Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Samstag, 07.12.2019
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.02.2011

Roter Teppich für verurteilten Iraner

Berlinale ehrt Regisseur Jafar Panahi

Von Gerd Brendel

Podcast abonnieren
Der iranische Regisseur Jafar Panahi (AP)
Der iranische Regisseur Jafar Panahi (AP)

Auf der Berlinale sollte er als Juror auftreten, doch sein Stuhl blieb leer: Wegen seiner kritischen Filme wurde der Iraner Jafar Panahi zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt. Nun ehrte das Festival den Regisseur mit einer Gala-Vorstellung.

Roter Teppich für einen Abwesenden. Die Berlinale protestiert gegen die Verurteilung des iranischen Filmemacher Jafar Panahi, mit ihren eigenen Mitteln: Einer Gala-Vorführung seines Films "Offside" , der vor fünf Jahren schon einmal am gleichen Ort auf dem Programm stand:

Sichtlich bewegt erinnert der Landsmann und Kollege Rafi Pitts auf der großen Bühne des Theaters am Potsdamer Platz an die Berlinale-Premiere des Films. Er zeigt eine Gruppe fußballbegeisterter Mädchen, die sich vom Regime nicht ihre Lebenslust nehmen lassen und verkleidet als Jungs ins Fußballstadion fahren. Der gleiche Mut, der Panahis Protagonistinnen im Film antreibt. Er ist dem Filmemacher selbst jetzt zum Verhängnis geworden. Allein der Plan, einen Film rund um die Wahlen von 2009 zu drehen, führte zu einer Verurteilung von sechs Jahren und einem 20-jährigen Berufsverbot.

"Wenn das einem von uns passieren würde, würden auch andere merken, was für ein Wahnsinn das ist. Er wollte ja auch, dass sein Brief verlesen wird. Und ich glaube, dass es gut ist, dass es eine Öffentlichkeit gibt."

"Ich hoffe, diese Veranstaltung bringt viel Ärger. Wir können nicht mehr tun, als darauf hinzuweisen, dass die Situation entsetzlich ist und verändert gehört."

Was das für einen Regisseur bedeutet, können sich auch die Kollegen Wim Wenders und Doris Dörrie nicht vorstellen. Sie sind heute Nachmittag gekommen, um Jafar Panahi zu ehren und ein Zeichen zu setzen.

"Ich bin heute hier, um Solidarität zu zeigen. Er sagt das ja immer: Er ist kein politischer Filmemacher - auf jeden Fall ist es auch ein Trost für diejenigen, die nicht raus können, dass sie nicht vergessen sind."

"Wir müssen etwas tun. Und vielleicht hat das auch eine Wirkung für uns selber. Ich denke, vollkommen nutzlos ist es nicht."

Bruno Ganz spricht aus, was viele der prominenten Filmemacher, Schauspieler und Produzenten im Publikum fühlen. Die komplette Berlinale-Jury mit ihrer Vorsitzenden Isabella Rosselini ist gekommen. Der Regisseur Kosta-Gavras sitzt im Publikum, Der Direktor des Filmfestivals von Cannes, Thierry Fremaux, deutsche Leinwandprominenz.

Die Frage nach dem Sinn von Protesten beantworten sie mit ihrer Präsenz.
Jasmin Tabatabai, selbst im Iran groß geworden, kennt die Situation im Lande, und sie weiß: Auch wenn sich das Regime nach außen unberührt zeigt, die iranische Regierung verfolgt die Weltöffentlichkeit aufmerksam.

"Es hat auch die Vergangenheit gezeigt, dass massive Proteste etwas bringen. Es ist auch egal, ob es etwas bringt, denn es ist unsere Pflicht."

Auch das eindrücklichste Bild des Nachmittags wird die Machthaber im Iran erreichen, da ist sich die deutsch-iranische Schauspielerin sicher: Festivaldirektor Dieter Kosslick Hand in Hand mit dem iranischen Filmemacher Rafi Pitts. Auch dessen Erinnerung an die Versprechen der iranischen Revolution heute am offiziellen Jahrestag, wird man hoffentlich in Teheran vernehmen. Einer bekommt auf alle Fälle sehr genau mit, was im fernen Berlin gesagt und getan wird: Jafar Panahi selbst. Als gestern Abend zur Eröffnung ein Brief von ihm verlesen wurde, hörte er über das Handy einer iranischen Kollegin im Saal mit.

Unser Programm zur Berlinale - Alle Infos zum Filmfestival bei dradio.de

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsZu viel Handke, zu wenig Tokarczuk
Die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. (Getty Images / Thomas Lohnes)

Die Feuilletons arbeiten sich weiter ausführlich an Schriftsteller Peter Handke ab - mit Berichten, Analysen und Richtigstellungen. Dabei gab es mit Olga Tokarczuk eine weitere Literaturnobelpreisträgerin. Über sie liest man herzlich wenig.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur