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Tonart | Beitrag vom 15.01.2019

Schall und KaufWie Musik unser Konsumverhalten beeinflusst

Monika Imschloß im Gespräch mit Oliver Schwesig

Blick in das bläulich illuminierte Atrium eines Einkaufszentrums (unsplash.com / Marcin Kempa)
Licht, Musik und Duft: In der Shopping Mall wird das Einkaufen als Erlebnis inszeniert. (unsplash.com / Marcin Kempa)

Kann Mozart den überteuerten Kaschmirpullover extra-kuschlig erscheinen lassen? Die Ökonomin Monika Imschloß untersucht, wie Klänge unsere Kaufentscheidungen beeinflussen. Denn Musik, Düfte und Licht sollen Lust auf Shopping jenseits des Internets machen.

Wer Jugendliche als Käufer gewinnen möchte, dreht die Bässe auf. Sie sollen den Teenagern den Kaufwunsch einhämmern, die Sneaker nochmal attraktiver erscheinen lassen. Liegt zur Adventszeit die Weihnachtsdeko im Regal, läuft im Laden "Last Christmas" in Dauerschleife. Und zu deftigem Essen sollte ebenso deftige Musik ertönen. Sie treibt den Puls der Pommes- und Burger-Liebhaber hoch und macht dadurch Hunger.

Um gegen den Onlinehandel Bestand zu haben und ihr Geschäft anzukurbeln, arbeiten Läden immer mehr mit sensorischen Elementen wie Licht, Düften und Musik, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Imschloß.

Dabei gehe es nicht ausschließlich um den Umsatz, "sondern auch darum, dass die Atmosphäre angenehmer ist, dass bestimmte Produkte anders wahrgenommen werden". Kurz: Es soll ein "Kundenerlebnis" geschaffen werden.

Du fühlst, was du hörst

Imschloß ist Juniorprofessorin für Marketing und Handel – sie forscht an der Uni Köln, wie Musik unsere Sinneseindrücke und unser Konsumverhalten beeinflusst. So hat sie beispielsweise herausgefunden, dass ruhige, helle Musik Textilien weicher erscheinen lassen. Wer also demnächst im Bekleidungsladen beim Befühlen eines Kaschmirpullovers Harfenklänge hört: Obacht! Zum Punk im Autoradio könnte der Super-Kuschel-Pullover dann doch kratzen.

Ob Kuschelmusik oder Bassgehämmer, Sie nervt das Kaufhausgedudel einfach nur? – Dann haben die Verkäufer möglicherweise einfach nur den Volume-Regler zu weit aufgedreht. Schließlich gehe es darum, die Musik eher unterbewusst wahrzunehmen, meint Imschloß.

"Die Geschäftsinhaber sind clever"

"Häufig ist es so, wenn Sie ins Geschäft gehen, dann können Sie hinterher nicht unbedingt sagen, ob da Musik gespielt wurde oder nicht, weil die Geschäfteinhaber sehr clever sind, die Kunden nicht zu sehr darauf zu lenken, dass Musik gespielt wird."

Möglichweise sind einige Läden sogar so clever, die Musik ganz auszustellen? Ruhe beim Einkaufen? Auch das könnte zu einem ganz neuen, ganz besonderen Einkaufserlebnis werden!

(lk)

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