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Lesart / Archiv | Beitrag vom 07.11.2014

Russland"Putin ist ein Werwolf"

"Brief an Europa" seziert Ängste und Strategien des Kreml-Chefs

Der Publizist Michail Schischkin im Gespräch mit Jörg Magenau

Wladimir Putin ist in einem Geschäft auf diversen TV-Bildschirmen zu sehen. (dpa/picture alliance/Maxim Shipenkov)
Wladimir Putin ist in den russischen Medien omnipräsent und hat sein Land fest im Griff (dpa/picture alliance/Maxim Shipenkov)

Wladimir Putin geht aus Angst vor Machtverlust in der Ukraine über Leichen. So beschreibt der russische Publizist Michail Schischkin den Kreml-Chef in seinem Essay "Brief an Europa". Er fordert: Wehrt euch gegen Putin, ergreift Sanktionen!

Der russische Publizist und Schriftsteller Michail Schischkin sieht Wladimir Putin "von Angst zerfressen": Angst davor, seine Macht im Kreml einzubüßen. Also habe er einen Krieg in der Ukraine angezettelt. Denn:

"Die Zukunft Russlands und die Zukunft Europas wird in der Ukraine entschieden. Wenn es der Ukraine gelänge, ein normales, florierendes, freies Land zu werden, dann wird das auch ein Beispiel für die Bevölkerung Russlands sein. Und deshalb wird Putin die Ukraine nie in Ruhe lassen".

In seinem unter anderen im britischen "The Guardian" und im Berliner "Tagesspiegel" erschienenen Essay "Brief an Europa" warnt Schischkin, selbst Sohn einer Ukrainerin und eines Russen, vor den zwei Gesichtern Putins:

"Er ist ein Werwolf. Am Tage sagt er etwas über die Friedensabkommen, in der Nacht schickt er die neuen Panzer. Ich weiß nicht, was die Politiker tun sollen. Doch klar ist: Sie dürfen Putin nicht freie Hand lassen."

(picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)Der Schriftsteller Michail Schischkin klagt Wladimir Putin in seinem "Brief an Europa" an. (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)

Sanktionen als wirksame Waffe

Schischkin, der seit fast 20 Jahren in der Schweiz lebt, hält es für keine gute Idee, Waffen an die Ukraine zu liefern. Er glaubt aber an die Wirkung von Sanktionen. Denn: Russland produziere praktisch keine eigenen Marken. Alle wichtigen Alltagsgegenstände wir Autos oder Mobiltelefone stammten aus dem Ausland und würden importiert. Würde man die Belieferung Russlands stoppen, stürzte dies das Land "ins Chaos".

Schischkin fällt es schwer, auf die Frage, warum sich die russische Bevölkerung vom Kreml-Chef derart viel gefallen lasse, eine Antwort zu finden. Jedenfalls sei es für die meisten Russen einfacher sich selbst in dem Glauben zu wiegen, Russland sei der Heilsbringer für die restliche Welt - und was Putin derzeit vom Zaun breche, sei ein "heiliger Krieg gegen die faschistischen USA und das faschistische Europa".

Mehr zum Thema

Russland - Proteste gegen Putin
(Deutschlandfunk, Aktuell, 21.09.2014)

Ukraine-Konflikt - Wie Putin den Westen schachmatt setzt
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 17.09.2014)

Wladimir Putin - "Neurussland" ist mehr als Kalter Krieg
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 10.09.2014)

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