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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.05.2020

Rosa von Praunheim über Irm Hermann"Verwandt mit Göttern, Teufeln und Vertretern"

Rosa von Praunheim im Gespräch mit Axel Rahmlow

Irm Hermann und Rosa von Praunheim (picture alliance/dpa/Fotoreport)
Kollegiale Wertschätzung: Die Schauspielerin Irm Hermann und Regisseur Rosa von Praunheim im Jahr 2001. (picture alliance/dpa/Fotoreport)

Die Schauspielerin Irm Hermann wurde bekannt durch ihre Arbeit mit Rainer Werner Fassbinder. Mit ihm hat sie geliebt, aber auch gelitten. Dem Filmemacher Rosa von Praunheim hat sie einst für eine Dokumentation erzählt, wie sie Fassbinder überwand.

Für Irm

Sie war ein Schwan und eine Ente,
eine Wäscherin und eine Königin.
Sie war verwandt mit Göttern, Teufeln und Vertretern,
und fliegt jetzt fröhlich durch die Lüfte
und verströmt heiße Düfte.
Irm, ich liebe Dich!
Dein Rosa von Praunheim

Dieses Gedicht hat der Filmemacher Rosa von Praunheim Irm Hermann gewidmet, kurz nachdem er von ihrem Tod im Alter von 77 Jahren erfahren hat. Er war mit ihr per Du. Kennengelernt hat er sie, als er eine Dokumentation über die Frauen in Rainer Werner Fassbinders Leben gedreht hat. Die Schauspielerin hat in über 20 Filmen des Regisseurs mitgespielt. Und sie hat auch unter ihm gelitten.

Sadistisch behandelt

"Fassbinder war in gewisser Weise ein Teufel", sagt Rosa von Praunheim. "Er hat Irm furchtbar schlecht und sadistisch behandelt." Fassbinder habe oft Anfängern Chancen gegeben, dann seine Macht ausgespielt und ihre Abhängigkeit auf sadistische Weise ausgenutzt. Irm Hermann, die Fassbinder herausgeholt hatte aus ihrer Arbeit als Sekretärin, habe er etwa gezwungen, ein Steak zu essen – obwohl sie Vegetarierin gewesen sei.

Hermann habe Fassbinder einerseits geliebt und andererseits sehr unter ihm gelitten. "Das Tolle ist, dass sie sich daraus befreien konnte, dass sie einen wunderbaren Mann und Kinder hatte und auch mit anderen gearbeitet hat", sagt Rosa von Praunheim. Das sei nur wenigen gelungen.

In ihrer Arbeit als Schauspielerin habe Hermann das Klischee der keifenden, kleinbürgerlichen Frau bedient. Da sie nie eine Schauspielschule besucht habe, sei sie mehr "ein Typ" gewesen und sei als solcher auch besetzt worden.

(leg)

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