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Kompressor | Beitrag vom 17.10.2017

Roma-Film-Festival in Berlin"Gegenwicht gegen Angst und Neid"

Hamze Bytyci im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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(Roger Arpajou)
Der Film "Django - Ein Leben für die Musik" wird ebenfalls beim "Ake Dikhea?"-Festival gezeigt. (Roger Arpajou)

Geht es um das Leben der Roma-Minderheit, präsentieren Filmemacher mitunter nichts als Klischees. Das erste Roma-Film-Festival "Ake Dikhea?" will dagegen kulturelle Werte betonen und authentische Geschichten erzählen.

Zuletzt führte der im September gestartete Film "Hereinspaziert" von "Monsieur Claude und seine Töchter"-Regisseur Philippe de Chauveron vor, wie Roma von den weißen Mehrheitsgesellschaften in Westeuropa gesehen werden: bettelnde Wilde, die unfähig sind, integriert zu werden.

Andere Bilder von Sinti und Roma sind selten zu sehen. Sind die Vorurteile also deshalb so groß, weil es nur diese Bilder gibt oder drücken die schlichten, abwertenden Bilder eben jene Vorurteile der Gesellschaft aus?

Gemeinsame Sprache

Das erste Roma-Film-Festival "Ake Dikhea?" (zu deutsch: "Siehst du?") will andere Bilder zeigen. Es findet vom 19. bis 22. Oktober im Moviemento in Berlin statt und bietet unter anderem Diskussionsveranstaltungen und Workshops.

Im Deutschlandfunk Kultur hat Festivalleiter Hamze Bytyci erklärt, was die Angehörigen der Roma-Minderheit miteinander verbindet.

Unter anderem sei dies die Sprache Romanes, die von den Menschen in unterschiedlichen Dialekten gesprochen werde. Den Roma liege die Großfamilie ursprünglich besonders an Herzen, sagte Bytyci.

"Die Großfamilie ist im Endeffekt unsere Lebensversicherung gewesen. Und die ist leider am bröckeln, weil die moderne Zeit das so nicht mehr erlaubt. Zu wenig Wohnraum, auch zu wenig Arbeit - und all diese Sachen kumulieren zusammen."

Mit Filmen gegen Vorurteilen

Dabei seien gerade die Geschichten, die die Großmutter früher erzählte, ein wichtiger Teil der Roma-Kultur. Ziel des Film-Festivals sei es, diese Kultur vorzustellen, aber auch Vorurteilen in der Gesellschaft entgegenzuwirken und ein "Gegenwicht gegen Angst und Neid" zu schaffen. Einer der Filme, die zu sehen sein werden, heißt "Toto und seine Schwestern". In dem Dokumentarfilm porträtiert Alexander Nanau drei Kinder aus Bukarest. Es geht um die täglichen Folgen jahrhundertelanger sozialer Ausgrenzung.

(mau)

Ake Dikhea? - 1st Roma Film Festival
vom 19. bis 22. Oktober im Kino Moviemento in Berlin
Eröffnung am 19. Oktober im Haus der EKD, Charlottenstr. 53 in Berlin.

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