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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 01.12.2014

RusslandEingeschüchtert, aber handlungsfähig

Putins Gegner wirken im Kleinen

Von Boris Schumatsky

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(picture alliance / dpa / Yuri Kochetkov)
Ein Mann trägt russischen Fahnen mit Blut und einem Porträt von Russlands Präsident Putin während einer Anti-Kriegs-Kundgebung in Moskau am 21. September 2014. (picture alliance / dpa / Yuri Kochetkov)

Mit Petrorubeln und mit dem Anschluss der Krim hat sich Putin die Unterstützung vieler Bürger erkauft. Doch die patriotische Euphorie beginnt zu verfliegen - auch weil die russische Wirtschaftslage nicht besser wird.

Jugendliche in engen Hosen und Kapuzenjacken der Fußball-Ultras schmeißen mit Bierflaschen auf vorbeifahrende Autos. Bald schließen sich ihnen erwachsene Männer und einige viel ältere Frauen an, und in der Moskauer Vorstadt Birjuljowo beginnt ein Krawall.

Man flucht auf die "Kanaken", auf die Polizei und die Regierung. Drei Tage zuvor wurde ein Anwohner erstochen, angeblich von einem Gastarbeiter. Die Meute überfällt Menschen, die nicht russisch aussehen, dann gehen erste Schaufenster zu Bruch. Bevor Hunderte Spezialkräfte der Polizei spät in der Nacht den Krawall beenden, wird ein Großmarkt geplündert und ein Einkaufszentrum in Brand gesteckt.

In der Trabantenstadt Birjuljowo-West, nur zwanzig Kilometer vom Stadtzentrum Moskaus entfernt, beginnt die russische Provinz. Hier herrschen Frust und Armut, die sich vor einem Jahr in Pogromen entluden. Dennoch, und das ist auch typisch für das russische Hinterland, unterstützen hier die meisten Einwohner Wladimir Putins Regime der starken Hand. Über 80.000 Vorstädter leben in alten Plattenbauten neben einem Industriegebiet. Hier gibt es unter anderem eine Müllverbrennungsanlage und eine Brauerei, und sonst ein paar Schulen, ein paar Polikliniken, ein Schwimmbad und das Kulturhaus "Freundschaft", das noch aus der Sowjetzeit stammt.

Anja fährt fast täglich aus ihrem zentralen Stadtbezirk hierher. Im Kulturhaus hat sie eine Art Entwicklungshilfe für die Einwohner von Birjuljowo aufgebaut.

"Das ist der depressivste Stadtbezirk Moskaus, hier gab es auch schon Pogrome. Ich entwickle für diese Leute Bildungsprogramme und psychologische Hilfsprogramme, sie sollen nicht denken, dass niemand sie braucht. Das glauben sie jetzt nämlich. In Birjuljowo wurde der Boden schon erreicht, noch tiefer kann man nicht sinken. Die Leute haben den Glauben an die eigene Kraft verloren, und das, was ich tue, kann das ändern."

Die Autofahrt nach Birjuljowo fühlt sich für Anja wie eine Reise in eine andere Welt an, in ein anderes Russland. Hier stimmt die Mehrheit stets für die Obrigkeit, die in ganz Moskau weniger als die Hälfte der Stimmen bekommt. Anja gehört zu einer Schicht erfolgreicher Großstädter, die politische Veränderungen wollen. Seit sich Wladimir Putin 2012 zum dritten Mal zum Präsidenten wählen ließ, werden Millionen Menschen wie Anja ins innere Exil gedrängt.

Wie in einer Kirchengruft

In einem Keller im Zentrum Moskaus stellen Anja und ein Dutzend meist junger Leute die Stühle in einem großen Kreis auf. Im Moskauer Museum des GULAGs findet heute die Theateraufführung statt, an der Anja zusammen mit Berufsschauspielern teilnimmt. Das Stück "Enkelkinder" von Mikhail Kaluzhsky geht der Frage nach, warum Russland heute von seiner repressiven Vergangenheit eingeholt wird. Die Schauspieler und Zuschauer sitzen gemeinsam im Kreis in einem abgedunkelten Raum mit tiefer Decke und schwarz gestrichenen Wänden, wie in einer Kirchengruft.

