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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.11.2017

Romanzyklus "Das Büro"Die amüsante Langeweile eines Angestelltenlebens

Gespräch mit Katharina Borchardt und Peter Urban-Halle

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Geballtes Roman-Epos: Die "Büro"-Serie von J.J. Voskuil, erschienen im Verbrecher Verlag (Katharina Borchardt / Deutschlandradio)
Geballtes Roman-Epos: Die "Büro"-Serie von J.J. Voskuil, erschienen im Verbrecher Verlag (Katharina Borchardt / Deutschlandradio)

In den Niederlanden war der Romanzyklus "Das Büro" ein Riesenerfolg. In sieben Bänden und auf über 5000 Seiten schildert J. J. Voskuil darin den ganz normalen Alltagswahnsinn im Büro. Nun ist der letzte Teil auf Deutsch erschienen: Absurdistan ist überall!

Katharina Borchardt und Peter Urban-Halle haben das Projekt über die letzten Jahre begleitet. Erst mit über 70 wurde J. J. Voskuil zum Schriftsteller, erläuterte Katharina Borchardt. Voskuil sei eigentlich Volkskundler gewesen und habe von 1957 bis 1987 am Meertens Instituut in Amsterdam gearbeitet. Erst nach der Pensionierung habe der Niederländer "Das Büro" verfasst.

"Er schreibt trocken, er schreibt sachlich, unprätentiös, bescheiden fast."

So umschreibt Peter Urban-Halle Voskuils Stil. Borchardt ergänzte:

"Das ist richtig Arbeitsprosa."

Ganz normal und tragisch zugleich

Die minutiöse Beschreibung des Büroalltags sei einerseits langweilig, doch die Langeweile sei amüsant, so Urban-Halle. Denn:

"Voskuil schreibt ja nicht langweilig, während er die Langeweile beschreibt."

Borchardt ergänzte: Die Hauptfigur Maarten Koning sei das alter ego von Voskuil. Der Protagonist sei ein ganz pflichtbewusster Niederländer, von Hause aus ein Calvinist, der im Grunde sein ganzes Leben lang seine Pflicht tue. Koning sei "ganz normal und tragisch zugleich". Da könne sich jeder ein bisschen wiedererkennen.

Typisch niederländisch?

Die wissenschaftliche Arbeit im Institut sei für Voskuil "zweifelhaft, sinnlos und wertlos" gewesen, die Kollege würden als "Pedanten, unglaubliche Bürokraten und gleichzeitig bornierte Chaoten" charakterisiert.

Und die wissenschaftlichen Projekte seien randständig. Da gehe es um Brotkultur in den Niederlanden oder die Frage: Was haben Bauern mit der Nachgeburt des Pferdes gemacht in den verschiedenen Provinzen? Das wirke absurd und teilweise witzig, sei aber auch als Teil der Wissenschaftsgeschichte in den Niederlanden zu lesen, so Borchardt.

Trotz der sehr niederländischen Sichtweise könne der Roman-Zyklus in Deutschland Erfolg haben, meint Urban-Halle. Denn:

"Absurdistan ist überall. Dieser alltägliche Wahnsinn ist global."

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