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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 11.09.2018

SachsenWird ein Ex-Bürgerrechtler Bürgermeister von Meißen?

Ilko-Sascha Kowalczuk im Gespräch mit Anke Schaefer

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Frank Richter (imago / Sven Ellger)
Frank Richter, parteiloser OB-Kandidat in Meißen mit guten Erfolgsaussichten (imago / Sven Ellger)

Man muss mit der AfD reden und darf sie nicht ausgrenzen. Mit diesem Credo wurde Ex-DDR-Bürgerrechtler Frank Richter bekannt. Bald könnte er Oberbürgermeister in Meißen sein. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk vermisst bei Richter aber ein politisches Programm.

Ein Bürgerrechtler als Bürgermeister in der AfD-Hochburg Meißen - am 23. September könnte das Wirklichkeit werden, wenn der parteilose Schriftsteller und Theologe Frank Richter auch im zweiten Wahlgang gegen den ebenfalls parteilosen Amtsinhaber Olaf Raschke erfolgreich ist. 

Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk sieht einen möglichen Sieg Richters allerdings durchaus kritisch: "Herr Richter hat kein Programm. Nur das Programm, den Leuten zuzuhören, ist vielleicht ein bisschen wenig", sagte er im Deutschlandfunk Kultur.

"Löblich", dass Richter mit AfD-Wählern sprechen will

Kowalczuk erinnerte außerdem daran, dass Richter vor drei Jahren in die Kritik geraten sei, als er in seiner damaligen Funktion als Vorsitzender der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung Bürgergespräche mit Pegida-Anhängern organisieren wollte.

"Das ist eben auch jetzt so ein bisschen das Problem, wenn er sagt: Man muss mit der AfD reden. Ich glaube, man muss da ein bisschen unterscheiden: Rede ich mit dem AfD-Wähler oder der AfD-Wählerin oder mit den AfD-Funktionären?"

Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)

Die AfD sei für ihn vor allem die "Partei der Höckes", von der man sich distanzieren müsse, so Kowalczuk. Dass Richter mit AfD-Wählern ins Gespräch kommen wolle, sei hingegen löblich. "Das ist auch der Versuch, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen."

"Eine Absage an die Parteien"

Kritisch am Erfolg Richters sieht der Historiker auch die Tatsache, dass dieser parteilos sei. "Wir leben nun mal in einem demokratischen Parteiensystem. Natürlich ist die Wahl auch so ein bisschen eine Absage an die Parteien."

Insofern müsse man erst einmal abwarten, was dabei herauskomme, sollte Richter am 23. September tatsächlich zum Meißener Oberbürgermeister gewählt werden.

(uko)

Die ganze Sendung "Der Tag mit Ilko-Sascha Kowalczuk können Sie hier nachhören:
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