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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.05.2019

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit Ensemble unitedberlinEntstehung und Verfall des Klangs

Moderation: Stefan Lang

Silhouette einer Person von hinten die vor einer Lichtprojektion steht, die sich strahlenförmig auffächert.  (EyeEm / Niklas Skur)
Klangwellen (EyeEm / Niklas Skur)

Gérard Grisey hat sich wissenschaftlich mit dem Phänomen Klang beschäftigt: Wie entsteht und vergeht Schall? Seine Erkenntnisse haben ihn zu einer Art musikalischer Dokumentation inspiriert, zu seinem Hauptwerk "Les espaces acoustiques".

Elf Jahre arbeitete Gérard Grisey an seinem sechsteiligen Zyklus "Les espaces acoustiques", übersetzt "Die akustischen Räume". Mit Hilfe von damaliger Computertechnik nahm er Klangstrukturen auseinander und erforschte das sogenannte Obertonspektrum von Klängen und deren Entstehung, Wirkung und Vergehen.

Obertöne sind jene kaum wahrnehmbaren, mitschwingenden Klänge innerhalb eines Tones, die seinen Charakter, seine Fülle oder Schärfe erheblich mitbestimmen. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse hat er in seinem Werk musikalisch dokumentiert und eine Art Klanganalyse für großes Orchester geschrieben. 

Das Orchester als Gruppe von Obertönen

"Les espaces acoustiques" kann als Geschichte des Klanges verstanden werden: von der Entstehung über das Werden und Sein bis hin zum Verfall der einzelnen Töne. Und so ist zu Beginn nur ein einziges Instrument zu hören, das das Anschwingen und Werden eines Klanges symbolisiert: ein ausgedehntes Bratschensolo.

Erst danach breitet sich der Klang über verschiedene Ensemblestärken aus. Die "Obertöne" gewinnen an Kraft und Farbe, bis der gesteigerte, gewaltige Orchesterklang ins Geräuschhafte kippt und mit einem Mal erstirbt. So wird die Entstehung und des Verfalls des Klanges musikalisch erfahrbar. Vladimir Jurowski sagt dazu:

"Ich glaube, dass das Werk ein unglaubliches Erlebnis für die Sinne ist. Man braucht keine großen Vorkenntnisse in der zeitgenössischen Musik, um von so einem Stück bewegt zu werden." 

Mit einem einzigartigen Programm stehen das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, der Bratschist Jean-Claude Velin und das ensemble unitedberlin erstmals gemeinsam auf einer Bühne. Die Verbindung ist über den Dirigenten Vladimir Jurowski entstanden, der zur Zeit Artistic Advisors beim Ensemble unitedberlin ist.
(cdr)

Porträt des Bratschers. (Jean-Claude Velin / Mathias Bothor)Der Bratscher Jean-Claude Velin spielt oft Musik, die nur wenige Jahre alt ist. (Jean-Claude Velin / Mathias Bothor)
Aufzeichnung des Konzertes vom 19. Mai 2019 im Konzerthaus Berlin

Gérard Grisey 
Les espaces acoustiques

Jean-Claude Velin, Viola 
Ensemble unitedberlin
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin 
Leitung: Vladimir Jurowski

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