Seit 17:30 Uhr Tacheles

Samstag, 24.08.2019
 
Seit 17:30 Uhr Tacheles

Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 01.07.2015

SachbuchSchlaflos durch die Nacht

Von Volkart Wildermuth

Podcast abonnieren
An Schlaf nicht zu denken: Viele Menschen leiden unter Ruhelosigkeit. (imago/McPHOTO)
An Schlaf nicht zu denken: Viele Menschen leiden unter Ruhelosigkeit. (imago/McPHOTO)

Schlafmangel kann zum ernsten Gesundheitsrisiko werden - und im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Der Mediziner Ingo Fietze erläutert in seinem Buch "Über guten und schlechten Schlaf", wie man das Problem in den Griff bekommt.

Schlafen ist wie atmen: Lebenswichtig, ohne viel darüber nachzudenken. Es sei denn, es gibt Probleme. Einer aktuellen Umfrage zufolge fühlt sich die Hälfte der Deutschen oft müde und jeder fünfte leidet an einer schweren Schlafstörung. Tendenz steigend. Dank des künstlichen Lichts in den Städten, des Lärms und des Zwangs zur ständigen Erreichbarkeit. "Über guten und schlechten Schlaf", heißt dann auch das Buch von Ingo Fietze, der an der Berliner Charité das Interdisziplinäre Schlafmedizinische Zentrum leitet. Wobei er dem schlechten Schlaf deutlich mehr Seiten widmet.

Und so nimmt er seine Leserinnen und Leser mit ins Behandlungszimmer: Er erzählt von Elena, die von sich selbst glaubt gar nicht zu schlafen, vom Studenten, der beim Schlafwandeln den Kühlschrank leer isst, vom Bauarbeiter, der auf Montagreise seine Kollegen mit Schnarchen wachhält und von Christina, die immer wieder mitten am Tag in Tiefschlaf fällt – egal ob sie in der Schule ist, in der U-Bahn sitzt oder in der Badewanne liegt. Und erklärt so, was hinter Insomnie, Narkolepsie, Apnoe und Restless Legs steckt. Schnell wird so klar: Schlafprobleme verursachen nicht bloß Müdigkeit, sie machen krank und können das ganze Leben aus der Bahn werfen. Wer an Schlaflosigkeit leidet hat ein deutlich höheres Risiko an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben.

Schlaftabletten müssen nicht schädlich sein

Das gute aber ist: Viele Schlafstörungen sind heute behandelbar. Auch wenn das längst nicht alle Ärzte wissen. Viel zu oft, so Ingo Fietze, wird etwa vor einer Daueranwendung von Schlaftabletten gewarnt. Vor allem die angebliche Suchtgefahr gilt als Problem, dabei sind die modernen "Z-Medikamente" sowohl gut verträglich als auch über lange Zeit wirksam. Deshalb gibt es in den Augen des Schlafmediziners keinen Grund, sie nicht dauerhaft zu verschreiben. Entscheidend sei allerdings die richtige Diagnose und die könne wegen der Vielfalt an Schlafstörungen oft nur im Schlaflabor gefunden werden.

Darüber hinaus gibt Ingo Fietze zahlreiche Tipps und Informationen zum Thema Schlaf. Man erfährt, wie man am besten mit einem Jetlag umgeht oder wie man Schlaf zur optimalen Lernstrategie nutzen kann. Denn Vokabeln oder komplexe Klarvierstücke werden zwar am Tag geübt, aber erst in der Nacht fest im Gehirn verankert. Ingo Fietze ist Mediziner durch und durch, er ist ganz auf das Wohl der Patientinnen und Patienten fixiert. In seinen wissenschaftlichen Studien fragt er deshalb auch weniger nach dem Wesen des Schlafes, sondern er forscht nach den richtigen Medikamenten oder nach dem Nutzen der optimalen Matratze. In seinem Buch finden Menschen mit Schlafstörungen schnell Rat und die wichtige Hinweise, alle anderen finden gute Gründe, sich über ihre erholsamen Nächte mal wieder richtig bewusst zu freuen.

Ingo Fietze: Über guten und schlechten Schlaf
Kein & Aber, Zürich 2015
220 Seiten, 19,90 Euro

Mehr zum Thema:

Schlafmangel - "Die Sommerzeit ist das Problem"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 24.10.2014)

Schlafmangel - Weg mit den Weckern!
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 24.10.2014)

Buchkritik

Maren Kames: "Luna Luna"Hypnotischer Nachtgesang
Das Cover des Buches "Luna Luna" von Maren Kames (Secession Verlag / Deutschlandradio)

Den Zweitling der Schriftstellerin Maren Kames schlicht als Buch zu bezeichnen, wird ihm nicht ganz gerecht. Die lyrische Mondfantasie "Luna Luna" ist ein poetisch-musikalisches Gesamtkunstwerk: rasant, assoziativ und mit ganz viel Pop.Mehr

weitere Beiträge

Literatur

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur