Feature, vom 03.04.2021, 18:05 Uhr

Rudern als Liebe (und Sucht)Frei weg!

Von der Liebe zum Rudern
Von Jörn Klare
Vier Personen im Vierer-Ruderboot auf dem Wasser (EyeEm / Hannes Mager)
Mit Mitte fünfzig möchte der Autor einfach nur noch rudern. (EyeEm / Hannes Mager)

Nachdem ich das erste Mal an einem Tag mehr als 30 Kilometer in einem Vierer gerudert bin, habe ich an einer Hand sechs und an der anderen Hand acht Blasen. Einige sind schon aufgeplatzt. Am nächsten Tag steht eine ähnlich lange Strecke auf dem Programm … und ich bin glücklich. Als ich das erste Mal mit den immer gleichen kraftraubenden Bewegungen in einem Riemen-Achter über die Spree gleite, traue ich mich nicht, nach links oder rechts zu schielen, weil ich Angst habe, einen Fehler zu machen … und bin berauscht.

Ich habe mich immer für einen eher freien, individualistischen und auch kreativen Geist gehalten. Doch mit Mitte fünfzig liebe ich auf einmal einen Sport, der nur Pflicht und keine Kür kennt, bei dem Kommandos eine zentrale Bedeutung haben, das Miteinander entscheidend und Eigensinn verpönt ist. Warum? Ich will versuchen, es zu erklären. Auch mir selbst. Bei vielen Fahrten durfte ich ein Mikrophon mit ins Boot nehmen.


Ursendung
Frei weg!
Von der Liebe zum Rudern
Von Jörn Klare
Mit: N.N.
Regie: Friederike Wigger
Ton: Hermann Leppich
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2021
Länge: ca. 54'30


Jörn Klare, 1965 in Hohenlimburg geboren, zwischen Sauerland und Ruhrgebiet aufgewachsen, lebt als Autor in Berlin. Er schreibt Sachbücher, Theaterstücke und Radio-Features, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Für sein Buch "Nach Hause gehen. Eine Heimatsuche" erhielt er 2017 den Evangelischen Buchpreis. Zum selben Thema produzierte er für Deutschlandradio Kultur das Stück "Nach Hause gehen" (2016). Zuletzt "Jenseits des Ponyhofes" (Deutschlandfunk Kultur, 2020) und "Legal Highs" (ARD-Radiofeature, 2020).

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