Seit 00:05 Uhr Das Podcastmagazin

Montag, 09.12.2019
 
Seit 00:05 Uhr Das Podcastmagazin

Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.09.2016

Ruhrtriennale "Medea" als Stück über Emanzipation

Theaterkritiker Christoph Leibold im Gespräch mit Marietta Schwarz

Podcast abonnieren
Die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr 2015 beim Filmfest Hamburg (picture alliance / dpa / Georg Wendt)
Gibt die Medea in Kennedys Stück: die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr (picture alliance / dpa / Georg Wendt)

Einen Gegenentwurf zur gängigen Medea-Interpretation als Kindermörderin hat die Regisseurin Susanne Kennedy mit ihrem Stück "Medea.Matrix" bei der Ruhrtriennale präsentiert. Theaterkritiker Christoph Leibold zeigte sich von der Uraufführung fasziniert.

Medea ist eine der rätselhaftesten und radikalsten Figuren in der griechischen Mythologie. Sie liebt bedingungslos, wird betrogen und tötet die eigenen Kinder. Regisseurin Susanne Kennedy, die sich letztes Jahr auf der Ruhrtriennale mit der Figur der Eurydike, basierend auf Monteverdis Oper "L'Orfeo" auseinandersetzte, beleuchtet in "Medea.Matrix" die vielfältigen und kontroversen Facetten der Medea als liebende Mutter und Rachegöttin.

Aufführung in der Industriekathedrale

Schon der verstorbene Theaterkünstler Christoph Schlingensief hatte in der Gebläsehalle im Landschaftspark in Duisburg Nord  seine "Kirche der Angst" inszeniert. Nun knüpfte die Regisseurin Susanne Kennedy offenbar daran an, sagte Theaterkritiker Christoph Leibold im Deutschlandradio Kultur. "Sie sieht erstmal etwas Ähnliches darin, was Schlingensief gesehen hat", sagte Leibold.  Die Gebläsehalle sei so etwas wie eine Industriekathedrale mit sakraler Anmutung und seitlichen Bogennischen, die wie Kirchenfester wirkten. "Bei Susanne Kennedy werden die mit Videobildern bespielt", so Leibold. Dies werde durch große Leinwände über der Spielfläche ergänzt.

Akt der Befreiung

Das Publikum habe vor der Vorstellung die Bühne begehen können, wie in einer Kunstinstallation. In der Hauptrolle agierte Birgit Minichmayr, die als Medea ganz anders auftrete als man es von anderen Aufführungen mit ihr gewohnt sei. Leibold sieht in der Aufführung einen Gegenentwurf zu anderen Medea-Interpretationen. "Bei Kennedy hat man das Gefühl, es ist fast so etwas wie der Akt der Emanzipation, der Befreiung von der Rolle der Mutter, die der Frau über Jahrhunderte, Jahrtausende zugeschrieben wird."

(gem)  

Mehr zum Thema

Musiktheater auf der Ruhrtriennale 2016 - Wer ist hier eigentlich fremd?
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 02.09.2016)

"Urban Prayers Ruhr" in Duisburg - Feier der Gemeinsamkeit
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 14.08.2016)

Ruhrtriennale-Intendant Johan Simons - Der das Theater in die Zeche bringt
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 12.08.2016)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsRache mit Hund
Angela Merkel, Wladimir Putin und ein Labrador. (Epa/Sergei Chirikov/dpa)

Anlässlich einer Ausstellung über des Menschen besten Freund, den Hund, ruft die „FAZ“ ein unschönes Zusammentreffen von Angela Merkel und Wladimir Putin aus dem Jahr 2007 in Erinnerung und lobt den Präsidenten für seine meisterhafte Revanche.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur