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Lesart | Beitrag vom 20.05.2019

Sammelband "Böse Bücher" Bücher ohne Moral

Markus Krajewski und Harun Maye im Gespräch mit Andrea Gerk

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Eine Szene aus "Max und Moritz" von Wilhelm Busch aus dem Jahr 1865; hier in der Ausstellung "Wilhelm Busch - populär und unbekannt" im Oktober 2010 im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover (picture alliance / dpa)
Im vierten Streich von Wilhelm Buschs "Max und Moritz" ärgern die beiden bösen Buben ihren Lehrer Lämpel. (picture alliance / dpa)

"Böse Bücher" verzichten auf eine Anleitung zum moralischen Urteil. Das sagen die beiden Medienwissenschaftler Markus Krajewski und Harun Maye. Ihr gleichnamiger Band sammelt Aufsätze zur Literaturgeschichte - von De Sades "120 Tagen von Sodom" bis zu Buschs "Max und Moritz".

Das Gegenstück zum "guten Buch" muss nicht unbedingt das "schlechte Buch" sein, das sagen die beiden Medienwissenschaftler Markus Krajewski und Harun Maye. Zusammen haben sie eine kleine, feine Auswahl so genannter "böser Bücher" zusammengestellt. Darunter sind J. M. Coetzees "Warten auf die Barbaren", Thomas Bernhards "Holzfällen" oder Curzio Malapartes "Kaputt", aber auch Wilhelm Buschs "Max und Moritz".

Böse Bücher – so meinen die beiden – seien solche literarischen Werke, bei denen der Autor keine klare Bewertung der Personen und Zustände vorgebe. Das führe dazu, dass der Leser plötzlich Sympathie für Verbrechen empfinde oder mit Protagonisten mitleide, die eigentlich kein Mitleid verdienten.

Typisch sei, dass solche "bösen Bücher" den Rezipienten länger beschäftigen als gedacht. Weil der Autor auf ein moralisches Urteil verzichte, sei die Lektüre eine größere Herausforderung.

Mitfiebern bei bösartigen Streichen

Im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur machen die Herausgeber Krajewski und Maye dies am Beispiel von "Max und Moritz" deutlich:

"Es sind nicht nur die Buben, die böse sind. Es ist ein grundsätzlich durch und durch böses Buch. Es ist ein Gesellschaftspanorama dieser Gesellschaft der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der preußischen Monarchie. Und es kommt der Lehrer, der Schneider, der Bauer vor, die alle nicht dadurch glänzen, dass sie besonders vorbildliche Leben führen. Und obwohl das sehr bösartige Streiche sind, fiebert man natürlich mit den Buben mit."

(huc)

Markus Krajewski, Harun Maye (Hrsg.): Böse Bücher
Mit Beiträgen unter anderem von Andreas Beyer, Michael Hagner, Ute Holl, Martin Mulsow, Klaus Theweleit und Joseph Vogl
Wagenbach-Verlag 2019
208 Seiten, 24 Euro

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