"Ja, wir sind wirklich wie eine Sekte. Denn die Mehrheit interessiert sich nicht für die Repressionen oder Straflager. Hierher kommen aber Leute, die alles verstanden haben, und sie wollen darüber reden."

Das dokumentarische Theaterstück zeigt auf, wie die Verbrechen der Stalinzeit bis heute nachwirken. Die heutigen Enkel der einstigen Täter sind nicht imstande, mit der Vergangenheit zu brechen.

"Die Angst vor der Obrigkeit lebt weiter, alle meine Verwandten spüren diese Angst. Die Angst fließt durch ihre Venen, und sie können sie nicht kontrollieren. Wie manche Leute Angst vor Spinnen oder Schlangen haben, so haben sie Angst vor der Staatsgewalt."

Anja ist Mitte Dreißig, ihre Generation wuchs schon nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf. Doch nun holt die Angst aus den Terrorzeiten auch junge Menschen ein. Nacht der Annexion der Krim brach in Russland Kriegseuphorie aus, die Staatsmedien hetzen wieder wie einst gegen die "fünfte Kolonne" und die "Nationalverräter", wie sie Menschen wie Anja in der Sprache Stalins bezeichnen.

Der Soziologe Boris Dubin:

"Bei Demonstrationen in Moskau haben wir Leute aus allen Altersgruppen beobachtet, und wir haben festgestellt, dass sie sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie die Zukunft Russlands aussehen sollte. Gemeinsam hatten sie jedoch zwei Dinge. Erstens ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau, und zweitens die Ablehnung des aggressiven Autoritarismus. Sie verurteilen den heutigen Autoritarismus, und sie lehnen die Feindlichkeit gegenüber Minderheiten ab, die die Staatsmedien verbreiten."

Von Hunderttausenden, die damals demonstriert hatten, wurden später einige zu Haftstrafen verurteilt, andere stehen heute noch vor Gericht.

Nach der Vorführung im Gulag-Museum gehen Anja und der Regisseur Kaluzhsky in ein Café namens "Die Schwestern Grimm". Die Einrichtung und Gäste sehen so aus, als könnten sie genauso gut in der Heimat der Gebrüder Grimm anzutreffen sein. Trotz der lauten Musik und obwohl andere Gäste in ihre eigenen Gespräche vertieft sind, senkt Anja die Stimme, als wollte sie nicht gehört werden.

"Ich habe keine Angst, auf die Straße zu gehen, nein, oder an einem Protestmarsch teilzunehmen. Aber ich habe Angst um meine Kinder. Neulich war ich mit einer guten Freundin und meinen zwei Kindern auf dem Spielplatz, und plötzlich habe ich mich dabei erwischt, wie ich Angst hatte. Weil wir vielleicht wie eine Familie aussahen, und weil man uns auch wegen unserer kurzen Haarschnitte für lesbische Frauen halten könnte. Da hatte ich Angst, und mir wurde klar, wie tief sie sitzt, diese Angst davor, was hier heute geschieht."

Aggression gegen Andersdenkende

Zwei junge Frauen wurden vor kurzem in der Moskauer Metro verprügelt, weil man sie für lesbisch hielt. Eine andere Frau wurde geohrfeigt und als "amerikanische Nutte" beschimpft, weil sie ein T-Shirt mit der britischen Flagge anhatte. Solche Aggression gegen Andersdenkende kennt Russland seit den Zeiten der Sowjetunion nicht mehr. Damals nahm eine kleine Gruppe von Dissidenten ihren Kampf gegen die Parteidiktatur auf.

Eine von ihnen war Ljudmila Alexejewa. Vor fünf Jahrzehnten sammelte sie Informationen über die Verfolgung Andersdenkender. Um ihre Enthüllungen publik zu machen, traf Alexejewa heimlich westliche Diplomaten und Journalisten. In der sowjetischen Geheimpolizei wurde eine ganze Abteilung geschaffen, um Leute wie sie aufzuhalten.

"Die Angst meines Lebens habe ich 1968 ausgestanden. Es war ein sehr heißer Tag, ich schleppte mich gerade durch die Stadt, als plötzlich - ich konnte nur 'Ach!' sagen, und schon sitze ich in ihrem Wagen, links und rechts von mir zwei Kerle. Wir halten an einem Polizeirevier an, steigen aus. Und ich habe ja Schriftstücke dabei, die für die Übergabe in den Westen bestimmt sind! Also sie führen mich ab durch den Polizeihof, ich kann kaum denken vor lauter Hitze und habe nur einen einzigen Gedanken: 'Kann das wahr sein, werde ich Moskau erst in zwölf Jahren wiedersehen?'"

Bei diesem Verhör lag in Alexejewas Handtasche ein Bericht über die Misshandlungen in sowjetischen Lagern. Doch die damals junge Frau ließ ihre Tasche nicht durchsuchen. Sie wäre mit einem hochgestellten Funktionär verheiratet, sagte Alexejewa. Die Geheimdienstler trauten sich nicht, sie zu durchsuchen, und ließen die Bürgerrechtlerin frei. Ljudmila Alexejewa hatte Glück, aber viele von ihren Mitstreitern wurden in Lager gesteckt. Der Repression zum Trotz lehnten damals immer mehr Bürger den Unrechtsstaat ab. Als die Truppen des Sowjetblocks 1968 die Tschechoslowakei besetzten, wagten drei Freundinnen und fünf Freunde von Alexejewa sogar den offenen Protest. Sie demonstrierten auf dem Roten Platz gegen die Zerschlagung des Prager Frühlings. Nach Fünf Minuten wurden sie von KGB-Männern überwältigt.

(picture alliance / dpa / Yuri Kochetkov)Am 21. September 2014 trugen Menschen russische und ukrainische Nationalflaggen während der Anti-Kriegs-Kundgebung in Moskau. (picture alliance / dpa / Yuri Kochetkov)

In Putins Russland werden nur einzelne Protestler nach dem Zufallsprinzip aufgegriffen, um die anderen einzuschüchtern. Dennoch haben seit der Besetzung der ukrainischen Krim zigtausende Menschen wiederholt gegen den Krieg demonstriert. Das andere, das freisinnige Russland sei heute so viel stärker geworden im Vergleich zu der Zeit, als Ljudmila Alexejewa für die Rechte der Sowjetbürger eintrat.

"Das kann man gar nicht nebeneinander stellen! Acht Leute damals am Roten Platz und so viele heute, das ist doch überhaupt kein Vergleich. Ich sage Ihnen eins, heute existiert in unserem Land eine Zivilgesellschaft, während wir damals nur ein Häufchen Leute waren. Heute gibt es keine Stadt, in der es nicht unsere Gleichgesinnten gäbe, mal mehr, mal weniger."

Die russische Zivilgesellschaft zählt Millionen Menschen, von ehemaligen Dissidenten, die sich gegen das Sowjetsystem aufgelehnt und es zum Sturz gebracht hatten, bis hin zu den Leuten aus Anjas Generation.

Viele von diesen anderen Russen informieren sich über ausländischen Medien, sie betrachten sich als Teil der globalisierten Weltbevölkerung und wirken oft im internationalen Kontext zum Beispiel als IT-Unternehmer, zeitgenössische Künstler oder Wirtschaftswissenschaftler. Viele haben Westerfahrung. Vor fünfzehn Jahren hatte Anja, damals noch Schülerin, ihr Auslandsjahr in Nordrhein-Westfallen verbracht. Seitdem misst sie die russische Realität an ihren Erfahrungen in Deutschland.

"Meine Tochter hatte das ganze letzte Jahr gebettelt, sie auf die Zirkusschule zu geben. Aber als sie dann dort einen Probemonat lang hinging, brachte sie jeden Tag einen Zettel nach Hause, auf dem stand tagaus, tagein derselbe Satz: 'Ihre Tochter erträgt keinen Schmerz'. Das ist doch an sich normal, oder? Wenn mein Kind keine Schmerzen haben will, oder nicht?"

Anja gründete daraufhin in Moskau eine Sportschule für Kinder, an der sie jetzt als Geschäftsführerin arbeitet. Die Schule ist sehr beliebt, weil die Kinder dort keine Schmerzen ertragen müssen.

"Als ich aus Deutschland zurückkam, wusste ich ganz genau: Ich kann die Welt besser machen! Doch es stellte sich heraus, dass wenn du hier was willst, dann sagen sie dir: 'Kannste auch weiter wollen', solange du es nicht tust. Wenn du ein Theaterstück aufführen willst, dann klar, hierzulande kannst du es wollen. In Deutschland kannst du es aber auch tun."

Doch Anja selbst ist die Ausnahme in dieser Regel. Sie spielt in dem gesellschaftskritischen Theaterstück "Enkelkinder" im Kellertheater mit. Und in Birjuljowo versucht sie nicht nur, ihr Land vielleicht etwas besser zu machen. Anja konnte sogar die Moskauer Behörden überzeugen, ihre Hilfsprojekte für den Problembezirk zu unterstützen.

"Es braucht viel Zeit"

"Zum Beispiel planen wir dort offene Gewächshäuser, wo man sein eigenes Gemüse anbauen kann. Dieses Projekt ist für Rentner gedacht, weil viele von ihnen gerne gärtnern, aber keinen Garten haben. Oder wir haben dort ein anderes großes Programm, wir bauen Spiel- und Sportplätze für Kinder. Zwar glaube ich nicht mehr, dass ich die Welt verändern kann, aber ich schaffe es, das Maximum von dem zu tun, was für mich möglich ist. Es braucht viel Zeit, um etwas in diesem Land zu verändern. Meine Bildungsprogramme in Birjuljowo werden das Leben dort nicht gleich ändern, sie werden vielleicht erst das Leben der Kinder ändern können, oder der Kinders Kinder. Und wenn es stimmt, dass Birjuljowo Russland in Miniatur ist, so kann man auch dort keine schnellen Ergebnisse erwarten."

Anja und ihre Gleichgesinnten haben russlandweit Tausende Hilfsprojekte ins Leben gerufen, und jedes Jahr werden es mehr. Die einen sammeln Geld für behinderte Kinder, die anderen schicken Volontäre und Hilfsgüter in Überflutungsgebiete. Für engagierte Bürger ist das die einzige Möglichkeit, ihr soziales Umfeld zu verbessern. Denn jede freie politische Aktivität wird unterbunden. Für den Soziologen Boris Dubin ist die zivilgesellschaftliche Solidarität eine sinnvolle Alternative zum Regime, das Menschen für den Hass gegen Andersdenkende, Ungläubige oder Homosexuelle mobilisiert.

"Das ist nur zu begrüßen, wenn sich Menschen über Ideen finden, die nicht menschenverachtend sind. Entscheidend dabei ist, dass sich Menschen solidarisch verhalten, und dass sie ein gemeinsames Interesse entdecken. Das Interesse an einem anderen Menschen, der einem nicht in allem ähnlich ist. Das ist etwas, das Russland so furchtbar fehlt. Die Erfahrung, dass alle Menschen unterschiedlich sind und trotzdem füreinander da sein können."

Die solidarische Zivilgesellschaft wächst, und zugleich steigt aber auch die Menschenverachtung, geschürt durch gleichgeschaltete Medien und Politik. Bürgerrechtler sind seit Jahren eines der wichtigsten Ziele staatlicher Hetze. Die Dissidentin Ljudmila Alexejewa arbeitete nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Menschenrechtsrat des russischen Präsidenten mit, und trotz ihrer offiziellen Funktion bekam sie Morddrohungen.

