir kommen!"

70 Jahre und kein bisschen leise

Seinem 70. Geburtstag  am 13. September blickt Burghart Klaußner gelassen entgegen – genau wie dem Älterwerden: "Nicht gedankenlos, aber bedenkenlos." Vielleicht findet der Schauspieler dann auch mehr Zeit zum Schreiben und zum Musizieren. Vor einem Jahr schon hat er seinen ersten Roman "Vor dem Anfang" veröffentlicht. Mit seiner Band "Zum Klaußner" geht er außerdem seit einigen Jahren immer wieder auf Tour.

(era)

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