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Konzert / Archiv | Beitrag vom 28.11.2019

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Mario VenzagoHimmlischer Trost nach irdischen Schrecken

Moderation: Stefan Lang

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Der Digient steht vor einer grauen Wand mit Schattenwürfen und lacht in die Kamera. (Mario Venzago / Alberto Venzago)
Der Schweizer Dirigent Mario Venzago studierte auch unter Leonard Bernstein in Amerika. (Mario Venzago / Alberto Venzago)

Krieg und Schrecken hinterlassen ihre Spuren auch in der Musik. Trost findet der Mensch dabei in der Religion oder in der unbändigen Kraft der eigenen Lebenslust. All diese Lebenslagen werden in Werken von Messiaen, Saint-Saëns, Honneger und Bach gespiegelt.

Ein dichtes Programm menschlicher Emotions- und Empfindungszustände prägt das Programm, das das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Mario Venzago spielte.

Zuerst ein Werk Olivier Messiaens. Der zutiefst gläubige Katholik schrieb kaum ein Werk, ohne die Verherrlichung des Göttlichen mit hinein zu komponieren. Die "Hymne au Saint-Sacrement" ist ein frühes Orchesterwerk, das 1933 entstand. Nach dem Krieg musste er es allerdings restaurieren, weil die Partitur verloren gegangen war.

Reiselust in Musik gefasst

Im Kontrast folgt das ausgelassene 5. Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns mit dem Beinamen "Das Ägyptische". Geschrieben hat er es auf einer großen Reise durch Nordafrike, bei der er auch eine ausgedehnte Nilfahrt unternahm. Im dritten Satz hört man, wie die Schaufelräder des Schiffes sich stampfend in die Wellen des Nils rammen. Im zweiten Satz ist es eine alte nubische Weise, die hier besonders sehnsuchtsvoll von der Oboe übernommen wird. Ein Werk eines Komponisten voller Abenteuer- und Lebenslust. Der elegante Ton von Jean-Yves Thibaudet gibt dem Konzert immer eine besonders raffinierte Note.

Der Pianist steht vor seinem Flügel. (Jean-Yves Thibaudet / Andrew Eccles)Der extravagante Pianist Jean-Yves Thibaudet wird gern zum Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin eingeladen. (Jean-Yves Thibaudet / Andrew Eccles)
Arthur Honeggers 3. Sinfonie bringt Liturgisches in den Konzertsaal. Der Komponist war Schweizer Komponist mit französischer Ausprägung. Am Ende des zweiten Weltkrieges trieb ihn sein Gefühl der Gottverlassenheit zu einem sinfonischen Gebet. Und so ist die Sinfonie mit "Liturgique" überschrieben und die Sätze tragen Titel wie "Dies irae" oder "Dona nobis pacem".

Musikalische Großleinwand

Dem folgen zwei Bearbeitungen von Leopold Stokowski, der sowohl dem Lutherchoral, als auch der berühmten Toccata und Fuge d-Moll eine großsinfonische Bearbeitung geschenkt hat. Stokowski hat bei beiden Werken seine unbändige Lust an großen Klangflächen und schillernden Orchesterfarben ausgelebt. Die Musiker vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin können hier alle Register ihres Orchesterapparates ziehen.

Das Orchester steht auf der Bühne des großen Sendesaales des Berliner Funkhauses in der Masurenallee. (Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Simon Pauly)Der "Große Sendesaal" im Haus des Rundfunks ist eine Heimat für das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. (Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Simon Pauly)

In diesem dichten Programm ist eine kurze Pause eingebunden, die sich einem der vielen Vermittlungsprojekte des Orchesters an der Berliner Sophie-Scholl-Schule widmet. Stefan Lang war zu Besuch.

Aufzeichnung vom 24. November 2019 aus der Philharmonie Berlin

Olivier Messiaen
"Hymne au Saint-Sacrement" für Orchester

Camille Saint-Saëns
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 F-Dur op. 103

Arthur Honegger
Sinfonie Nr. 3 ("Liturgique")

Johann Sebastian Bach
"Ein feste Burg ist unser Gott" – Johann Sebastian Bachs Choralbearbeitung in der Orchesterfassung von Leopold Stokowski

Johann Sebastian Bach
Toccata und Fuge d-Moll BWV 565, Orchesterfassung von Leopold Stokowski

Jean-Yves Thibaudet, Klavier
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Mario Venzago  

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