Seit 18:30 Uhr Weltzeit
Dienstag, 21.09.2021
 
Seit 18:30 Uhr Weltzeit

Thema / Archiv | Beitrag vom 21.11.2013

SadomasochismusDie Lust an der Unterwerfung

Roman Polanski verfilmt "Venus im Pelz"

Von Jörg Taszman

Eine Szene des Kinofilms "Venus im Pelz": Vanda (Emmanuelle Seigner) und Regisseur Thomas (Mathieu Amalric) (picture-alliance / dpa / Prokino Filmverleih)
Eine Szene des Kinofilms "Venus im Pelz": Vanda (Emmanuelle Seigner) und Regisseur Thomas (Mathieu Amalric) (picture-alliance / dpa / Prokino Filmverleih)

Dass man sich bereitwillig demütigen lässt und dabei Lust empfindet, davon hat Leopold von Sacher-Masoch in "Venus im Pelz" erzählt. Roman Polanski hat nun die auf der Novelle basierende Bühnenadaption David Ives' verfilmt.

Willkommen im Theater von Roman Polanski: Vanda, eine eher vulgäre Schauspielerin, torkelt zum Vorsprechen herein. Sie hat sich um Stunden verspätet. Der distingierte und arrogante Regisseur Thomas möchte sie zunächst nicht einmal vorspielen lassen:

Filmszene:
Thomas: "Haben Sie es gelesen?"
Vanda: "Ja, Diagonal in der Metro. Hat es was mit dem Stück von Lou Reed zu tun?"
Regisseur: "Nein, es basiert auf einem Roman aus Österreich mit dem Titel 'Venus im Pelz'. Der Autor heißt Leopod von Sacher-Masoch."
Vanda: "Ich wette, Sie können Österreichisch. Ich wette, Sie haben ihn im Original gelesen."
Regisseur: "Ja. Ja, schon möglich. Jedenfalls war das Buch ein Skandal, als es 1870 erschienen ist." 

Vanda führt nicht nur Thomas, sondern auch den Zuschauer wunderbar in die Irre. Die vermeintlich so untalentierte Schauspielerin verschmilzt beim Lesen des Textes ganz mit ihrer Rolle. Der Regisseur ist beeindruckt und völlig unvorbereitet, als Vanda dann urplötzlich aus der Rolle fällt.

Filmszene:
Vanda: "All diese Geschichten von Sklaverei und Unterwerfung. Sie haben mich verdorben mit all diesem Gerede."
Regisseur: "Ich denke, im Innersten würde es Ihnen Vergnügen bereiten, einen Mann zu unterwerfen, ihn sogar zu quälen."
Vanda: "Nein, wie bringe ich Sie nur zur Vernunft?"
Regisseur: "Zum Teufel mit der Vernunft ..."
Vanda: "Sie wären niemals sicher in den  Händen einer Frau, egal welcher Frau ... Unfassbar, wie sexistisch diese Stelle ist. Ich könnte ausflippen."

Die Stärke des Films liegt nicht in seinen Bildern, sondern in den pointierten Dialogen und dem abrupten Wechsel der Machtverhältnisse. Nicht nur im Text verfällt der Mann hier einer zunächst unterschätzten Frau und schnell ist Thomas ziemlich überfordert:

Filmszene:
 Vanda: "Das Ganze ist Porno. Das Ganze ist ein einziges Klischee."
Regisseur: "Inwiefern?"
Vanda: "Er kriegt ein bisschen was auf den Arsch und schwupps: steht er auf Fesseln und Versohlen."
Regisseur: "Genauso ist es bei Sacher-Masoch."
Vanda: "Und war es bei Ihnen genauso???"
Regisseur: "Neeeein."
Vanda: "Woher wollen Sie es dann wissen?"
Mehr zum Thema:

18.08.2013 | FAZIT

Ein Leben für den Film

Roman Polanski wird 80

20.02.2013 | ZEITREISEN

Ausweitung der Schmerzgrenze

Über Sadomasochismus

Thema

Karl der GroßeKunstsinniger Barbar
Eine Figur Karls des Großen steht am 16.06.2014 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) im Centre Charlemagne. Die Ausstellung "Karl der Große, Macht, Kunst, Schätze" ist vom 20.06.2014 bis zum 21.09.2014 in Aachen zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Er war einer der Gründungsväter Europas: Karl der Große hat die karolingische Renaissance eingeleitet. Eigentlich sei es ihm aber nur um die Legitimierung seiner Macht gegangen, meint Kunsthistoriker Michael Imhof. Mehr

DDR-GeschichteSieg über den Ort des Grauens
Der ehemalige politische Gefangene Gilbert Furian in einer Gefängniszelle der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vom Verein Menschenrechtszentrum in Cottbus (Brandenburg). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Weil er in der DDR Interviews mit Punks publizierte, kam Gilbert Furian in den Cottbuser Knast. In der heutigen Gedenkstätte wird er nun in der Oper "Fidelio" mitsingen - um einen "großen Rucksack Bitterkeit" erleichtert.Mehr

Agenturfotos"Das ist sicher ein Aufbruch"
Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin des US-amerikanischen Internetkonzerns Facebook  (picture alliance / dpa / Foto: Jean-Christophe Bott)

Die Karrierefrau, die am Schreibtisch sitzt, oder das schamlose Zeigen von Terroropfern in Afrika - Sheryl Sandberg von Facebook und Pam Grossman von der Bildagentur Getty Image wollen solchen Klischeefotos etwas entgegensetzen. Sie haben die Datenbank "Lean In Collection" gegründet. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur