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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.02.2017

Satiriker Martin Sonneborn"Familienwerte wie bei Trump"

Von Tobias Wenzel

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Der Satiriker und Europaabgeordnete der Spaß-Vereinigung «Die Partei», Martin Sonneborn (links), stellt in Berlin seinen Vater Engelbert Sonneborn als Kandidaten der Piratenpartei für die Bundespräsidentenwahl vor.  (dpa / picture alliance / Bernd Settnik)
Der Satiriker und Europaabgeordnete der Spaß-Vereinigung "Die Partei", Martin Sonneborn (links), stellt in Berlin seinen Vater Engelbert Sonneborn als Kandidaten der Piratenpartei für die Bundespräsidentenwahl vor. (dpa / picture alliance / Bernd Settnik)

Dem Satiriker und EU-Parlamentarier Martin Sonneborn ist ein neuer Coup gelungen: Er nominierte seinen Vater Engelbert Sonneborn für das Bundespräsidentenamt - als Kandidat der Piratenpartei.

Ein Pulk von aufgeregten Medienvertretern stürmt durchs Berliner Ensemble in Richtung Pressekonferenz. Ein 79 Jahre alter Mann, auf den alle blicken, rückt noch schnell seine Krawatte zurecht. Engelbert Sonneborn tritt am Sonntag zur Wahl des Bundespräsidenten an. 

Martin Sonneborn: "Ich finde, alles über drei Stimmen wäre ein deutlicher Erfolg, den wir auch entsprechend feiern würden."

... sagt Sohn Martin Sonneborn. Der Vorsitzende der satirischen Partei DIE PARTEI hat seinen Vater ins Präsidentschaftsrennen geschickt. "Mein Vater - Euer Vater!" steht auf einem Wahlplakat.

Martin Sonneborn: "Mein Vater wird nicht sprechen. Der spricht erst, wenn er bezahlt wird dafür, also wenn er im Amt installiert ist."

Stattdessen spricht irgendein Mann von der Piraten-Partei. Den Piraten hat Sonneborn junior zu verdanken, dass er nun seinen Vater für die Wahl nominieren durfte.

"Es gab keinen zweiten Frank-Walter Steinmeier"

Martin Sonneborn hat Frank-Walter Steinmeier nicht verziehen, dass der bei der Armenienresolution im Bundestag abwesend war. Deshalb wollte Sonneborn erst einen Namensvetter von Steinmeier als Gegenkandidat nominieren.

Martin Sonneborn: "Einfach, weil wir uns ausgerechnet hatten, wenn der auf den Wahlzetteln steht an fünfter Stelle, dass der dann mindestens eine 50-prozentige Chance hat, gewählt zu werden. Sie wissen, dass die Bundesversammlung überwiegend dann auch von älteren Herrschaften bevölkert wird …"

… die dann verwirrt das Kreuz beim Namensvetter machen.

Martin Sonneborn: "Das ist jetzt leider gescheitert: Es gab keinen zweiten Frank-Walter Steinmeier. Und deswegen wird mein Vater am Sonntag zur Wahl antreten."

Aber ist dieser Präsidentschaftskandidat tatsächlich der Vater des Satirikers? Abgesehen vom lichten Haar sehen sie sich kaum ähnlich. Frage an Martin Sonneborn: Sind Sie sich sicher, dass das Ihr Vater ist?  

Martin Sonneborn: "Nein! Aber du bist dir sicher? Dass ich …"

... fragt Martin Sonneborn Engelbert Sonneborn. Aber der darf ja nicht antworten. Ein CDU-Wähler sei er, erzählt der Sohn über den Vater und gesteht:

Martin Sonneborn: "Es gibt ein Problem vielleicht: Die Engländer haben mal auf ihn geschossen, 1943 oder 1944 oder 1945. Insofern: Europapolitisch - ich glaube, dass er ein Befürworter des Brexit ist."

Er kann sprechen! Jetzt muss er nur noch gewählt werden

Wenn Engelbert Sonneborn am Sonntag die Wahl zum Bundespräsidenten gewönne, hätte das auch für den Sohn Vorteile.

Martin Sonneborn: "Wir leben in Zeiten, in denen die Familienwerte etwas gelten. Wir sehen das gerade bei Donald Trump. Und ich gehe sehr davon aus, dass ich zumindest zu Sommerfesten eingeladen werde ins Schloss Bellevue. Mein Bruder vielleicht."

Im Allgemeinen komme sein Vater aber sehr gut allein zurecht als Präsident.

Martin Sonneborn: "Wenn meinem Vater langweilig wird, dann geht er auf den Balkon und hält Reden. Freizeit - sein großes Thema. 'Freizeit und Verantwortung', 'Freizeit ist immer die Freizeit des Andersdenkenden', so was."

Reden. Kann er das denn? Oder hat der Sohn dem Vater das Wort verboten, weil der geistig verwirrt ist. Ein Test nach der Pressekonferenz: Kann Engelbert Sonneborn ein komplexes Wort artikulieren?

Martin Sonneborn: "Fragen Sie ihn?"
Tobias Wenzel: "'Tierkörperbeseitigungsanlage' zum Beispiel." 
Engelbert Sonneborn: "Das Wort gefällt mir nicht."

Er kann sprechen! Jetzt muss er nur noch gewählt werden.

Mehr zum Thema:

"Pardon", "Titanic", "Eulenspiegel" - Satiremagazine im Crash-Test
(Deutschlandfunk, Freistil, 29.1.2017)

Parteienfinanzierung - Satirepartei "Die Partei" droht die Pleite
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