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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 10.11.2016

Rudolf SeitersDer stille Macher im Hintergrund

Rudolf Seiters im Gespräch mit Ulrike Timm

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DRK-Präsident Rudolf Seiters spricht am 31.10.2013 in der Liederhalle in Stuttgart (Baden-Württemberg) beim Festakt zum 150-jährigen Bestehen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). (dpa / picture-alliance / Marijan Murat)
DRK-Präsident Rudolf Seiters (dpa / picture-alliance / Marijan Murat)

Rudolf Seiters hatte als Kanzleramtsminister eine Schlüsselrolle bei der Öffnung der Mauer, als Innenminister gestaltete er die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten. Stets zog er eher im Hintergrund die Fäden. Jetzt hat er seine Autobiografie vorgelegt.

Rudolf Seiters hatte als Kanzleramtsminister eine Schlüsselrolle bei der Öffnung der Mauer, als Innenminister gestaltete er die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten. Stets zog er eher im Hintergrund die Fäden. Jetzt hat er seine Autobiografie vorgelegt.

Er ist der stille Macher: Rudolf Seiters. 33 Jahre – von 1969 bis 2002 – saß der CDU-Politiker im Deutschen Bundestag; als Kanzleramtsminister hatte er eine Schlüsselrolle bei der Öffnung der Mauer, als Innenminister gestaltete er die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten.

Stets zog er eher im Hintergrund die Fäden: Genscher steht für die Prager Balkonszene und die Verkündigung der Reisefreiheit der Ostdeutschen. Wer hatte sie vorher in mühsamen Verhandlungen eingefädelt? Rudolf Seiters.

Social Media hätte die Wiedervereinigung erschwert

In Zeiten sozialer Medien hätte dieser schwierige Prozess der Annäherung nicht mit der notwendigen Diskretion geschehen können, sagte Seiters:  

"Ich bin heilfroh, dass es 1989-90, wo es darum ging, so sensibel mit diesem Thema umzugehen, Moskau mitzunehmen, Paris mitzunehmen, letzten Endes auch London mitzunehmen ich bin heilfroh, dass es damals Facebook und Twitter noch nicht gegeben hat. Dann wären viele Dinge sehr unsensibel behandelt worden. Der eine oder andere Shitstorm oder was alles heute möglich ist, das gab es damals nicht. Und das ist, glaube ich für uns damals sehr wichtig gewesen."

Für Respekt sorgte 1993 sein Rücktritt nach der Affäre um den Tod des RAF-Terroristen Wolfgang Grams.

"Es wurde ja behauptet, der Todesschuss sei gezielt angesetzt worden. Als ich dann hörte, dass wir keine Chance haben, sofort aufzuklären, da stand ich vor der Frage, wie können wir das Vertrauen der Bevölkerung wiedergewinnen oder stabilisieren und klar machen, dass dieser Staat keinen Todesschuss abgibt, dass hier alles nach Recht und Gesetz passiert. Es hat nicht lange gedauert, bis ich zu dieser Erklärung an einem Sonntagmorgen gekommen bin. Ich wollte ein Signal setzen für die Bevölkerung, dass hier nichts vertuscht wird."

In seiner aktiven Zeit als Bundestagsabgeordneter hat Rudolf Seiters fünf Kanzler erlebt: Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel.

Seit 13 Jahren ist Rudolf Seiters Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Jetzt hat der 79-Jährige seine Autobiografie vorgelegt: "Vertrauensverhältnisse". Darin schreibt er: "Wer seine Wurzeln nicht kennt, kommt in der Politik nicht weit."

Wo liegen seine Wurzeln? Wie wichtig ist für ihn Vertrauen in der Politik? Und vor welchen politischen Fehlern hat ihn seine Frau bewahrt? Darüber hat Ulrike Timm mit Rudolf Seiters gesprochen.

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