Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
Samstag, 18.09.2021
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Thema / Archiv | Beitrag vom 22.06.2009

Ruhe bitte!

Kirche klagt gegen verkaufsoffene Sonntage in Berlin

Von Anke Schaefer

Shoppen am Sonntag - nicht alle sind dagegen. (AP)
Shoppen am Sonntag - nicht alle sind dagegen. (AP)

In Karlsruhe prüft das Bundesverfassungsgericht am Dienstag eine Klage gegen die zehn verkaufsoffenen Sonntage in Berlin. Kläger sind die evangelische und katholische Kirche. Sie sehen den heiligen Sonntag und die menschliche Seelenruhe bedroht. Dass der Sonntag überhaupt zum Ruhetag wurde, hat eine lange Geschichte.

Im Jahr 321 wurde der Sonntag zum Feiertag - zuvor heiligten die ersten Christen genau wie die Juden den Sabbat - doch vor rund 1700 Jahren erklärte Kaiser Konstantin den siebten Tag der Woche zum "Tag des Herrn". Dass dies auch bei den Anhängern des Mithraskults der heilige Tag war, traf sich damals gut, denn so konnte Konstantin gleich zwei wichtigen Religionen einen Gefallen tun. Er verfügte:

"Alle Richter und Einwohner der Städte auch die Arbeiter aller Künste sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen."

Der Sonntag ist also ab jetzt Feiertag, und im Mittelalter herrscht Pflicht zum Gottesdienst. Wer an diesem Tag arbeitet, der begeht "Sonntagsfrevel" - das gefährdet klar das Seelenheil. Schon mit Martin Luther wird der Sonntag jedoch im 16. Jahrhundert zu einem Tag, an dem nicht mehr nur der Gottesdienst wichtig ist, sondern nun ganz explizit auch die Gemeinschaft und die Erholung -

Musik: "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen ..."

... aber soweit sind wir noch lange nicht - mit fröhlichem Segeln hatte der Sonntag im 19. Jahrhundert noch nicht viel zu tun, vielmehr zwängen in der Spätromantik und Biedermeierzeit, ziemlich festgefügte Rituale den Sonntag ins Korsett. Landpartien werden in feinsten Kleidern unternommen, Literatur, Musik und Malerei inszenieren die sonntägliche Idylle, fast als würde nun das feine Fröhlichsein am Sonntag zur Pflicht erklärt.

In den Gottesdienst geht man zwar noch, doch wird das kirchliche Ritual mehr und mehr in die weltliche Inszenierung des Feiertags eingebaut. Gleichzeitig müssen aber in der Industrialisierung immer mehr Menschen auch sonntags arbeiten. Die Öfen müssen heiß bleiben, die Maschinen rund um die Uhr, Tag für Tag weiterlaufen, sagen die ersten Fabrikbesitzer und dagegen wenden sich nun nicht nur die Kirchen, sondern jetzt auch die Gewerkschafter.

Beide kämpfen seitdem gemeinsam für den Sonntag als Ruhetag. Und das auch, obwohl die Menschen in Europa seit den 1960er Jahren in der sogenannten "Freizeitgesellschaft" leben - also statistisch gesehen immer mehr Zeit für Ausflüge, Fußballturniere oder das Autowaschen haben und durchaus auch montags segeln gehen könnten.

In den Gottesdienst gehen derweil nur noch wenige und wenn, dann meist an Weihnachten, egal - ob der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt.

Thema

Karl der GroßeKunstsinniger Barbar
Eine Figur Karls des Großen steht am 16.06.2014 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) im Centre Charlemagne. Die Ausstellung "Karl der Große, Macht, Kunst, Schätze" ist vom 20.06.2014 bis zum 21.09.2014 in Aachen zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Er war einer der Gründungsväter Europas: Karl der Große hat die karolingische Renaissance eingeleitet. Eigentlich sei es ihm aber nur um die Legitimierung seiner Macht gegangen, meint Kunsthistoriker Michael Imhof. Mehr

DDR-GeschichteSieg über den Ort des Grauens
Der ehemalige politische Gefangene Gilbert Furian in einer Gefängniszelle der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vom Verein Menschenrechtszentrum in Cottbus (Brandenburg). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Weil er in der DDR Interviews mit Punks publizierte, kam Gilbert Furian in den Cottbuser Knast. In der heutigen Gedenkstätte wird er nun in der Oper "Fidelio" mitsingen - um einen "großen Rucksack Bitterkeit" erleichtert.Mehr

Agenturfotos"Das ist sicher ein Aufbruch"
Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin des US-amerikanischen Internetkonzerns Facebook  (picture alliance / dpa / Foto: Jean-Christophe Bott)

Die Karrierefrau, die am Schreibtisch sitzt, oder das schamlose Zeigen von Terroropfern in Afrika - Sheryl Sandberg von Facebook und Pam Grossman von der Bildagentur Getty Image wollen solchen Klischeefotos etwas entgegensetzen. Sie haben die Datenbank "Lean In Collection" gegründet. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur