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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 11.12.2018

Schäferin Ruth HäckhEine der Letzten ihrer Art

Moderation: Ulrike Timm

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Porträt der Schäferin Ruth Häckh. (Random House / Verena Müller)
Die Schäferin Ruth Häckh. (Random House / Verena Müller)

Ruth Häckh entstammt einer Familiendynastie von Wanderschäfern. In der vierten Generation hütet sie Schafe auf der Schwäbischen Alb. Sie hat die ganze Welt bereist, doch ist immer wieder zu ihrer Herde zurück gekehrt. Mit ihr endet eine Tradition.

Als Kind, Jugendliche und als junge Frau zog sie mit dem Vater und den Schafen jeden Winter von der Schwäbischen Alb an den milden Bodensee und im Frühjahr wieder zurück. "Wanderschäfer bedeutet, dass der Schäfer mit seinen Herden je nach Jahreszeit dem Futter nachzieht," sagt Ruth Häckh.

"Bei uns in Süddeutschland ist es traditionell so, dass man im Sommer auf der Schwäbischen Alb ist und im Winter zieht man dann in mildere Gebiete. Bei uns war das in dem Fall der Bodensee. Da ist man Anfang November losgelaufen und ist mit den Schafen zu Fuß bis an den Bodensee gelaufen. Im April ist man dann wieder zurückgelaufen."

Abhängigkeit von Subventionen

Dieses Leben entsprach den romantischen Vorstellungen vom Beruf des Schäfers, der sich wie kaum ein anderer in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. "Ich fühle mich, wenn ich alleine draußen bin bei der Herde bin, nie einsam", sagt Ruth Häckh.

"Wenn ich, im Gegensatz dazu, in einer großen Stadt bin und es viele Menschen um mich herum gibt, da kann ich mich sehr wohl einsam fühlen. Obwohl ich da nicht alleine bin."

Heute sind Wanderschäfer eine aussterbende Spezies, weil es zu viele Hindernisse für die Herden gibt und der Beruf des Schäfers unrentabel geworden ist. Konnten Schäfer bis in die 1950er-Jahre noch von der Wolle und bis in die 1980er-Jahre zumindest vom Verkauf der Lämmer leben, sind sie heute auf Gedeih und Verderb auf staatliche Subventionen angewiesen. Ruth Häckh rechnet vor: 

"Das Lammfleisch müsste vier Mal so viel kosten, dann wäre es kostendeckend. Ohne meinen Lammfleischverkauf könnte ich aber auch nicht überleben. Der andere Teil sind die Gelder aus der Landschaftspflege. Der Schäfer ist ein agrarökologischer Dienstleister, der sehr viele wertvolle Landschaften erhält. Was aber nicht ausreichend honoriert wird."

Schäferlehrling Juliane Prass ist mit ihren Schafen unterwegs.   (imago stock&people)Juliane Prass ist Anfang 20 und gehört zu den wenigen Nachwuchs-Schäfern. (imago stock&people)

Um die typischen Weidelandschaften zu erhalten, müssen aber Schafe auf die Wiesen, sonst würde in wenigen Jahren alles zuwachsen. Aus Sicht des Naturschutzes gibt es zu Schäferei keine Alternative.

"Alle wünschen sich, dass es auch künftig Schafherden gibt. Aber keiner tut das Nötige, um sie zu retten."

Da der Schäferberuf hart ist und schlecht bezahlt, wollen kaum noch Junge in den Job. Auch Ruth Häckhs Söhne haben sich für andere Berufe entschieden. Das Durchschnittsalter deutscher Schäfer liegt bei 57 Jahren. Wenn nicht bald etwas geschieht, müssen bis zu 90 Prozent der Schäfereien aufgeben – nur die riesigen Betriebe wären dann noch rentabel.

Um das zu ändern, kämpft Ruth Häckh im Bundesverband Berufsschäfer e.V. dafür, dass die Prämien zur Landschaftspflege deutlich erhöht und gerechter bemessen werden. Um zu illustrieren, wie wichtig – und schön – ihr Beruf ist, hat Ruth Höckh gerade einen Buch herausgebracht: "Eine für alle. Mein Leben als Schäferin".
(AB)

Ruth Häckh: "Eine für alle. Mein Leben als Schäferin"
Ludwig Buchverlag, 2018, 358 Seiten, 20 Euro

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