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Konzert / Archiv | Beitrag vom 08.02.2019

Rundfunk-Sinfonieorchester live mit Pahud und AltinogluKraft und Selbstzweifel

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent Alain Altinoglu (Fred Toulet/RSB)
Der Dirigent Alain Altinoglu (Fred Toulet/RSB)

Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielt im Konzerthaus Berlin. Zu hören sind Werke, in denen starke Komponisten-Persönlichkeiten Einblicke in ihre Selbstzweifel zulassen: Beethovens "Coriolan"-Ouvertüre oder Prokofjews 5. Sinfonie.

Der französische Dirigent Alain Altinoglu ist mal wieder zu Gast beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Außer der großen fünften Sinfonie von Sergej Prokofjew und der Coriolan-Ouvertüre Beethovens steht ein neues Flötenkonzert mit dem Solisten Emmanuel Pahud auf dem Programm.

Komponierter Selbstzweifel

Beethoven mochte sich durch den tragischen inneren Konflikt des Helden Coriolan persönlich berührt gefühlt haben, jedenfalls machte er aus der Ouvertüre zu dem gleichnamigen Trauerspiel ein musikalisches Meisterwerk. Beethoven thematisierte in der "Coriolan"-Ouvertüre das widersprüchliche Innenleben des tragischen Helden aus der Tragödie "Coriolan" von Heinrich Joseph von Collin. Seine starke Außenwirkung kann der Feldherr Coriolan nicht lange aufrechterhalten, immer mehr gewinnen die Selbstzweifel Überhand und führen in die persönliche Katastrophe.

Flötenklang erweitert

Erstmals beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin als Solist spielt Emmanuel Pahud, hauptberuflich Soloflötist der Berliner Philharmoniker. Matthias Pintschers "Transir" für Flöte und Kammerorchester steht dabei auf dem Programm. Der Titel ist programmatisch, erkundet doch Matthias Pintscher die Grenzen, dei Übergänge zwischen dem Gewohnten und dem Unbekannten in dem Werk, das bereits 2005 entstanden ist. 

Der Flötist spielt sein wertvolles Instrument. (Emmanuel Pahud / Josef Fischnaller)Emmanel Pahud ist viel als Solist unterwegs, auch wenn er Mitglied der Berliner Philharmoniker ist (Emmanuel Pahud / Josef Fischnaller)

Emmanuel Pahud spielte 2006 in Luzern bereits die Uraufführung des Werkes, das mit vielen Spezialeffekten und diversen Möglichkeiten der Klangerzeugung auf der Flöte aufwartet.

Aus der Zeit gefallen

Nahezu alles an Sergej Prokofjews Sinfonie Nr. 5 schien zur Zeit ihrer Entstehung anachronistisch zu sein. Unzeitgemäß aus westlicher, nach-schönbergischer Sicht war anno 1944 bereits die Gattung Sinfonie. Der Zusatz "B-Dur", das Bekenntnis zur Tonalität, der heiter-elegische Duktus des Werkes, alles stand außerhalb der Zeit im vorletzten Jahr des 2. Weltkrieges.

Prokofjew selbst schrieb dazu: "Die 5. Sinfonie ist für mich der Abschluss eines langen künstlerischen Weges. Ich plante sie als eine Sinfonie von der Würde des menschlichen Geistes. Mit der 5. Sinfonie wollte ich den freien und glücklichen Menschen besingen, seine schöpferischen Kräfte, seine edle Gesinnung, seine seelische Reinheit." 

Die Musiker des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin haben sich zu einem Gruppenfoto in einem Konzertsaal aufgestellt. (Josep Molina)Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielt regelmäßig im Konzerthaus Berlin. (Josep Molina)

Live aus dem Konzerthaus Berlin

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zu Collins Trauerspiel "Coriolan" c-Moll op. 62

Matthias Pintscher
"Transir" für Flöte und Kammerorchester

Sergej Prokofjew
Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100

Emmanuel Pahud, Flöte
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Alain Altinoglu

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