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Besser essen | Beitrag vom 27.10.2018

Sarah Wieners Speisekammer "Ich brenne für die Brennnessel!"

Von Sarah Wiener

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Hände schneiden mit einem großen Messer Brennnesseln. (imago / Blickwinkel)
Brennnesseln können weh tun – und gut schmecken. (imago / Blickwinkel)

Brennnesseln können einen schönen Spaziergang im Wald ganz schön vermiesen. Doch Sarah Wiener liebt Brennnesseln – auf ihrem Teller! Sie verrät, wie man aus ihnen leckere Suppen und Pestos zubereitet und hat Tipps für die schmerzfreie Ernte.

Ich habe einen großen Garten und da wachsen die Kräuter umsonst, man kann sich also aus der Natur bedienen. Sie besitzen eine große geschmackliche Vielfalt und mehr Inhaltsstoffe als gezüchtete Kräuter oder all das, was man auf dem Markt oder im Supermarkt kaufen kann. Wildkräuter haben praktisch immer Saison, man kann sie vom Frühling bis zum Frost ernten und verarbeiten. Bei mir wachsen Franzosenkraut, Vogelmiere, Schafgarbe, Spitzwegerich, Giersch und Brennnessel.

Keine Angst vor Brennnesseln

Ich brenne für die Brennnessel! Zum einen hat sie eine große Heilwirkung: Sie reinigt das Blut, wirkt entgiftend, harntreibend, antibakteriell und sie unterstützt allgemein das Immunsystem. Zum anderen enthält die Brennnessel viele Nährstoffe. Sie enthält Eisen, Kieselstoffe, Vitamine (A, C und E) sowie Kalium und Magnesium.
Die Brennnessel selber hat eine lange Küchentradition. Schon im Mittelalter wusste man um den Geschmack und die Wirkung. Die beste Erntezeit, um die Brennnessel zu trocknen, ist das Frühjahr, aber man kann sie das ganze Jahr über bis zum Frost ernten und essen – egal ob roh oder gekocht. Sie eignet sich für ein Pesto, blanchiert in einem Salat oder für Suppen.

Frische Wildkräuter liegen auf einer Scheibe Brot. Immer mehr Menschen wollen weg von der faden Supermarkt-Kost und entdecken Wildkräuter für sich. (picture alliance / dpa / Philipp Schulze)Frische Wildkräuter auf einer Scheibe Brot – immer mehr Menschen entdecken Wildkräuter für sich. (picture alliance / dpa / Philipp Schulze)

Die meisten haben eine Scheu vor Brennnesseln, weil sie sich beim Ernten die Hände "verbrennen". Weniger schlimm ist es, wenn man den Stängel von unten nach oben berührt, denn die Nesseln wachsen in diese Richtung. Allerdings empfehle ich Handschuhe und eine Schere und so wie bei allen Wildkräutern nur das obere Drittel abzuschneiden. Diese Triebe sind am jüngsten und daher weniger bitter. Zur Verarbeitung übergießt man die Brennnessel mit heißem Wasser oder man rollt mit einem Nudelholz über die Blätter, so dass diese kleinen Nesselgefäße zerstört werden.

Vorsicht vor Verwechslungen

Wir können sehr viel unseres Grünzeugs essen. Trotzdem gibt es einige Regeln, die man beachten sollte. Pflücken Sie nichts, wo Hunde auslaufen, Straßen stark befahren oder Felder gedüngt oder gespritzt sind. Gehen sie weiter in die Natur hinein aber pflücken sie nichts, was sie nicht hundertprozentig erkennen. Es gibt nämlich Kräuter, die sehr ähnlich ausschauen. Ein typisches Beispiel ist Bärlauch und Maiglöckchen oder Herbstzeitlose, wo es starke Vergiftungen geben kann. Die Unterscheidung ist recht einfach: Bärlauch zerrieben riecht nach Knoblauch, tut er das nicht – Hände weg!
Kräuter, die man als Gemüse essen möchte, sollte man immer nur frisch benutzen. Getrocknete Kräuter eignen sich dagegen für Tee oder als Gewürz.

Kochtipp: Kartoffelstampf mit Brennnessel

Machen sie ein normales Kartoffelpüree, überbrühen die frischen Brennnesseln, hacken sie klein und vermischen dies mit etwas Knoblauch und Muskatnuss und heben es unter das Püree. Fertig ist die köstliche Speise!

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