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Profil / Archiv | Beitrag vom 13.01.2012

Sänger mit gewerkschaftlicher Tradition

Der "provocale"-Chor aus Kassel

Von Julia Möckl

Notenblatt (Stock.XCHNG / John Jarvis)
Notenblatt (Stock.XCHNG / John Jarvis)

Arbeiterlieder, Antikriegslieder oder von Hanns Eisler vertonte Brecht-Lieder - das war das Repertoire des vor über 30 Jahren gegründeten DGB-Chors Kassel. Seit 1993 heißt dieser Chor "provocale". Die Sängerinnen und Sänger sind zumeist immer noch politisch und sozial engagiert, und ihre Konzerteinnahmen spenden sie beispielsweise für afrikanische Hilfsprojekte.

Brigitte Kirchherr: "Ich gebe zu, dass ich damit anfangs etwas Schwierigkeiten hatte."

Brigitte Kirchherr: "Diese neueren politischen Stücke, die sind mir n bisschen unklar in ihrer Aussage und manchmal find ich sie leicht kitschig, wenn ich ehrlich bin."

Martje Grandis: "Ich heiße Martje Grandis und bin Chorleiterin bei provocale."

Martje Grandis: "Die haben hier eine Tradition dem alten politischen Lied gegenüber, das pflegen wir auch."

Martje Grandis: "Was ich aber wichtig finde, ist, dass wir auch im Heute sind."

Josef Pristl: "Tote Hosen, Herbert Grönemeyer – unsere Chorleiterin ist da unwahrscheinlich kreativ. Und, wenn’s nicht passt, wird’s passend gemacht!"

Martje Grandis: "Die Toten Hosen"

Martje Grandis: "Ich bin generell ein optimistischer Mensch. Und das ist in dem Stück für mich ganz doll drin."

Angelika Reinhard: "Ich mag gerne die Brecht-Lieder."

Angelika Reinhard: "Da merk ich richtig, wie mein Herz aufgeht, wenn ich diese Lieder höre."

Angelika Reinhard: "Wir haben immer mal wieder eins dabei, zum Beispiel die Ballade vom angenehmen Leben. Was haben wir noch?"

Peter Bauche: "Über die Berge"

Peter Bauche: "Ich bin 1980 zu diesem Chor gekommen, der damals noch ganz neu war. Der ist 1979 gegründet worden und nannte sich damals DGB-Chor."

Peter Bauche: "Wir haben uns damals bewusst entschieden, Lieder zu singen, die aus der Arbeiterbewegung kommen, und andere kritische Lieder und sind dann auch überwiegend in Gewerkschaftsveranstaltungen aufgetreten."

Jens Brömer: "Manchmal war das ein bisschen schwierig, weil die Delegierten schon unruhig in ihren Papieren blätterten, während der Chor sein Programm ablieferte und deshalb haben wir auch mehr und mehr gesagt, wir müssen auch unser eigenes musikalisches Ding machen."

Bernd Winter: "Unter dem Namen provocale ist dieser Chor als Verein dann 1999 eingetragen worden."

Peter Bauche: "Diesen Namen fanden wir damals ungeheuer originell, weil wir gesagt haben, provocale drückt einmal aus, dass es für den Gesang ist und dass es auf der anderen Seite, wenn man das Wort zusammenzieht, aber das Wort provozieren oder anregen auch beinhaltet."

Bernd Winter: "Mein Name ist Bernd Winter, ich bin der erste Vorsitzende: Eins der Probleme ist ja, in der Tradition zu leben, aber neu zu definieren wieder: Was ist unsere politische Tradition und unser politischer Anspruch."

Peter Bauche: "Naja, es gab schon lange Diskussionen darüber, wie wir damit jetzt umgehen, mit diesem Thema."

Brigitte Kirchherr: "Anfangs, ich bin ja auch schon über 20 Jahre dabei, haben wir wirklich auch auf Demonstrationen, zum Beispiel beim ersten Irakkrieg nachts auf dem Stern gesungen, auf der Straße oder bei Demonstrationen, das kam häufiger vor. Aber nach und nach, denke ich, hat die Freude am Singen mit dem Älterwerden ein bisschen die Überhand bekommen."

Peter Bauche: "Letztendlich hat den Ausschlag gegeben, dass wir uns öffnen wollten. Sowohl thematisch als auch, was die Sänger und Sängerinnen angeht, mit ihrem politischen oder gewerkschaftlichen Hintergrund."

Jens Brömer: "Für mich macht den Reiz aus, auch ganz unterschiedliche Sachen zu machen. Vom traditionellen Gewerkschaftslied, was jetzt nicht mehr so oft im Programm ist bis hin zu Jazz-Stücken oder anspruchsvollen Sätzen wie "Fragile", was wir eben hatten, von Sting."

Brigitte Kirchherr: "Wir haben einen Chorrat, den wir wählen, und die suchen vor aus. Wenn uns was gar nicht gefällt, sagen wir das."

Martje Grandis: "Das hab ich auch ein bisschen lernen müssen bei diesem Chor. Also, es ist ein recht demokratischer Chor."

Martje Grandis: "Aber die musikalische Leitung ist in meiner Hand. Musik ist, wenn man als Chorleiter da ist, Diktatur. Das ist leider so."

Bernd Winter: "Wir fahren auch mindestens einmal im Jahr zusammen weg. Und wenn dann jemand sagt, dem Vorstand sagt, nein, es wird mir n bisschen teuer, dann unterstützen wir die Fahrt natürlich. Weil: Wir wollen alle dabei haben, wir wollen niemanden ausschließen. Es ist gerade auch unser Anspruch, auch sozial etwas zu tun."

Martje Grandis: "Na, auf jeden Fall machen wir Geburtstagssingen, das ist wichtig. Dann gibt’s ein Ständchen und man darf sich ein Lied wünschen und dann wird ein bisschen gefeiert. Das gehört dazu."


Immer mehr Menschen in Deutschland singen im Chor. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Chorverbände (ADC) stellt Deutschlandradio Kultur jeden Freitag um 10:50 Uhr im Profil Laienchöre aus der ganzen Republik vor: Im "Chor der Woche" sollen nicht die großen, bekannten Chöre im Vordergrund stehen, sondern die Vielfalt der "normalen" Chöre in allen Teilen unseres Landes: mit Sängern und Sängerinnen jeden Alters, mit allen Variationen des Repertoires, ob geistlich oder weltlich, ob klassisch oder Pop, Gospel oder Jazz und in jeder Formation und Größe.

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