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Besser essen | Beitrag vom 18.01.2019

Sarah Wieners SpeisekammerWie man vom Zucker wegkommt

Von Sarah Wiener

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Pralinen in Herzform in einer Schachtel. (imago stock&people)
Hier ist der Zucker eher nicht versteckt: Pralinen. Wer will da nein sagen? (imago stock&people)

Fertigprodukte, Cerealien, Fruchtsaft - bei den meisten ist Zucker aus dem Ernährungsalltag kaum wegzudenken. Man kann ihn trotzdem aus dem Essen bekommen, sagt Sarah Wiener - schrittweise oder durch "kalten Entzug".

Kinder haben eine genetische Präferenz für süß. Schon in der achten Schwangerschaftswoche können Kinder durch die Plazenta süß schmecken. Man hat in Untersuchungen festgestellt, dass die Föten auf gesüßtes Plazentawasser mit einem Lächeln reagieren. Das Gegenteil zeigt sich bei Bitterstoffen, wobei sie dann das Gesicht verziehen. Süß ist aber nicht nur eine Präferenz, weil es gut schmeckt, süß weist entwicklungsbiologisch auf reife Früchte hin, also ungiftig und mit viel Energie. Gerade die brauchen Kinder oft.

Zucker kann süchtig machen

Alle großen Ernährungsphilosophen sagen, dass Zucker "böse" ist. Ich schließe mich da an, denn Zucker ist kein Naturprodukt sondern ein hochverarbeiteter Stoff, der keine Inhaltsstoffe besitzt außer Kohlenhydrate. Zucker ist kein essentieller Nährstoff, er greift den härtesten Stoff in unserem Körper, den Zahnschmelz. Er kann für einen Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Krankheiten und für die Fettsucht verantwortlich sein. Zucker kann aber auch süchtig machen und es ist sehr schwer, sich von einem Tag auf den anderen zu entwöhnen. Nahrungsmittel der Industrie werden immer süßer, wir gewöhnen uns daran. In meiner Stiftung gibt es Versuche, bei denen Kindern ein Quark mit Honig und frischem Obst oder einen industriellen Obstquark mit Zucker angeboten wird. Immer bevorzugen die Kinder den Industriequark, weil ersteres nicht süß genug ist.

Zucker ist in fast allen Fertiggerichten

Zucker finden wir in fast jedem Fertigprodukt: In der Wurst, im Brot, natürlich in der Marmelade aber auch in Milchprodukten, Backwaren und Brotaufstrichen. Wir nehmen mit Fertigprodukten doppelt so viel Zucker auf, als wenn wir selber kochen oder einen Kuchen backen. Zucker versteckt sich auch in Limonaden genauso wie in unseren Frühstücksflocken oder dem Brotaufstrich. Das gefährliche ist, dass wir den Zucker darin nicht schmecken und nicht sehen. Es gibt nur eine Möglichkeit, (Industrie-) Zucker zu vermeiden. Entweder man macht einen "kalten Entzug": Von heute auf morgen kein Zucker, keine Fertigprodukte. Stattdessen selber kochen! Die andere Möglichkeit ist, den Zuckerverbrauch langsam herunterzufahren, die Dosis von Woche zu Woche zu reduzieren, so dass die Kinder das nicht merken und sich an den natürlichen Geschmack wieder gewöhnen.

Getrocknetes Obst zum Süßen

Es gibt viele Arten von Zucker, die andere Namen haben und uns in die Irre führen. Da steht auf dem Etikett sowas wie Maltodextrin, Gerstenmalz, Vollrohrzucker, Saccharose, Sucanat, Melasse usw. so dass wir oftmals gar nicht wissen, ob wir Zucker essen. Ich empfehle, die Produkte nicht zu kaufen, wenn man das Etikett nicht versteht. Besser wäre es, anstatt dessen Honig zu verwenden oder getrocknetes Obst zu nehmen, allen voran die Dattel. Sie ist das süßeste Obst, das wir kennen.

Der Tipp: Bananenkuchen ohne Zucker

Obst enthält auch Zucker, aber das ist Fruchtzucker und unser Körper weiß, wie er damit umzugehen hat. Daher empfehle ich mal einen Bananenkuchen ganz ohne Industriezucker. Dazu nimmt man z.B. nur Haferflocken, Vollkornmehl, Rosinen, Nüsse und natürlich "zermatschte" Bananen: die Grundzutaten für einen köstlichen, süßen Kuchen.

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