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Kompressor | Beitrag vom 30.11.2017

SatiremagazinAus für deutsche "Charlie Hebdo"-Ausgabe

Minka Schneider im Gespräch mit Christine Watty

Das Cover der ersten deutschen Ausgabe "Charlie Hebdo" (dpa / picture alliance / Lino Mirgeler)
Das Cover der ersten deutschen Ausgabe "Charlie Hebdo" - nun wird die Zeitschrift hierzulande eingestellt. (dpa / picture alliance / Lino Mirgeler)

Nach einem Jahr ist Schluss: Die deutsche Ausgabe von "Charlie Hebdo" wird eingestellt. Heute erscheint das letzte Heft. Chefredakteurin Minka Schneider begründet den Schritt vor allem mit den hohen Kosten, aber auch mit einer unterschiedlichen Kultur des Humors.

Das Projekt in Deutschland sei mit viel "Vorschlusslorbeeren" gestartet, sagte Schneider im Deutschlandfunk Kultur. Und nach den Anschlägen auf das Pariser Büro habe es aus Deutschland sehr viel Solidarität und Interesse gegeben. In Deutschland sei man ein Experiment eingegangen, man habe nach dem Attentat "etwas ausprobieren, etwas machen wollen", so die Chefredakteurin weiter.

Die Februar-Ausgabe der deutschen "Charlie Hebdo" (picture alliance / Kay Nietfeld / dpa)Die Februar-Ausgabe der deutschen "Charlie Hebdo": Bei der Leserschaft war die Resonanz offenbar zu gering. (picture alliance / Kay Nietfeld / dpa)

Comeback nicht ausgeschlossen

Das Scheitern des Magazins führte Schneider auf mehrere Faktoren zurück. Zu einen seien die Kosten in Deutschland immens gewesen. Sowohl der Vertrieb als auch die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen hätten einen wichtigen Faktor ausgemacht. Inhaltlich hätte das Blatt stärker auf deutsche Themen eingehen müssen, räumte Schneider ein, gab aber zugleich zu bedenken, dass der Wahlkampf in Deutschland wenig Ansatzpunkte geliefert habe. Bedenken müssen man auch, dass ein Magazin viel Zeit brauche, um sich an einem neuen Markt zu etablieren.

Dazu müsse man einen "längeren Atem" haben. Letztendlich sei es auch eine Frage der Kultur: Die deutschen Leser seien eher den Stil von "Titanic" oder "Eulenspiegel" gewohnt.

Dennoch zeigte sich Minka Schneider zuversichtlich. Von den Zeichnern in Deutschland habe es sehr viel Zuspruch gegeben. Eine weitere Zusammenarbeit sei hier denkbar. Und: "Vielleicht werden wir das deutsche Publikum noch überraschen."

"1 Jahr lang belästigt ... - Es reicht!"

Die deutsche Ausgabe bestand größtenteils aus übersetzten Texten und Karikaturen der Originalausgabe, die Redaktion griff aber auch deutsche Themen auf. "Charlie Hebdo" ist für seine häufig provokante Satire bekannt. Im Januar 2015 verübten Islamisten einen Anschlag auf die Redaktion in Paris und ermordeten zwölf Menschen, darunter auch mehrere bekannte Zeichner.

Die Redaktion bedankte sich bei ihren Lesern: "Wir wollten Danke sagen für Eure große Unterstützung nach dem 7. Januar 2015 und Euch eine Facette französischer Zeichenkultur zeigen. Ihr hattet Gelegenheit kennenzulernen, wer wir sind", schrieben die Blattmacher Biard und Schneider.

In ihrer letzten deutschen Ausgabe verabschiedet sich die Reaktion von der Leserschaft:

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Zwei Jahre "Charlie Hebdo"-Anschlag - "Satire ist ein Ventil für die Psyche"
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(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 01.12.2016)

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