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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.02.2019

ruangrupa leitet die documenta 15Zusammenarbeiten und verteilen

Philippe Pirotte im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Das Künstlerkolletiv ruangrupa leitet die nächste documenta. (Gudskul / Jin Panji)
Das Künstlerkolletiv ruangrupa leitet die nächste documenta. (Gudskul / Jin Panji)

Das indonesische Künstlerkollektiv ruangrupa ist zur künstlerischen Leitung der documenta 15 berufen worden. Das Mitglied der Findungskommission Philippe Pirotte berichtet: "Es gab eine Aufbruchstimmung am Montag vor zwei Wochen."

Das indonesische Künstlerkollektiv ruangrupa ist zur künstlerischen Leitung der documenta 15 berufen worden. Der Aufsichtsrat folgte damit dem Vorschlag der Findungskommission, die die zehnköpfige Gruppe von Künstlern und Journalisten aus Jakarta einstimmig nominiert hatte.

Philippe Pirotte, Rektor der Städelschule in Frankfurt am Main, war Mitglied der Findungskommission und berichtet im Deutschlandfunk Kultur von der regelrechten "Aufbruchstimmung", die am Montag vor zwei Wochen nach der Nominierung geherrscht habe. Er erklärt das Besondere an der Entscheidung damit, dass es sich hier um ein Kollektiv handle, das über fast zwei Jahrzehnte Erfahrung an "lateralen, horizontalen Arbeiten und horizontalen Entscheidungsprozessen" verfüge. 

Potenzial eines Game-Changers

Die Findungskommission sei sehr interessiert an den Methoden der Künstler gewesen, "wie sie arbeiten, wie sie Verbindungen herstellen mit anderen Künstlerkollektiven". In ihnen habe man das Potenzial eines Game-Changers für die documenta erkannt und "dass sie ein neues Paradigma kultureller Produktion abzeichnen".

ruangrupa agiere nach der von ihr selbst als "Lumbung" bezeichneten Methode: "Das ist wie ein Topf mit Reis, wo eine Community investiert, und das wird dann mehr und das wird dann auch wieder ganz ehrlich verteilt. Es geht auch um Wiederverteilung von Investitionen oder Ressourcen."

Eine andere Art der Produktion sei also zu erwarten, weniger "Commissioning", eher "eine Art von Zusammenarbeiten und Verteilen von Ressourcen", erklärt Pirotte. Dazu würde das Kollektiv weitere Künstlerkollektive in die Vorbereitungen der documenta einbeziehen. "Das wird in einem Netzwerk gemacht, das sie ‚Koperasi‘ nennen." Und dieses Netzwerk werde dann 2022 in Kassel wieder reflektiert.

19 Jahre Erfahrung

Pirotte kennt die Gruppe "ziemlich gut". Diese sei zunächst interessiert an den Kunstschaffenden und am Publikum. "Welche Art von Kunst dann kommt, das kann in alle Richtungen gehen." Es könnten Gegenstände, Gemälde, Videos, Performances oder aber auch Musikfestivals sein. "Sie haben 19 Jahre Erfahrung im Veranstalten und Teilen kultureller Ereignisse und sind selbst Künstler."

ruangrupa sei "vor allem interessiert an den ‚Commons‘, dass man eigentlich nicht nur immer in hierarchischen Arten denkt und verwaltet, dass man eigentlich immer die Ressourcen auch wieder an die, die Ressourcen verursachen, verteilt".

Obwohl die kuratorische Entscheidung auf mehrere Schultern verteilt ist, sieht Pirotte das Kollektiv absolut in der Lage, die bevorstehende Aufgabe zu meistern. Ihre bisherige Arbeit ist Beweis genug: So hätten sie nicht nur an den Biennalen in Jakarta, Sao Paolo, Gwangju oder Istanbul teilgenommen, sondern auch an der Asia Pacific Triennale in Brisbane und am Cosmopolis Projekt im Centre Pompidou in Paris.

Beirat in der Vermittlerrolle 

Auch wenn die Findungskommission zukünftig als Beirat fungieren wird, sei dies nicht als Controlling aufgrund des millionenschweren Defizits der letzten documenta zu verstehen. Vielmehr verstehe man sich als Vermittler und Diplomaten bei der Zusammenführung dieser beiden großen Institutionen: documenta und ruangrupa.

Man habe zwar viele Projekte gesehen, die man als wertvoll erachtete und später wieder sehen wollte, so Pirotte, "aber bei ruangrupa hatten wir das Gefühl, dass wir schon Teilnehmer waren. Also das Horizontale funktioniert. Diese Chemie und diese Magie hat wirklich sehr gut funktioniert und wir haben sofort das Gefühl gehabt: Wir gehören dazu. Wir wollen Teil sein von dieser ‚Koperasi‘".

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