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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.12.2015

RSB und Benefizkonzert für FlüchtlingeIm Geiste Beethovens

Aufzeichnungen aus Berlin und Bonn

Der syrisch-palästinensische Pianist Aeham Ahmad spielt in Yarmouk, einem Flüchtlingslager in Damaskus (Niraz Saied)
Der syrisch-palästinensische Pianist Aeham Ahmad spielt in Yarmouk, einem Flüchtlingslager in Damaskus (Niraz Saied)

Der Geist des Bonner Titanen wacht über diesem Abend - in einem Konzert des RSB treffen Beethovens Konzertarie "Ah Perfido!" auf Musik von Haydn und Mozart - im Anschluss senden wir ein Benefizkonzert für Flüchtlinge aus der Bonner Bundeskunsthalle mit Martha Argerich und vielen anderen. In dieser Veranstaltung hat der syrisch-palästinensische Pianist Aeham Ahmad den internationalen Beethovenpreis erhalten.

"Mozarts Geist aus Haydns Händen", so lautet ein geflügeltes Wort, das dem Grafen Waldstein zugeschrieben wird. Der hat es Ludwig van Beethoven ins Stammbuch geschrieben oder ihm als Wegweiser zumindest mitgegeben. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin macht es an diesem Abend, den wir hier zum Teil senden, zur dramaturgischen Leitlinie. Der französisch-armenische Dirigent Alain Altinoglu präsentiert sich als Orchesterleiter, der auch die weiß-schwarzen Tasten zu bedienen weiß. Den vokalen Part übernimmt die Berliner Sopranistin Annette Dasch.

Im Anschluss senden wir ein Benefizkonzert für Flüchtlinge, bei dem auch der Internationale Beethovenpreis an den syrisch-palästinensischen Pianisten Aeham Ahmad verliehen wurde. Neben den syrischen Musikern Kinan Azmeh und Ibrahim Keivo spielen auch Martha Argerich, Akane Sakai, Luisa Imorde, Karim Said, Christian Brunnert und Kai Schumacher.

Der Internationale Beethovenpreis wurde erstmals vergeben, aus aktuellem Anlass als Spezialpreis an den syrisch-palästinensischen Pianisten Aeham Ahmad. Dieser junge Musiker hat seine Arbeit im Flüchtlingslager Yarmouk (einem Stadtteil von Damaskus) und seine Flucht über die Türkei und den Balkan in den sozialen Netzwerken breit dokumentiert. Er ist in Yarmouk während des Krieges mit einem mobilen Klavier durch die Straßen gezogen und hat mit Kindern und Erwachsenen selbst komponierte Lieder einstudiert und gesungen. Am Ende ist sein Klavier von Angehörigen des IS verbrannt worden vor seinen Augen. Das Viertel Yarmouk wurde von palästinensischen Flüchtlingen der dritten Generation bewohnt - die meisten der Einwohner sind Menschen, die 1948 von den Israelis aus ihren Dörfern und Städten vertrieben wurden. Das baathistische Assad-Regime hat den Palästinensern über Jahrzehnte die syrische Staatsbürgerschaft vorenthalten. Mit Beginn des Bürgerkrieges hat das Regime Yarmouk angegriffen und ausgehungert. Auf der anderen Seite haben islamistische Banden (der IS und andere Gruppen) die Bewohner des Viertels beschossen und vertrieben.

Internationale Medien haben mehrfach über Aeham Ahmads Schicksal berichtet. Er ist inzwischen in Deutschland angekommen und hat die Anerkennung als Flüchtling beantragt. Seine zwei kleinen Söhne, sein Ehefrau und seine Eltern leben noch in Damaskus. Jüngst sagte er im Interview mit der Frankfurter Rundschau: "Ich möchte den Deutschen Danke sagen, dass sie uns aufgenommen haben. Wir wollen keine Last sein für sie. Wir sind gekommen, um hier in Frieden zu leben."

Sein Schicksal teilen zwei weitere syrische Musiker, die an diesem Abend in Bonn aufgetreten sind: Der Klarinettist Kinan Azmeh aus Damaskus und der Sänger Ibrahim Keivo aus Nordostsyrien. Azmeh lebt die meiste Zeit in New York, wo er auch studiert hat, tritt aber häufig in Deutschland auf. Mit seiner Familie in Deutschland Zuflucht gefunden hat Ibrahim Keivo. Er ist armenischer Herkunft, seine Familie hat den Genozid vor einhundert Jahren in einem kurdisch-jezidischen Dorf in Syrien überlebt. Nun ist auch er wieder auf der Flucht - genau wie Aeham Ahmad - Vertriebene der dritten oder sogar vierten Generation. Für sie und ihre Landsleute spielen Bonner Musiker wie Luisa Imorde und Christian Brunnert, der Duisburger Kai Schumacher, der palästinensisch-jordanische Pianist Karim Said und die berühmte Martha Argerich mit ihrer Duopartnerin Akane Sakai.

   

Konzerthaus Berlin

Aufzeichnung vom 16. Dezember 2015

 

Joseph Haydn

Sinfonie Nr. 95 c-Moll

 

Ludwig van Beethoven

"Ah! perfido", Szene und Arie für Sopran und Orchester op. 65

 

Wolfgang Amadeus Mozart

"Ch'io mi scordi di te? - Non temer, amato bene"

Rezitativ und Arie für Sopran, Klavier und Orchester KV 505

 

Annette Dasch, Sopran

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Klavier und Leitung: Alain Altinoglu

 

ca. 21.00

Bundeskunsthalle Bonn

Aufzeichnung vom 18. Dezember 2015

 

Benefizkonzert für Flüchtlinge und Verleihung des Internationalen Beethovenpreises

 Die argentinische Pianistin Martha Argerich während einer Probe in der Philharmonie Berlin (2013). (picture alliance / dpa / Soeren Stache)Die argentinische Pianistin Martha Argerich während einer Probe in der Philharmonie Berlin (2013). (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Ludwig van Beethoven

Sonate für Violoncello und Klavier C-Dur op. 102/1,

1. Satz Andante - Allegro Vivace

Luisa Imorde, Klavier

Christian Brunnert, Violoncello

 

Johannes Brahms

Sonate Nr. 1 f-Moll für Klavier und Klarinette op. 120/1,

2. Satz Andante un poco Adagio

Karim Said, Klavier

Kinan Azmeh, Klarinette

 

Ludwig van Beethoven

Sonate Nr. 8 op. 13 c-Moll "Pathétique"

Karim Said, Klavier

 

Kinan Azmeh

"A sad morning, every morning"

Kinan Azmeh, Klarinette

 

Ibrahim Keivo

Lieder aus al-Gazira, Lamento

Ibrahim Keivo, Gesang, Saz

 

Aeham Ahmad

Lieder aus Yarmouk

Aeham Ahmad, Klavier, Gesang

Ibrahim Keivo, Gesang, Saz

Kinan Azmeh, Klarinette

 

Klavierduo Martha Argerich und Akane Sakai

 

Kai Schumacher

"Ode to ode to joy"

Kai Schumacher, Klavier

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