Währen einer Gedenkrede an einem Moskauer U-Bahnhof schlug ein Mann der damals achtzigjährigen Frau ins Gesicht. Er nannte sich einen orthodoxen Christ. Seine Mitstreiter kommentierten das Überfallvideo so im Internet:

"'Man sollte ihr lieber gleich ein Loch in die Rübe schießen' oder 'Steinigung für Heimatverrat!'"

Der Angreifer bekam ein Jahr auf Bewährung, während die Gegner Putins heute zu jahrelanger Lagerhaft verurteilt werden. Dutzende Teilnehmer der großen Protestdemo auf dem Bolotnaja-Platz stehen vor Gericht. Diesen sogenannten Bolotnaja-Fall nennt Alexejewa den ersten russischen Schauprozess des 21. Jahrhunderts. Dennoch blickt sie sehr zuversichtlich in die Zukunft.

"Ich bin stolz auf meine Mitbürger, weil ihr Protest eine zivilisierte Form behält. Ich war beim Bolotnaja-Prozess, und ich kann sagen: Unsere junge Generation - das sind Helden. Denn sie machen dasselbe wie wir durch. Jeder von diesen jungen Leuten wurde vor der Wahl gestellt: 'Wenn du gegen andere aussagst, lassen wir dich frei.' - 'Nein. Lieber gehe ich ins Gefängnis, ohne die Menschenwürde zu verlieren.' Das sind doch ganz und gar unsere Kinder! Ich habe in einem furchtbaren, totalitären Staat gelebt. Ich war fünfundzwanzig als Stalin starb, und wenn ich das Land und die Leute damals und heute vergleiche - was für einen kolossalen Weg haben sie zurückgelegt!"

Das offizielle Russland klammert sich an die sowjetische Tradition, während das andere Russland, die Zivilgesellschaft, sich mit der Aufarbeitung des Terrors beschäftigt. In der Theateraufführung "Enkelkinder", bei der Anja mitspielt, werden die Zuschauer gefragt:

"Wärst Du stolz darauf, wenn Deine Vorfahren Menschen erschossen hätten?"

Der russische Präsident Wladimir Putin  (dpa / picture alliance / Metzel Mikhail)Der russische Präsident Wladimir Putin (dpa / picture alliance / Metzel Mikhail)

Anstieg von Gewaltbereitschaft in der russischen Gesellschaft

Diejenigen, die stolz auf ihre stalinistischen Vorfahren sind, geben in Russland den Ton an. Der Soziologe Boris Dubin, der die Bezeichnung "aggressiver Autoritarismus" für Wladimir Putins Regime prägte, stellt einen rasanten Anstieg von Gewaltbereitschaft in der russischen Gesellschaft fest.

"Ich sehe schwarz für die Zukunft Russlands, seiner Nachbarn und vielleicht sogar der Welt. Ich wäre froh, wenn ich mich irrte, aber nach dem, was in den letzen Monaten an die Oberfläche gespült wurde, kann man nicht einfach reinen Tisch machen. Auf diesem Tisch liegt jetzt zermantschtes Essen in einer Weinpfütze, das kann man nicht wieder ganz machen. Gibt es da noch einen Neuanfang? Ich fürchte nicht, aber wir werden es ja bald sehen."

Boris Dubin wird das nicht mehr erleben, er ist vor kurzem gestorben. Die fast 90-jährige [Bürgerrechtlerin] Ljudmila Alexejewa will aber den Tag noch sehen, an dem Russland demokratisch wird. In der jüngeren Generation sind die Meisten bei weitem nicht so zuversichtlich, dass sie ihr inneres Exil bald verlassen werden. Sollen sie auswandern? Oder können sie ihr Land glücklicher und gerechter machen, wie Anja es mit ihren Hilfsprojekten in Birjulowo versucht?

"Ich beobachte positive Prozesse in der Tiefe der Gesellschaft. Klar könnten sie noch schneller verlaufen, wenn sich das politische System ändern würde. Aber sogar die Staatsbeamten im Kulturreferat sind zuversichtlich, dass unsere gemeinsamen Projekte die Situation verändern können."

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