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Kompressor | Beitrag vom 02.07.2020

Rückkehr von Beavis und Butthead"Zeit, wieder blöd zu werden"

Jenni Zylka im Gespräch mit Max Oppel

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Die Comic-Figuren Beavis und Butthead aus der gleichnamigen MTV-Serie (1993-1997) sitzen auf einer Couch. (Imago / Courtesy EverettxCollection / TSDBEAN)
Beavis und Butthead auf der Couch: Die Rüpel feierten in den 90er Jahren auf MTV große Erfolge. (Imago / Courtesy EverettxCollection / TSDBEAN)

Der US-Sender Comedy Central hat neue Staffeln der Animationsserie "Beavis und Butthead" bestellt. Medienkritikerin Jenni Zylka ist nicht überzeugt, dass es Zeit für ein Comeback der Rüpelfiguren aus den 90ern mit ihrem "Pimmelhumor" ist.

"Es hat sich wie die richtige Zeit angefühlt, wieder blöd zu werden", hat "Beavis und Butthead"-Erfinder Mike Judge gesagt. Wie jetzt bekannt wurde, hat der US-Sender Comedy Central zwei neue Staffeln mit den Kultfiguren bestellt hat, die in den 90er-Jahren bei MTV liefen.

Medienkritikerin Jenni Zylka ist weniger überzeugt als Judge, dass heute die richtige Zeit für eine Rückkehr der Rüpel-, Tierquäler-, und Sexistenfiguren ist – aus verschiedenen Gründen.

Missachtung von Political Correctness

Vielleicht erreiche sie eine Zielgruppe der Nostalgiker, die in den 90ern jung waren, die Serie kennen und möglicherweise auch verklären. Sie selbst habe aber schon damals, womöglich weil sie nicht bekifft genug gewesen sei, aber auch weil sie den speziellen Beavis und Butthead-Humor nicht mochte, nicht zu den Fans gehört. "Diese Art von Pimmelhumor hat ja in seiner Verklemmtheit immer auch etwas Spießiges", findet Jenni Zylka.

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Das Neue und Besondere an der Serie sei die anarchistische Ästhetik gewesen, und dass sie sich als Animationsserie zugleich an Jugendliche und Erwachsenen gerichtet habe. "Es hat mit Missachtung gegenüber Political Correctness gespielt, es hat provoziert, aber auch kritisiert – also der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten."

Mit der Neuauflage nochmal Geld machen

Im Prinzip gehe es wohl darum, mit der Neuauflage nochmal Geld zu machen, vermutet Zylka. 1996 habe es einen Spielfilm gegeben, 2011 einen mäßig erfolgreichen Comeback-Versuch. Allerdings brauche "Beavis und Butthead" ihrer Meinung nach auf jeden Fall ein Update. Das Format müsste dramaturgisch verändert und schneller werden. "Wenn man sich das mal anguckt, es ist wahnsinnig langsam und gar nicht richtig auf den Punkt. Ich glaube, 1:1 wird das auf jeden Fall nicht aufgelegt", erwartet die Medienkritikerin.

Der Ansatz der Serie, sich über Political Correctness hinwegzusetzen und lustig zu machen, könne natürlich heute problematisch werden. Würden sich die Macher etwa gegen die #BlackLivesMatter-Bewegung stellen, wäre ein Skandal vorprogrammiert. Das könne die US-Gesellschaft womöglich weiter polarisieren. Andererseits sei Political Correctness während der Trump-Präsidentschaft natürlich ein Riesenthema, so Zylka.

(mfu)

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