Seit 03:05 Uhr Tonart
Samstag, 16.01.2021
 
Seit 03:05 Uhr Tonart

Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 23.12.2013

RusslandPussy Riot ist frei

Maria Aljochina traf sich als erstes mit Menschenrechtlern

Von Gesine Dornblüth

Maria Aljochina spricht zu Journalisten, nachdem sie aus der Haft entlassen wurde. (picture alliance / dpa / Oleg Zoloto / Ria Novosti)
Die Musikerinnen der russischen Punk-Band Pussy Riot Jekaterina Samuzewitsch, Nadeschda Tolokonnikova und Maria Aljochina (links nach rechts) kurz vor dem Prozessauftakt in Moskau (picture alliance / dpa / Oleg Zoloto / Ria Novosti)

Nun ist die Band wieder komplett in Freiheit: Die zu Lagerhaft verurteilten Bandmitglieder Maria Aljochina und Nadjeschda Tolokonnikowa wurden aus dem Gefängnis entlassen. Für Aljochina ist die Amnestie "kein humaner Akt", sondern ein "PR-Schritt".

Maria Aljochina verließ das Lager in Nischnij Nowgorod an der Wolga um kurz nach neun russischer Zeit in Gefängniskleidung. Wie bereits bei Michail Chodorkowskij geschah die Freilassung in aller Eile, erzählte Aljochina dem russischen Fernsehsender Doschd TV in einem ersten Interview.

"Es passierte geheim und ziemlich plötzlich. Ich wurde in einen Wolga gesetzt und zum Bahnhof gebracht. Ich denke, die Mitarbeiter des Lagers wollten laute Abschiedsszenen mit meinen Mithäftlingen vermeiden."

Statt nach Moskau zu fahren, traf Aljochina als erstes Menschenrechtler in Nischni Nowgorod. Sie sprach mit ihnen über die Beschwerden ihrer ehemaligen Mitinsassen. Ihnen werde ein Teil ihres Arbeitslohns vorenthalten. Schon aus der Haft heraus hatte die 25-Jährige mehrfach die Haftbedingungen kritisiert, sich für andere eingesetzt und danach Probleme mit der Lagerleitung bekommen.

Vor etwa einer Stunde kam auch das zweite zu Lagerhaft verurteilte Mitglied von Pussy Riot, Nadjeschda Tolokonnikowa, frei. Das meldet die Nachrichtenagentur Interfax.

Tolokonnikowa hatte die letzten Wochen in einem Krankenhaus bei Krasnojarsk in Sibirien verbracht. Auch sie hatte wiederholt die Haftbedingungen kritisiert, war danach unter Druck geraten, mehrfach verlegt worden.

Putin: "Sie haben mir nie leid getan"

Möglich wurde die vorzeitige Entlassung der beiden Performance-Künstlerinnen aufgrund eines Amnestiegesetzes, das die Staatsduma vorige Woche auf Initiative Wladimir Putins verabschiedet hatte. Vor wenigen Tagen kamen bereits vier Teilnehmer einer Protestdemonstration frei. Die Anklage gegen sie wegen angeblicher Massenunruhen wurde fallen gelassen. Viele Mitangeklagte bleiben jedoch in Untersuchungshaft. Menschenrechtler kritisieren die Amnestie als zu eng gefasst. Maria Aljochina sagte heute, wenn es möglich gewesen wäre, hätte sie die Amnestie abgelehnt: "Diese Amnestie ist kein humaner Akt, das ist ein PR-Schritt."

Putin hatte die bevorstehende Freilassung der beiden Performance-Künstlerinnen bei seiner Pressekonferenz in der vergangenen Woche begrüßt, seine persönliche Kritik an deren Punk-Gebet in der Christ-Erlöser-Kathedrale jedoch erneut bekräftigt.

"Sie haben mir nie leid getan, weil sie in Haft mussten. Mir hat leid getan, dass es mit ihnen so weit gekommen ist, dass sie die Würde der Frauen beschmutzt haben. Um auf sich aufmerksam zu machen, war ihnen alles recht."

Ein älterer Moskauer, nach eigenen Worten wertkonservativ, kommentierte die Nachricht von der Freilassung der Künstlerinnen heute morgen spontan so: "Aus den Frauen werden Gotteslästerinnen gemacht. Dabei haben sie lediglich gegen die russisch-orthodoxe Kirche protestiert. Die ist eine reine Mafia und ein politisches Instrument in den Händen der Regierung."

Mehr zum Thema:
23.12.2013 | Aktuell
Russland - "Amnestie ist ein PR-Trick"
Pussy-Riot-Mitglied Maria Aljochina über ihre vorzeitige Haftentlassung
20.12.2013 | Thema
Der Dichter Alexander Delphinov über die Situation in Russland
20.12.2013 | Interview

Interview

weitere Beiträge

Reportage

Clubszene im Corona-Winter Raven in der Cloud
Viele Discokugeln im künstlichen Nebel, hängen an der Decke des Berliner Clubs Wilde Renate. (Deutschlandradio / Manfred Götzke)

Die Tanz- und Techno-Tempel in Berlin werden wohl die Letzten sein, die nach dem Lockdown wieder öffnen dürfen. Viele Feierwillige haben sich seit März draußen Alternativen gesucht. Doch was bleibt davon im Winter übrig? Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur