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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.11.2017

Saison-Auftakt an der Volksbühne "Misslungen und theaterfern"

André Mumot im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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(picture alliance / Wolfgang Kumm/dpa)
Auf einer mit schwarzen Tüchern abgehängten und spärlich beleuchteter Bühne steht die Schauspielerin Anne Tismer am 07.11.2017 bei der Fotoprobe der Theaterperformance mit Einaktern von Samuel Beckett und Arbeiten von Tino Sehgal in der Volksbühne in Berl (picture alliance / Wolfgang Kumm/dpa)

Chris Dercon als neuer Intendant der Berliner Volksbühne ist eine der umstrittensten Theater-Personalien der letzten Jahre. Umso gespannter waren viele auf den Saison-Auftakt - der gründlich daneben ging, wie Theater-Kritiker André Mumot meint.

Es gab in den vergangenen Jahren keine Theater-Personal-Entscheidung, die dermaßen umstritten war wie die Personalie Chris Dercon. Er ist der neue Chef der Berliner Volksbühne, Nachfolger von Frank Castorf. Dem Belgier, der aus der Kunstszene kommt, wurde vorgeworfen, kein Theatermann zu sein und die Volksbühne in einen "Eventschuppen" zu verwandeln. 

Zur Saison-Eröffnung zeigte die Volksbühne drei Einakter von Samuel Beckett, gespielt von der Schauspielerin und Performance-Künstlerin Anne Tismer, und Arbeiten von Tino Sehgal. Das gesamte Haus wurde bespielt – die Bühne, der Saal, die Foyers – mit unterschiedlichen Formaten, Situationen und Formen der Interaktion.

Der geschminkte Mund der Schauspielerin Anne Tismer (picture alliance / Wolfgang Kumm/dpa)Nur der geschminkte Mund der Schauspielerin Anne Tismer ist am 07.11.2017 bei der Fotoprobe der Theaterperformance mit Einaktern von Samuel Beckett und Arbeiten von Tino Sehgal in der Volksbühne in Berlin zu sehen. (picture alliance / Wolfgang Kumm/dpa)

"Ich kann nur sagen, dass ich diesen Abend insgesamt misslungen finde und merkwürdig theaterfern", sagt Theaterkritiker André Mumot. Die Werke von Tino Sehgal seien hauptsächlich ältere Werke gewesen.

Hämmernde Bässe und Lichtflackern hätten die Performance eingeleitet, später hob und senkte sich der Bühnenboden und auch der Kronleuchter kam herab. "Es ist ein bisschen, als wollten die Künstler sich selbst zeigen: Guck mal, das ist ein Theaterraum!", meint Mumot. "Viel mehr ist da nicht passiert."

Am Raum vorbei

Samuel Becketts drei Einakter sind radikale Stücke, pures Theater und sehr reduziert: "Nicht Ich" (1972), "Tritte" (1976) und "He Joe" (1966). In der ersten Szene "Nicht Ich" sieht man nur den Mund der Schauspielerin Anne Tismer. "Wir sprechen von der Volksbühne, ein riesengroßes Haus", sagt Mumot. "Kein Mensch, außer vielleicht in den ersten zehn Reihen, konnte erkennen, dass es sich um einen Mund handelt", kritisiert er. Wer nicht wusste, dass das Konzept ist, dachte, da blinkt ein rotes kleines Licht auf der Bühne, meint der Kritiker. "Vollkommen am Raum vorbei!"

Hinterher sei sogar gebuht worden. "Das, was da passiert ist, ist verkrampft gewesen, es hat keine ästhetischen und inhaltlichen Elemente aufgeworfen, die das Stück angereichert hätten mit Dingen, mit denen wir zu tun haben", meint er - etwas, das man in jedem Theater, bei jeder Aufführung zu sehen bekäme.

Hören Sie dazu auch eine weitere Rezension von Tobi Müller in Studio 9 vom 11. November 2017: 

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