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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.02.2017

Schach-Weltmeisterschaft der Frauen"Der Wettkampf Mensch gegen Mensch macht einfach Spaß"

Alisa Frey im Gespräch mit Anke Schaefer

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Eines von 550 Schachbrettern steht am 10.11.2008 kurz vor Beginn der 38. Schacholympiade im Dresdner Kongresszentrum. Helfer haben für den vom 12.-25. November 2008 stattfindenden Wettbewerb 17.600 Schachfiguren auf die Bretter gestellt. 2160 Aktive aus 152 Nationen werden an der Schacholympiade 2008 teilnehmen. (picture alliance / dpa / Ralf Hirschberger)
Die Königsdisziplin Schach eint Frauen und Männern sportlich - fast: Denn immer noch spielen viel weniger Frauen Schach als Männer, sagt die Spielerin Alisa Frey. (picture alliance / dpa / Ralf Hirschberger)

Das Schachspiel taugt wenig für eine Geschlechterdiskussion: "Frauen spielen genauso Schach wie Männer", sagt die Spielerin Astrid Frey. Allerdings gebe es schon bestimmte Unterschiede: Bei den Turnieren steht weibliche Grüppchenbildung gegen männliches Einzelgängertum.

In Teheran beginnt heute die Schach-Weltmeisterschaft der Frauen. Die dort verhängte Kopftuchpflicht für die 64 teilnehmenden Frauen hat bereits für viel Diskussionen gesorgt. Aus diesem Grund boykottieren einige wichtige Spielerinnen dieses Turnier.

Wie wird diese Weltmeisterschaft jenseits der Kopftuchdiskussion stimmungsmäßig ablaufen? Und spielen Frauen vielleicht ganz anders Schach als Männer? Diese Frage verneint Alisa Frey, die in der Frauen-Schach-Bundesliga spielt und sich auch im Deutschen Schachbund engagiert:

"Frauen spielen genauso Schach wie Männer. Das Spiel ist das gleiche. Es ist aber einfach nur so, dass Frauen eine andere Atmosphäre haben, wenn sie miteinander spielen."

"Die Frauen vertragen sich nach der Partie wieder"

Frauen setzten beim Schach mehr auf Grüppchenbildung, während Männer meist Einzelgänger seien, so die Beobachtung Freys. Unter den Frauen herrsche eigentlich – trotz des Wettkampfs auf dem Schachbrett - eine freundliche Atmosphäre:

"Die Frauen vertragen sich nach der Partie wieder, egal, wer gewonnen hat. Bei den Männer muss das nicht unbedingt der Fall sein."

Frauen spielten leider noch nicht auf dem gleichen Niveau wie die Männer, lautet eine weitere Aussage Freys. Das habe auch damit zu tun, dass viel weniger Frauen als Männer Schach spielten

"Aber die Partien der Frauen sind mindestens genauso interessant. Und für den gemeinen Amateur-Spieler wahrscheinlich noch interessanter, weil sie deutlich verständlicher sind."

Norwegsicher Schachspieler Magnus Carlsen (dpa/Luis Tejido)Der norwegische Spieler Magnus Carlsen, Schach-Weltmeister des Jahres 2016 (dpa/Luis Tejido)

"Jede Schachpartie ist einzigartig"

Ihre Leidenschaft für den Schach-Sport habe bestimmte Gründe, erzählt Frey:

"Für mich ist die Vielfalt der Möglichkeiten faszinierend. Jede Schachpartie ist einzigartig, es ist immer etwas anderes. Es gibt immer wieder Rätsel, die man lösen muss. Man steht immer wieder vor neuen Herausforderungen.  Und der Wettkampf – Mensch gegen Mensch, 1:1 – macht einfach auch Spaß."

Wie bewältigt man ein bevorstehendes Schachmatt?

Doch Spielerinnen und Spieler müssen auch die Situation verkraften, vor einem Schachmatt zu stehen. Wie kann man das psychisch bewältigen? Wenn man eine Niederlage absehen könne, gebe man meistens schon vorher auf, berichtet Frey:

"Also Schachmatt wird nur noch selten gesetzt bei den wirklich guten Schachspielern. Aber innerlich ist das meistens eine ziemliche Spannung, die sich da aufbaut. Es ist kein schönes Gefühl."

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