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Konzert / Archiv | Beitrag vom 11.12.2015

RSB mit Iveta ApkalnaMeister und Königin

Aufzeichnung aus der Philharmonie Berlin

Die Organistin Iveta Apkalna (Nils Vilnis/RSB)
Die Organistin Iveta Apkalna (Nils Vilnis/RSB)

Anton Bruckner verehrte Richard Wagner als "unsterblichen Meister" - doch die Königin der Instrumente war und ist die Orgel. Das RSB bringt jetzt Bruckners Trauersinfonie auf Wagner und Paul Hindemiths Orgelkonzert zusammen. Den Solopart auf der 50 Jahre alten Schuke-Orgel in der Philharmonie Berlin spielt die lettische Organistin Iveta Apkalna.

Iveta Apkalna scheint alles zu gelingen: Sie spielt Musik von Johann Sebastian Bach und Walter Braunfels, beherrscht pneumatische und elektronische Orgeln, spielt sich durch "Himmel und Hölle" und wird an diesem Abend ein im Grunde vergessenes Orgelkonzert von Paul Hindemith wieder in Erinnerung rufen.

Paul Hindemith hat bei seinem späten Orgelkonzert auf Dialog gesetzt, auf ein musikalisches Geben und Nehmen, weniger auf einen Kampf der Elemente. Die 1965 in der Berliner Philharmonie geweihte Schuke-Orgel eignet sich bestens für dieses Werk. Das drei Jahre zuvor entstandene Orgelkonzert Hindemiths wurde auch im Zuge dieser Orgelweihe gespielt.

Die Konzerte des RSB unter Leitung seines scheidenden Chefdirigenten Marek Janowski am letzten November-Wochenende waren programmatisch miteinander verschränkt. Das erste dieses Konzertpaars haben wir bereits live übertragen, darin gab es die Bläsermesse in c-Moll von Anton Bruckner, also ein Werk des sakralen gottesfürchtigen Komponisten. In seiner Siebenten Sinfonie, die in dieser Aufzeichnung zu erleben ist, treibt Bruckner dagegen einen geradezu blasphemischen Personenkult: Diese Sinfonie ist wie einige andere seiner Orchesterwerke Ausdruck der Verehrung Richard Wagners. "Einmal kam ich nach Hause und war sehr traurig; ich dachte mir, lange kann der Meister unmöglich mehr leben, da fiel mir das cis-Moll-Adagio ein". Während der Komposition des choralartigen Abgesangs traf die Nachricht von Richard Wagners Tod bei Anton Bruckner ein. Daraufhin stellte er den ganzen langsamen Satz unter das Signum der Trauer "zum Andenken an den hochseligen, heißgeliebten, unsterblichen Meister!"

 

Das Programmheft zum Nachlesen

 

Philharmonie Berlin

Aufzeichnung vom 28. November 2015

 

Paul Hindemith

Konzert für Orgel und Orchester

 

Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 7 E-Dur

 

Iveta Apkalna, Orgel

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Leitung: Marek Janowski

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